Etappe  3 / Variante a

 

In Monschau, eines der attraktivsten Eifelstädtchen und Beginn der dritten Eifelsteigetappe, sollten sie sich einmal Zeit nehmen für die Schönheiten der historischen Altstadt, die im engen Tal der Rur gefüllt ist mit alten Bauwerken, urigen Straßen und Gässchen.
Im 12.Jh. erblickte Monschau das Licht der Geschichte ohne jedoch besondere Bedeutung zu erlangen. Als 1598 protestantische Familien die Stadt Aachen verlassen mussten, waren sie dem toleranten Herzog von Jülich willkommene Untertanen. 

Monschau, versteckt im Rurtal

Die wachsende Monschauer Tuchindustrie erlangte in den folgenden 200 Jahren Weltruhm und machte ihre Einwohner zu wohlhabende Bürger. Der Zweite Weltkrieg hatte in Monschau nur geringe Schäden hinterlassen, sodass auch heute noch das historische Ambiente die Besucher begeistert.

Um diese Schönheiten intensiver zu betrachten, schlage ich den Wanderern eine verkürzte Eifelsteigetappe vor, die am Ende wieder in Monschau endet. Nach Einruhr kann die Etappe an einem anderen Tag mit gleichfalls verkürzter Route fortgesetzt werden.
Wer mit dem Auto nach Monschau kommt, parkt entweder auf dem Großparkplatz „Burgau“ oder im Parkhaus „Schmiede“ (beide sind kostenpflichtig). An beiden Stellplätzen endet der offizielle Autoverkehr in die Stadt. Wir beginnen unsere Wanderung am Parkhaus „Schmiede“ (Bushaltestelle der AVV) und können so noch eine kleine Stadt- und Burgbesichtigung mit einflechten. Vom Parkhaus wenden wir uns Richtung Stadt und gehen nach ca 50m rechts den „Schaufenberg“ und anschließend die „Schloßkehr“ hinauf. Oben stehen wir dann vor dem mächtigen „Esselsturm“, der im Norden den Zugang zur Vorburg absicherte. Während der Tordurchlass nur 2,15m breit ist, haben die Mauern eine Mächtigkeit von bis zu 4,5m. Jetzt haben wir einen ersten Blick auf die Stadt im Tal, mit einem Gewimmel von Fachwerkbauten und schiefergedeckten Dächern. Gegenüber liegt die Ruine des Hallers, die wir auf der nächsten Etappe nach Einruhr besuchen werden. Die Burg beherbergt heute eine Jugendherberge und wird im Sommer zu einer stimmungsvollen Kulisse der „Monschau Klassik“. Das Burggelände ist frei zugänglich und ein kleiner Rundgang lohnenswert. ( Rhein-Eifel.TV-Video bei YouTube ) Nach der Besichtigung gehen wir am Eselsturm die „Schlossberg“ Treppe zur Stadt hinunter bis zur Kirchstraße, auf der es rechts weiter geht. Vorbei an alten denkmalgeschützten Fachwerkbauten, von denen in Monschau fast 300 stehen, und der alten Pfarrkirche „St. Mariä Geburt“ erreichen wir die Stadtstraße. Beim Gang durch die Straßen empfiehlt es sich, auch einmal nach oben zu schauen. Entdecken kann man an zahlreichen Erkern und Giebeln Balken mit einer Rolle. In diesen Häusern arbeiteten und lebten meist Tuchmacher oder Weber, die auf den Dachböden ihre Wolle lagerten. Entlang der Rur geht es bis zum Großparkplatz „Burgau“(1km). Hier stand einmal eine Tuchmanufaktur, in der alle anfallenden Arbeitsgänge vom Spinnen des Garns über das Weben der Tuche, das Färben der fertigen Tuchstücke und das Walken der Tuche zusammengefasst waren. Heute hat man in den Hallen den „Monschauer Handwerkermarkt“ und die „römische Glashütte“ untergebracht. In einer Führung kann man erleben, wie vor 2000 Jahren Glaswaren gefertigt wurden. Der "Handwerkermarkt" ist im Stil eines Dorfplatzes angelegt. Rund um einen künstlichen Bachlauf mit Mühlrad befinden sich mehrere Marktstände.

