Ein schlafender Vulkan
eine Tour in die erdgeschichtliche Vergangenheit

Die Eifel hat eine lange erdgeschichtliche Entwicklung, die vor 350 Mio. Jahren mit Ablagerungen in einem flachen Meer begann und bis in die Neuzeit hineinreicht. Denn in der Entwicklung der Erde ist gerade ein Wimpernschlag vergangen, dass sich in der West- und Osteifel durch vulkanische Ereignisse die jüngste Landschaft Mitteleuropas entstand.

Die vulkanischen Kräfte sind auch heute noch immer aktiv. Ein Kennzeichen dieser vulkanischen Aktivitäten sind die Kaltwasser-Geysire in Wallenborn und Anderach sowie austretende vulkanische Gase im Laacher See. Mittels seismographischer Messungen konnte nachgewiesen werden, dass unter der Eifel eine 1000° bis 1400° heiße Zone (Plume) liegt, die 200  heißer ist als ihre unmittelbare Umgebung. Das bedeutet, dass wir auch in Zukunft mit vulkanischen Aktivitäten rechnen müssen.

Laacher See

An dem Großparkplatz (290m) in Maria Laach (gebührenpflichtig 1,50€ ohne Zeitlimit) starten wir unsere Vulkanexpedition. Beginnen wollen wir, weil sie ohnehin auf unserem Weg liegt, zunächst mit einer Besichtigung der Abteikirche.
Die mächtige Basilika wurde 1156 gebaut und gehört zu einem Benediktiner Kloster, das 1093 vom Pfalzgrafen Heinrich II. aus dem Hause Luxemburg-Salm gegründet wurde. Die Abtei bestand bis 1802, danach wurde sie im Zuge der Französischen Revolution säkularisiert. In der Folgezeit wechselte sie mehrfach den Besitzer, bis 1892 Benediktiner das Kloster neu besiedelten. Die beiden Weltkriege überstand das Kloster ohne größere Schäden. Die zur Abtei gehörenden Ländereien und der See werden heute noch von den rund 60 Mönchen bewirtschaftet, getreu dem Grundsatz ihres Ordens:  "Ora et labora", „Bete und arbeite!“

          "Abtei Maria Laach"                         "Löwenbrunnen im Paradies"                            Abtei innen

Dann stehen wir vor einer der schönsten romanischen Kirchen Deutschlands. Wenn man den äußerlichen Bau betrachtet, dürfte es dem Betrachter bewusst werden, dass die einmalige Schönheit dieses romanischen Bauwerks wohl in seiner Schlichtheit und im Zauber seiner Baumaterialien liegt. Die verbauten Steine sind überwiegend vulkanischer Herkunft, die aus verschiedenen Regionen der Umgebung stammen. Darin erkennt man die Vielfalt der Eifelgesteine.
Durch das Bogenportal betreten wir die kreuzgangartige Vorhalle und stehen dem berühmten Laacher Paradies, ein wahrhaft andalusisch wirkender Ort, gegenüber. Es ist ein kleiner, lichtdurchfluteter, nach oben offener Garten, in dem die vier aus Löwenmäulern kommenden Wasserstrahlen an die Wässer des Paradieses erinnern sollen, die in vier Himmelsrichtungen fließen. Was einst das Innere der Abteikirche schmückte, ist verschwunden. Das Hochgrab des Stifters mit einem Modell der Kirche, gleich neben dem Eingang, blieb als einziges erhalten; ebenso der in einer Kirche fast einzigartige, steinerne Hochbaldachin, der seit dem Ende des 13. Jh’s den Altar überwölbt.
Nach dem Besuch setzen wir unsere Wanderung an der Buchhandlung fort, wo ein Weg Richtung Waldpavillon abzweigt. Es ist hier der „Jakobsweg 1“ des Eifelvereins und ein mit „N“ bezeichneter Wanderweg zum Naturfreundehaus. Gleichzeitig verläuft entlang der Klostermauer ein Steinlehrpfad, der über 26 Exponate aus der Laacher Region mit Informationstafeln die Fülle der Gesteinsarten zeigt. Am Ende des Lehrpfades überqueren wir die K56 (1,1km, 310m) und steigen hinter dem Wohnhaus den Waldweg ein kurzes Stück bergan. Vorbei an einer Freifläche durchqueren wir ein kurzes Waldstück und wandern dann wieder rechts von Acker begleitet den "Thelenberg" hinauf bis zu einem Wegekreuz, wo der Blick auf den Ort Bell und dem dahinter aufragenden Vulkankegel des Sulzbuschs fällt. 

