Eifel-Toskana
wo Bäche verschwinden


Ein Hauch von Toskana liegt über der folgenden Wanderlandschaft. Hier gewinnt der Wanderer einen einmaligen, einen ungewöhnlichen Eindruck von der Eifel, der völlig untypisch ist für dieses Mittelgebirge. Nicht zuletzt wegen der vielen, den Zypressen ähnelnden Wacholderbäume. Dazu wächst auf den kargen, trockenen Hängen eine Vielzahl der verschiedensten Blumenarten, die von April bis September mit ihren bunten Farben immer wieder neue Bilder präsentieren. Daher wird diese Landschaft gern als die "Toskana der Eifel" bezeichnet.

Wacholderbeeren
Wacholderbeeren
Küchenschelle
Küchenschelle
Schlüsselblume
Schlüsselblume

     Wacholder 1 u. 2jährig                                       Küchenschelle                                      Schlüsselblumen

Gegenüber der Kirche in Ripsdorf finden wir einen Parkplatz (506m), wo wir unsere Wanderung starten. Ein Wegweiser zeigt die Kirchstraße hinunter zum Lampertstal, das unser erstes Ziel ist. Am Fronweg wandern wir rechts die Schulstraße weiter, die nach 100m in einen Wiesenweg übergeht und an einem befestigten Weg endet. Hier wenden wir uns nach links, um nach 120m rechts abzubiegen. Es geht leicht bergan mit einer herrlichen Aussicht links zur markanten Kuppe des Aremberges (0,65km, 502m ü.NN). Mit einem Rechtsbogen wandern wir nun bergab und stoßen auf einen Schotterweg, den wir links weitergehen. Immer leicht bergab wandern wir am Waldrand entlang, vorbei an einem Mathiaskreuz, durch das reizende Reipstälchen. Am Ende erreichen wir das Lampertstal (2km, 420m ü.NN). Dort treffen wir auf den Eifelsteig, der uns jetzt bis Mirbach den Weg zeigt. Hier ist eine Abkürzung möglich, wenn man die Mirbachschleife auslässt und das Lampertstal Richtung Alendorf geht.
Es geht zunächst talwärts. Kurios ist, dass hier eigentlich der in der Karte eingetragene Lampertsbach plätschern müsste. Aber durch die Talwiesen schlängelt sich nur ein trockener Graben. Auch als wir nach 300m mit dem Hinweis „Mirbach 2,6km“ die Talseite wechseln, überqueren wir ein trockenes Bachbett. Das Geheimnis wird aber im Verlauf der Wanderung noch gelöst. Eine erste Erklärung finden wir 400m weiter, wenn wir das rechts herunterkommende Tälchen auf dem Eifelsteig hoch gehen. Vorher weist uns ein Stein mit Beschriftung noch darauf hin, dass wir die Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz überschritten haben (2,5km, 413m). An einem kleinen Rastplatz klärt uns eine Informationstafel über eine hier am Rande des Rastplatzes auftretende Karsterscheinung auf, die Bachwasser im Boden verschwinden lässt. Leider ist das von Mirbach herabfließende Bächlein hier schon ohne Wasser und so können wir die Erläuterungen nur theoretisch nachvollziehen. Ein praktisches Beispiel werden wir aber noch auf unserer Wanderung erleben.
Über einen Kilometer wandern wir nun das Tälchen bequem bergan. Dann endet links der Wald und der Weg führt uns rechts nach Mirbach. Dort folgen wir der Wacholderstraße Straße und überqueren dabei das uns lange Zeit begleitende Bächlein Es ist hier eingefasst mit einer Halbschale und führt auch deshalb noch Wasser. Der Mittelpunkt des Ortes bildet die auf der Höhe liegende Erlöserkapelle, wobei der Begriff Kapelle untertrieben scheint (5,0km, 480m).