                "Eselsturm"                                              "Teufelsley"                                                   "Engelsley"

An der Zufahrt zur Realschule steigen wir in den „Eifelsteig“ ein, der uns mit dem Wegweiser (411m ü.NN, „Engelsley“ 0,8km) direkt durchs „Düsterheck“ bergauf führt. Auf dem Berg- und Waldpfad gewinnen wir schnell an Höhe. Eben noch im lärmenden Touristenstrom Monschaus finden wir nur wenige Meter weiter die Ruhe und Stille einer einsamen Natur. Nach einem Aufstieg von 80 Höhenmetern liegen rechterhand seltsam aufgeschichtete Felsblöcke am Weg.
Beinahe wäre es hier oben über dem Perlenbach zu einem heftigen Streit zwischen Himmel und Hölle gekommen. Der Sage nach hat sich hier folgendes abgespielt: Als der Teufel vom Bau des Klosters Reichenstein erfuhr, packte ihn der Zorn und er sammelte im Venn Felsbrocken, um den Bau zu verhindern. Ein Engel stellte sich ihm mit einem viel größeren Felsen in den Weg. Daraufhin ließ der Teufel vor Wut die Steine fallen und verschwand. Auch der Engel ließ den Felsen zurück. Uns so liegen sie auch heute noch da und haben den Namen „Teufelsley“ und „Engelsley“ erhalten.
Vom Felsen der „Engelsley“ (495m ü.NN) hat man eine tiefblickende Aussicht auf Dreistegen, wo nur noch Ruinen an eine ehemalige Textilfabrik erinnern. Weiter wandern wir links auf dem Pfad „Perlenau 1,2km, Höfen 4,3km“. Der Weg verläuft bequem im Hang des Perlenbachtales weiter. 200m hinter dem Abzweig (2,6km, 496m ü.NN) zum Campingplatz geht es über Felsen und Wurzeln hinunter an den Perlenbach (2,0km, 449m ü.NN). Hier trifft das Motto des Eifelsteigs „Wo Fels und Wasser dich begleiten“ ganz und gar zu. Unten am Bach führt ein Steg zum gegenüberliegenden Hotel „Perlenau“.
1830 wurde hier eine Farbholzmühle mit Wollwäscherei erbaut. Als beide im Jahre 1880 mit dem Niedergang der Monschauer Tuchindustrie stillgelegt wurden, entstand ein Sägewerk in der Perlenau, das bis zum Jahre 1930 bestand. Als es 1930 stillgelegt werden musste, baute man es zu einem Hotel um.

"Wo Fels und Wasser dich begleiten"   Perlenbachstausee - Überlauf               Perlenbachstausee  

Wir bleiben auf dieser Seite und wandern links am Bach entlang zur Talsperre. An dem Wasserwerk stoßen wir auf die alte Straße Monschau Höfen, die heute mit einer Brücke das Tal elegant überquert. Wir wenden uns nach links, um 50m weiter rechts zur Talsperre zu gehen (3,8km, 465m ü.NN). Etwas nüchtern und schmächtig präsentiert sich der 18m hohe und 120m lange Damm der Talsperre. Fügt sich damit aber harmonisch in die Landschaft ein. 1956 wurde sie zur Trinkwasserversorgung und der Stromerzeugung gebaut.
1.2km wandern wir am Stausee entlang bis uns der Wegweiser (5,0km, 478m ü.NN) links bergauf zum Nationalparktor leitet. Die nächsten 500 Meter steigen mit 13% bergan. Auf dem quer verlaufenden Forstweg wandern wir oben links weiter und erreichen nach 600m in Höfen das Nationalparktor (5,9km, 542m ü.NN). Es erinnert nichts mehr daran, dass sich hier von 1933 bis 1954 die Molkerei von Höfen und Rohren befand. Heute beherbergt es eine mit modernsten Mitteln gestaltete Ausstellung zu den Schwerpunkthemen „Waldwandel“ und „Talwiesen“ sowie die Entwicklung des Nationalparks.

       Nationalparktor Höfen                         Im Monschauer "Heckenland"             Hinunter ins "Kluckbachtal"