    Blick auf Bell u. "Sulzbusch"                              Lavagrube                                      "Wingertsbergwand"

Es geht durch einen schönen Buchen- und Eichenwald ein kurzes Stück steil bergan bis oben der Pfad nach links weiterführt (2,2km, 360m). Bergab geht es nun bis zu einem breiteren Waldweg, wo rechts nach 50m eine Bank und ein Bildstock stehen. Hier folgen wir geradeaus dem „N“ und gelangen bald zum Laacherseehaus (3.0km, 300m). Vorbei an dem Naturfreundehaus wandern wir auf einem Wiesenweg mit Blick in das Hügelland der Pellenz zur L113. Hier an der alten Laacher Mühle gehen wir am Gasthof, der nur noch ein leer stehendes, verwahrlostes Gebäude ist, zum Laacher Graben und folgen dem dort entlang führenden Fußweg bis zu einer Campingplatz-Zufahrt, auf der wir 400m an der A61 entlang weitergehen. Links erkennen wir in einiger Entfernung einen Steinbruch. Am Rande der Abbaugrube (4,3km, 260m) finden wir den Hinweis „Wingertsbergwand“ und folgen ihm und den weiteren Wegweisern auf einem Schotterweg. So gelangen wir schließlich zu dem weltbekannten vulkanologischen
Aufschluss des Lacher-See-Vulkans. Die vor 13000 Jahren gewaltigste Eruption der gesamten jüngeren Erdgeschichte in Mitteleuropa hat sich nirgendwo eindrucksvoller verewigt als hier. 60m türmen sich die vulkanischen Ablagerungen auf. An der 40m hohen, frei gelegten Abbauwand lassen Schicht für Schicht jede Phase des Ausbruchs erkennen und sind Zeugen der ungeheuren Kräfte, die dabei freigesetzt wurden.
Unter dem Laacher See-Becken hatte sich eine etwa 1000° heiße Gesteinsschmelze in einer riesigen Magmakammer angesammelt. Das leichtere, an Gasen angereicherte Magma, stieg in Rissen und durch Spalten zur Oberfläche auf und traf in ca. 1km Tiefe auf Grundwasser. Der Kontakt Magma/Wasser löste dann eine gewaltige Eruption aus. Die Ablagerungen jeder Einzellage erzählen die wechselhafte Geschichte der verschiedenen Transportprozesse des vulkanischen Materials, das die bestehende Landschaft unter sich begrub.
Die Wand zeigt die Frontalansicht eines Aschestroms, der am Rande eines Urtales zwischen 2 älteren Schlackenkegel-Vulkanen verlief und sich dort ablagerte. Entlang eines Lehrpfades erläutern Informationstafeln die verschiedenen Vorgänge.

                          Rastplatz                                            "Russischer Bär"                                     "Waldsee"

Weiter führt unsere Tour am Waldrand entlang. Es ist eine grandiose Aussicht, die weit  rechts hinüber in die Eifel geht, vor uns die Weite der Pellenz, wo ein Vulkankegel besonders aus dem Hügelland herausragt, es ist der 295m hohe Korretsberg bei Kruft. Wir kommen an ein Kreuz mit einer Bank und einem kleinen Parkplatz (7,4km, 255m). Vom diesem gehen wir nun in einen wunderschönen Mischwald bis zu einem Forstweg, biegen dort links ab und wandern nach 50m vor einer Bank rechts weiter. Die Wege sind alle ohne Markierung. Erst bei einem links abzweigenden Weg finden wir einen Hinweis zu einem „Traumpfad“, stilisierter Fluss auf orangem Hintergrund (8,2km, 265m).
Hier werden wir unsere Wanderung später fortsetzen. Zunächst machen wir noch einen kleinen Abstecher zu einem idyllisch mitten im Wald gelegenen See. Der versteckt sich hinter Bäumen direkt vor uns in einer ehemaligen Bimsgrube. Wir wandern rechts am Böschungsrand leider ohne freie Sicht zum Wasser bis zum Eingang. Wer möchte kann hier ein kühles Bad nehmen. Das Naturbad ist außer sonntags frei zugänglich (8,8km, 250m). Nach einer kleinen Rast gehen wir wieder dahin zurück, wo wir das erste Mal das Logo Traumpfad entdeckten. Man kann den See zwar oberhalb auf einem Weg umrunden, aber eine freie Sicht zum See ist nirgends vorhanden. 