        "Erlöserkapelle Mirbach"                              Kapelleninnere                                    "Bachschwinde"

Wirkt schon das Äußere im Vergleich zu den wenigen Häusern des Dorfes imposant, so trifft den Besucher beim Betreten des Innenraumes eine unvorbereitete Überraschung. Die Ausstattung wirkt fremdartig, ja sogar orientalisch. Im Gewölbe und im Chorraum glitzern herrliche Goldmosaike. Als die Vorgänger-Kapelle baufällig war, fühlten die Herren von Mirbach, ein einst hier ansässiges Rittergeschlecht, sich mit der Heimat ihrer eifeler Vorfahren verbunden. So ließ 1902/03 der evangelische Freiherr von Mirbach, der im Dienste des Kaisers in Berlin stand, für die katholische Eifelbevölkerung eine neoromanische Kirche errichten, die von dem gleichen Baumeister stammte wie die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis Kirche in Berlin. Der evangelische Kirchenbauverein Berlin beteiligte sich ebenfalls reichlich an den Kosten. Die Errichtung dieser katholischen Kirche machte es gewissermaßen zur Pflicht, nun auch für die noch bedürftigeren Evangelischen ein schönes Gotteshaus errichten zu lassen. So entstand wenige Jahre später die Erlöserkirche in Gerolstein.
Nach dem Besuch der Kapelle gehen wir zurück und halten uns zweimal links. Am Ortsende wandern wir rechts am Waldrand entlang mit Blick auf Mirbach und seine hügelige Umgebung. Gegenüber liegt der mit Wacholder bestandene Eusberg. Wir stoßen am Ende des Waldes auf einen befestigten Weg, den wir 100m rechts gehen und hinter dem einzelnen Haus links bis zum Ende des befestigten Weges wandern. Der anschließende Wald wird immer wieder durch Wiesen aufgelockert und der Weg verliert langsam an Höhe. Unten erreichen wir wieder das Lampertstal und einen in der Erde verschwindenden Bach (7,8km, 430m).
Hier wird das zuvor erläuterte Verschwinden eines Baches realitätsnah erlebt. Rechts von der kleinen Brücke erkennen wir, wie das Wasser des Lampertsbaches zwischen den Steinen im Erdboden verschwindet. Wir haben es mit einem geologischen Phänomen zu tun. Der Untergrund hier im Lampertstal besteht vorwiegend aus Kalkschichten und diese unterliegen stärker chemischen Verwitterungsprozessen als Sandstein- und Tonschieferschichten. Kalkstein ist von Natur aus brüchig und bildet feine Risse, in die Wasser eindringen kann. Kohlensäurehaltiges Niederschlagswasser sickert ein und löst den Kalk. Diese Schwächezonen werden mit der Zeit zu Rinnen und tiefen Furchen erweitert, es führt dann letztendlich im Untergrund zur Bildung von Spalten und Gängen und sogar zu unterirdischen Höhlen und Fluss-Systemen. Mit einem solchen Vorgang haben wir es hier zu tun. Das unterirdisch abfließende Wasser tritt erst im Ahrtal wieder ins Freie. Solche Bäche wie hier im Lampertstal nennt man Verlierbäche. Nur wenn der Bach viel Wasser führt, fließt es, wie bei einem Gully, oberirdisch weiter. 

        Weg zum "Kalvarienberg"                              "Eifelblick"                                   Gipfelkreuz "Kalvarienberg"

  Auf der anderen Talseite erläutert eine Info-Tafel nochmals diesen Vorgang. Jetzt ist der Eifelsteig wieder unser Wanderführer. Einen Kilometer wandern wir das Lampertstal ohne Anstrengung aufwärts. Am rechten Hang nimmt die Anzahl der Wacholderbüsche immer mehr zu. Vor uns taucht der kleine Ort Alendorf auf. Das Landschaftsbild wird nun geprägt von den ringsum bewachsenen Wacholderhängen und weil sie in ihrem Aussehen an Zypressen erinnern, nennt man die Landschaft auch gerne „Toskana der Eifel“.