Nach einer kleinen Einkehr und einem kurzen Besuch in der Ausstellung, finden wir an der Straße unseren Eifelsteig-Wegweiser, den wir nun Richtung „Widdau 7,0km“ weiter wandern. An der Kirche wechseln wir die Straßenseite und biegen hinter ihr rechts in die „Schmiedegasse“ ein. Eine große Anzahl gut erhaltener Fachwerkhäuser mit meterhohen Hecken bestimmen das Ortsbild. Auf den Feldern und Wiesen setzen sich typische Monschauer Flurhecken fort. An der „Triftstraße“ wenden wir uns nach links mit dem Hinweis „Kluckbachtal 1,4km “ (6,6km, 549m ü.NN). 100m weiter geht’s in die „Pferdebahn“ und nach weiteren 100m rechts auf einem leicht abfallenden Schotterweg. Nach Überquerung einer Straße folgen wir 100m weiter dem links bergab führenden Weg. An der nächsten Wegegabelung wandern wir auf gleich bleibender Höhe in einem Rechtsbogen weiter bis zu einem kleinen Rastplatz (7,8km, 520m ü.NN). Hier geht es links über einen Pfad zum Kluckbach talwärts. Unten erreichen wir einen Forstweg, wo uns das Logo erst rechts und dann links weiterführt. Abwechselnd mit Wiesen und Wald wandern wir 1km durchs Kluckbachtal und überqueren dann einen kleinen Nebenbach, wo es oberhalb der Böschung links weiter bergab geht (8,0km, 441m ü.NN). Wir erreichen einen Platz mit vielen Bänken und mehreren Holzhütten. Hier fand jährlich am Samstag nach Pfingsten ein Köhlerfest statt, wozu schon vor Pfingsten ein Kohlenmeiler aufgebaut und abgebrannt wurde. Leider bleibt der Meiler seit 2010 kalt, weil sich keine Helfer mehr finden.  Direkt am Kluckbach steht die historische Sägemühle. Die hier nach alten Plänen nachgebaute Mühle wird von Wasserkraft oberschlächtig angetrieben und hin und wieder wird den Besuchern gezeigt wie Baumstämme durch rhythmisches Auf und Ab eines Sägegatters der Länge nach in Bretter zerteilt werden.  Ähnliche Mühlen gab es bereits vor 400-500 Jahren an der Rur und seinen Nebenbächen.

        historische Sägemühle                           Kluckbrücke und Steg                     Monschau, Brücke "Rosenthal"

Wir wandern auf der anderen Bachseite weiter talabwärts und erreichen schließlich die Mündung des Kluckbaches in die Rur (10,2km, 370m ü.NN). Wir verlassen hier den „Eifelsteig“, der rechts über den Kluckbach nach 14.3km Einruhr erreicht. Für uns geht es auf einer Holzbrücke über die Rur und links ruraufwärts Monschau wieder entgegen, das nach 2,5km erreicht wird. Über die Eschbachstraße wandern wir wieder hinein in das historische Städtchen. An der Rurbrücke liegt gegenüber das im frühen 18. Jh. errichtete Aukloster mit der Kirche. Einen Turm erhielt sie aber erst 1924. Heute dient das Aukloster als Ausstellungs- und Versammlungsraum. Weiter geradeaus  fühlt man sich in ein anderes Jahrhundert zurückversetzt. Hier findet man die kleinen Häuschen der Bewohner, die für die großen Tuchfabrikaten arbeiteten. Links über eine Brücke kommen wir, für das sonst so enge Städtchen, zu einer ungewöhnlich großen freien Fläche. Diese wird seit 1886 als Markt genutzt und zählt zu den schönsten Plätzen in Monschau. Ursprünglich war auch dieser Platz dicht bebaut, doch in der Nacht zum 4. Januar 1876 fielen neun Häuser einer Brandkatastrophe zum Opfer. Sie wurden nicht wieder aufgebaut. So wurde der neu entstandene Platz zum Markt.
Die Aussicht von der Brücke zum Markt und rurabwärts mit den vielen windschiefen Fachwerkbauten ist beliebtes Fotomotiv. Vor dem Café Kaulard hat man den alten Berufsgruppen der Tuchmacherei, den Webern, den Tuchscherern und Färbern mit einem Brunnen ein Denkmal gesetzt. Wir gehen durch die Rurstraße und kommen zum meist fotografiertesten Motiv Monschaus. Eine malerische Kulisse bildet das Rurpanorama mit der „Evangelischen Brücke“, dem "Roten Haus" und der Haller Ruine auf der Höhe. Das Rote Haus ist eines der schönsten Patrizierhäuser des Rheinlandes. Der Bau dieses Hauses, 1760 durch Johann Scheibler erbaut, steht für den Höhepunkt der Monschauer Tuchindustrie. Heute ist es ein Museum mit der Originalausstattung des 17. und 18. Jahrhunderts. Eine Kostbarkeit ersten Ranges ist die geschnitzte freitragende Treppe. Durch die Laufenstraße aufwärts erreichen wir das Parkhaus (14km), wo früher einmal eine Seidenfabrik gestanden hat.

Information: Wanderkarte Nr.3 „Monschauer Land“ des Eifelvereins. Ein Besuch des Roten Hauses ist empfehlenswert
Strecke: 14 km, fast nur unbefestigte Wege und Pfade, außer im Bereich der Orte Monschau und Höfen,
Schwierigkeit: leicht, steiler Aufstieg 90m zur Teufelsley und 50m von der Talsperre zum Nationalparktor, Aufstiege 280m, Abstiege 280m
Einkehrmöglichkeit: in Monschau und Nationalparktor in Höfen ( www.alte-molkerei-hoefen.de )

Freitragende Treppe im "Roten Haus"

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Karte


Eifelsteig-Varianten

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