            "Krufter Waldsee"                             Traumpfad zur Teufelskanzel                  "Teufelskanzel"

Wir folgen nun der Markierung des Traumpfades. Er führt zunächst leicht bergan vorbei an einer Wiese mit mehreren Apfelbäumen. Zur Reifezeit sind die Früchte eine schmackhafte Wegzehrung. An einem Querweg informiert ein Schilderpfahl  (9,7km, 285m), dass wir uns auf dem „Pellenzer Seepfad“ befinden und es links 1km zur „Teufelskanzel“ geht. Rechts ist die mächtige Abbauwand einer ehemaligen Bimsgrube zu sehen. Die Natur hat sich das Gelände inzwischen wieder zurückgeholt und alle Werksspuren zugedeckt. 100m weiter steigt nun der Pfad steil bergan bis zu einem Forstweg, auf dem wir nach rechts etwas verschnaufen können. Aber die Atempause ist nur von kurzer Dauer, wobei wir aufgrund der auf dem wir nach rechts etwas verschnaufen können. Aber die Atempause ist nur von kurzer Dauer, wobei wir aufgrund der Hinweisschilder feststellen, dass wir auf den letzten 400m schon 60 Höhenmeter überwunden haben. Es wird jetzt sogar alpin, wie zu lesen ist. Trittsicherheit wird verlangt und bei Nässe besteht Rutschgefahr. Wer sich diese Anstrengung und Schwierigkeit ersparen möchte, kann auf einer leichteren, aber längeren Wegeführung die extreme Steigung umgehen. Der Pfad ist trocken und so wagen wir den Gipfelsturm Es geht vorbei an steil aufragenden Schlackenfelsen und einer eindrucksvollen Felsnische zum Highlight, der Teufelskanzel (10,5km, 406m). 

Aussicht von der "Teufelskanzel"

Die Anstrengung wird mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Wir schauen 160m hinunter auf das Grün des Waldes in dessen Mitte der Waldsee einsam und verloren wirkt. Weiter geht der Blick ins Neuwieder Becken mit der bekannten Silhouette des ehemaligen Kernkraftwerks in Mülheim-Kärlich. Sogar der Rhein hebt sich silberglänzend am Horizont ab. Wir folgen jetzt frisch erholt weiter dem „Traumpfad“ Logo auf einem bequemeren Weg um den Vulkankegel des Krufter Ofens und mit weiter sich bietenden Aussichten. An der Höhe 428m (10,8km) zweigt rechts ein Pfad zu einer Schutzhütte ab mit einem letzten Blick in die Pellenz. Ohne diesen Abstecher wandern wir geradeaus und folgen dem Wegweiser „Maria Laach“ durch einen wunderschönen Buchenwald. Der Traumpfad führt dann spitzwinklig bergab. Wir bleiben zunächst noch auf fast gleich bleibender Höhe 400m auf dem Waldweg. Erst dann nehmen wir den bergab führenden Weg. An einer Wegekreuzung zeigt uns auf einem Basaltstein der Hinweis „Alte Burg“ die weitere Richtung an. Nach 600m biegen wir 30m hinter einem Knotenpunkt links in einen etwas verwilderten Pfad ab. Er führt uns stetig bergab bis zu einem Forstweg, dem wir rechts 100m folgen und dort die links spitzwinklig bergab führende „Geo-L“ Route nehmen. Zwischen den Bäumen schimmert der Laacher See zu uns hinauf. Am Ende des Abstiegs erreichen wir den See-Uferweg und der uns schon bekannte Traumpfad. Bevor wir uns links zur Abtei Kirche bewegen, machen wir noch einen kleinen Abstecher rechts zur „Alten Burg“. Wir kommen zu einer kleinen Halbinsel, wo einst die Burg des Pfalzgrafen Heinrich II., dem Stifter des Klosters Maria Laachs, stand. Außer dem Namen „Alte Burg“ gibt es kaum wahrnehmbare Spuren des herrschaftlichen Gemäuers (13,9km, 280m). Von der Sitzgruppe klettern wir aber rechts über Wurzeln die steile Böschung zum Seeufer hinunter. Es bietet sich ein beeindruckendes Schauspiel. Unmittelbar vor unseren Füßen, scheint der See auf einmal lebendig zu werden. Blubbernd und glucksend steigen Blasen aus der Tiefe und zerplatzen an der Wasseroberfläche. Wenn ihr mit dem Cursor auf das Bild mit den Blasen geht, werdet ihr im Originalton das Blubbern hören. Ist das der Atem eines schlafenden Vulkans in der Tiefe? In gewisser Weise ja, denn unter den sanften Hügeln rund um den erloschenen Laacher-See-Vulkan befindet sich noch immer eine riesige Magmakammer. An ihren Rändern bildet sich Kohlensäure, die durch Risse und Schlote zur Erdoberfläche aufsteigt. Die zahlreichen kohlensäurehaltigen Mineralquellen (Sauerbrunnen) sowie Thermalquellen und Geysire in der Vulkaneifel sind seit langem ein sicheres Indiz dafür dass der Vulkan nur ruht und nicht erloschen ist. In den letzten Jahren verstärken sich die Kohlendioxid-Austritte und Vulkanologen schließen einen erneuten Ausbruch in den nächsten Jahrzehnten nicht völlig aus.