Panorama vom "Kalvarienberg"

An einem kleinen Rastplatz (9,0km, 474m) knickt der Eifelsteig rechts ab und ein Pfad führt jetzt zwischen Wacholderbüschen steil bergan auf den Kalvarienberg. Stehen bleibt man zwischendurch nicht nur des Verschnaufens sondern auch der schönen Aussicht wegen. Der Kalvarienberg liegt inmitten des Wacholder-Schutzgebietes „Lampertstal“ und ist das größte zusammenhängende Wacholder-Gebiet Nordrhein-Westfalens. Eine Fülle der auf den Kalktriften heimischen Pflanzen- und Tierarten kann man entdecken. Vom Frühjahr bis zum Herbst erblühen immer wieder neue Arten, wie Küchenschelle, Schlüsselblume, 31 Orchideenarten und Enziane. Viele farbenprächtige Schmetterlinge wie Bläulinge und Widderchen können auf den Blüten bei der Nektaraufnahme beobachtet werden.

                      Enzian                                                       Knabenkraut                                         Bläuling

Nach 300m Aufstieg haben wir den Gipfel (9,3km, 517m) und damit einer der schönsten Aussichtspunkte der Nordeifel erreicht. Die markante Kuppe des Aremberges (623m) und der höchste Gipfel der Eifel, die Hohe Acht (746m), heben sich am Horizont ab. Hier oben ließ 1663 Graf Salentin von Blankenheim eine Kapelle errichten, die von der St. Agatha Kirche am Ortsrand von Alendorf über einen Kreuzweg mit sieben Sandsteinkreuzen  zu erreichen war. Die Kapelle wurde später durch das heutige Schlusskreuz ersetzt. Die Kreuzwegstationen wurden im 19. Jh. erweitert.

                          Alendorf                                           "St. Agatha Kirche"                                  Waldorf

Auf dem Kreuzweg wandern wir hinunter zum Fuß des Berges (9,6km, 491m ) und hinüber zur St. Agatha Kapelle von 1494. Wir betreten das ummauerte und mit Buchen 1827 angepflanzte Kirchengelände und gehen zum Kirchenportal, das leider fast immer verschlossen ist. Wir verlassen hier das Gelände, steigen ein Paar Stufen hinunter und wenden uns auf dem Pfad nach rechts, der auf einem Wirtschaftsweg stößt. Links erkennen wir an einem Mast das Eifelsteig-Logo. Mit einem Rechtsbogen steigen wir gemächlich zum Griesheuel auf, mit herrlicher Aussicht auf das „mediterrane“ Alendorf, das förmlich von drei wacholderreichen Kalktriften eingerahmt ist. Auch der Weiterweg gewährt freie Sicht auf eine weitläufig hügelige Landschaft, die wir bei einer kurzen Rast von einer Bank genießen können. Es ist mit 549m auch der höchste Punkt unserer Wanderung. In unmittelbarer Nähe steht eins von einigen Kreuzen, die wir zwischen Alendorf und Waldorf am Wegesrand vorfinden. Wir erreichen eine schmale Straße (10,8km) die wir überqueren und auf dem Wiesenweg Richtung Waldorf weitergehen. Damit verlassen wir hier den Eifelsteig, der rechts nach 2,7km Ripsdorf erreicht (Abkürzung). Wir wandern leicht bergab auf das vor uns in freier Flur liegende Örtchen zu, begleitet von vielen Schlüsselblumen am rechtsseitigen Hang. An einem Hochstand geht es geradeaus am Wald entlang zu einer Straße (11,8km, 470m). Der aufmerksame Wanderer entdeckt hier eine Ansammlung von Herkulesstauden. Die aus dem Kaukasus eingeschleppte, auch Riesen-Bärenklau genannte Pflanze kann bis über zwei Meter hoch werden. Anschauen ja, aber bitte nicht berühren, denn es kann zu schmerzhaften Quaddeln und zu schwer heilenden Verbrennungserscheinungen führen.