                "Laacher See"                            aufsteigende Kohlensäureblasen                   neue Freunde?

Von der „Alten Burg“ wandern wir aus dem Wald rechts in die Feldflur und kommen zu einem Abflussstollen des Lacher Sees. Ursprünglich reichte der See bis nahe an die Abtei heran und um diese vor Hochwasser zu schützen und Land zu gewinnen, ließ schon der zweite Abt des Klosters, Fulbert, zwischen 1152 und 1170 einen etwa 880m langen Abzugsstollen durch die südlichen Randberge des Laacher Beckens graben. Dieser Tunnel stellt, da man noch keinen Kompass benutzte, eine bewundernswerte Ingenieurleistung des Mittelalters dar. Im Zuge der Säkularisierung wird gegen Anfang des 19. Jahrhunderts das Kloster aufgegeben. Der Stollen verfällt mangels ausreichender Wartung und bricht an einigen Stellen ein. 1844 wird daher ein neuer Stollen gebaut, welcher den Wasserspiegel des Laacher Sees noch etwas tiefer auf das heutige Niveau absenkt. Dieser Stollen ist noch immer in Betrieb. Das abfließende Wasser speist einen Teich, dessen Wasser die Laacher Mühle nutzte.
Mit dem Hauptweg gehen wir zur L113, auf die wir bei einer alten Linde treffen. Rechts an der Straße entlang gelangen wir wieder zum Ausgangspunkt.
Einblicke in vielfältige erdgeschichtliche Vorgänge haben wir heute erlebt und die zahlreichen vulkanischen Zeugnisse zeigen uns, dass der jüngste Vulkanismus dieser Region nicht erloschen ist sondern nur ruht und eine Pause einlegt. Aber wann er wieder erwacht, weiß niemand. So genießen wir noch weiter diese reizende Landschaft mit all ihren Schönheiten.  

Information: Wanderkarte Nr.32 „Osteifel mit Laacherseegebiet“ des Eifelvereins. Es ist eine einsame, aber doch abwechslungsreiche Wanderung, die im ersten Teil der Strecke auf Wegen ohne besondere Markierung verläuft.
Maria Laach http://www.rhein-eifel.tv/kirchen-kloester/kloester-in-der-eifel/abtei-maria-laach.html
Strecke: Rundwanderung 16,5 km, fast nur unbefestigte Wege und Pfade, mit alpinem Charakter an der Teufelskanzel und wunderschönen Aussichten.
Schwierigkeit: Mittelschwere Tour, anstrengend ist nur der steile Aufstieg zur Teufelskanzel, der aber mit einer abgeschwächten Variante umgehen werden kann. Hier helfen zur Erleichterung Stöcke, wenn sie richtig eingesetzt werden. Auf- und Abstiege 380m,
Einkehrmöglichkeit: nur in Maria Laach, unterwegs keine, daher Rucksackverpflegung.

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Abtei Maria Laach

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