               Herkulesstauden                              Biotop am "Bonnesbach"                          "Köhler Mattes"

 Wir gehen jetzt links auf der Straße über den „Bonnesbach“ immer bergan nach Waldorf. Wie ausgestorben liegt das Örtchen weit abgelegen von jeglichem Verkehr. Deshalb bekommt die geschnitzte Holzfigur des Köhler Mattes unsere ganze Aufmerksamkeit. Er erinnert an die Zeit vergangener Jahrhunderte, als es in Waldorf viele Kohlemeiler gab, mit denen sich die Waldorfer ihren Unterhalt verdienten. (12,5km, 485m)
Weiter geht es über die "Kreuzgasse" und den "Ahrmühlenweg", wo wir auf eine Vielzahl von Wanderwegen treffen. Wir orientieren uns jetzt an dem Eifelvereinsweg 4 (alt: "Josef-Schramm-Weg") und folgen diesem hinunter zum Bonnebach. Die hier auffällige rotbraune Ackererde weist auf Reste einer vorhandenen Buntsandsteinschicht hin.
Am Bach entlang wandern wir bis zur Straße nach Ahrmühle. Hoppla, Ahrmühle? Hier ist doch nicht die Ahr, laut Karte ist es der Schafbach. Da dieser zu den größten Zuflüssen am Oberlauf der Ahr zählt, wurde er im Volksmund auch als die „richtige“ Ahr angesehen, worauf auch der Name Ahrmühle zurückgeht. Wir wandern rechts zur Brücke und dort mit dem Eifelvereinszeichen weiter geradeaus am Bach entlang. Nach einem Kilometer liegt links die Ripsdorfer Mühle. Ursprünglich handelte es sich um eine alte Bannmühle. Das heißt, die Landesherren ordneten an, welche Orte ihr Getreide in welcher Mühle zu mahlen hatten. Heute wird hier nicht mehr gemahlen, sondern nur noch Landwirtschaft betrieben. An der Zufahrt fällt rechts ein schönes altes Sandsteinkreuz der Familie Steffens auf.
Wir erreichen die K69 und wieder den Eifelsteig. Er führt uns nun auf der anderen Straßenseite hinauf nach Ripsdorf und zu unserem Ausgangspunkt.  

                       "Brothaus"                                           Kirche Ripsdorf                                    Kircheninnere

 Zuvor passieren wir in der Tränkgasse noch das „Brothaus“, ein teilweise aus dem 17. Jh stammendes Fachwerkhaus. Ein Besuch der Pfarrkirche „Johann Baptist“ mit ihrem wehrhaften und wuchtigen Westturm zeigt eine Besonderheit im Eifeler Sakralbau. Der zweischiffige Bau wird von zwei Säulen getragen. Wer möchte kann die Wanderung im Restaurant Breuer mit Kaffee und Kuchen abschließen.

Information: Wanderkarte Nr.12 „Blankenheim Oberes Ahrtal“ des Eifelvereins,
Streckenlänge ca. 16,0km, Abkürzung (ohne Mirbach) nach 2km im Lampertstal direkt rechts Richtung Alendorf. 10,0km, Abkürzung nach 11,1km über den Eifelsteig zurück nach Ripsdorf 14Km
Schwierigkeit: mittel, gemächliches Auf- und Ab, kurzer steiler Anstieg zum Kalvarienberg und zum Schluss nach Ripsdorf ein etwas steilerer Anstieg; Abstiege 310m, Aufstiege 310m
Einkehrmöglichkeit: Mirbach Wanderhütte  „Em Backes“ http://www.eifel.info/a-wanderhuette-em-backes . in Ripsdorf „Hotel u. Restaurant Breuer“ www.breuer-ripsdorf.de

 

Kreuzweg auf dem "Kalvarienberg"

GPX-Track


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Video

Karte



Tourenübersicht Kalkeifel

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