Spanien-Tour

Spanien lag vor 400 Jahren noch gar nicht so weit weg von uns. Im äußersten Südwesten von Nordrhein-Westfalen liegt noch heute ein kleiner Burgort, der seine Entstehung im 13.Jh. der strategischen Lage hoch über dem Kylltal verdankt. Die damaligen edlen Ritter von Kronenburg kamen 1555, wegen ihrer Zugehörigkeit zum Herzogtum Luxemburg, 160 Jahre lang unter spanische Herrschaft. Aus diesem Grund wird die ehemalige spanische Insel in der Eifel noch heute als „Spanisches Ländchen“ bezeichnet.

Kronenburg

Eine Exklave bildete Kronenburg auch 100 Jahre später, als es im Zuge der Neuaufteilung Mitteleuropas nach der Niederlage Napoleons an das Haus Mecklenburg-Strelitz gelangte und erst durch Tausch bzw. eine Abschlagszahlung 1819 an Preußen kam.

Durch diese ehemalige spanische Landschaft wandern wir heute auf unserer Tour. Ein Weg führt sogar durch diese Region bis auf die Iberische Halbinsel. Es ist der Jakobusweg auf dem seit dem Mittelalter Menschen nach Santiago de Compostela pilgern. Ein weiterer Pilgerweg führt von Aachen nach Trier zum Grab des hl. Matthias. Er ist gleichzeitig der Hauptwanderweg Nr. 6 des Eifelvereins. An der Straße von Hallschlag nach Ormont steht ca. 100m hinter der alten Bahnbrücke das Matthiaskreuz, wo wir unsere Wanderung starten (515m). gerecht zu werden benötigen wir hierfür noch etwas Zeit.

            "Matthiaskreuz"                                        "Matthiasweg"                                   "Goldberg", Lavagrube

Wir bewegen uns von der Straße einer kleinen Brücke zu. Nach Überquerung der Taubkyll, die 2km weiter bachabwärts zusammen mit der Kyll den Kronenburger Stausee bildet, wandern wir auf dem Matthiasweg dem kleinen Bachtal bergan bis zu einer Straße, die rechts zu dem kleinen Örtchen Ormont führt. In diesem Wort steckt das Wort Gold und Berg, benannt nach den golden glitzernden Biotitblättchen, die sich in der Vulkanasche des vor uns aufsteigenden Goldberges befinden.
An der Straße ist es jetzt jedem selber überlassen an welcher Stelle er die gegenüberliegende Böschung meistern will, wenn er so den kleinen Umweg bis zur eigentlichen Wegeinmündung abkürzen will. Denn dieser Weg führt nun auf direktem Weg hinauf zum Goldberg. Oben stehen wir vor einem der vielen Windkraftanlagen, die Anfang der 90. Jahre wegen der guten Windverhältnisse zur größten Windparkanlage der Eifel gebaut wurde. Eine Infotafel erläutert die Technik.
Links geht es noch ein paar Meter höher, und wer gehofft hat, dort auf dem höchsten Punkt des Goldberges zu stehen und eine besondere Rundumsicht zu erleben, sieht sich schnell getäuscht. Alles andere als eine atemberaubende Fernsicht liegt vor uns. Man fühlt sich in eine andere Welt versetzt, eine wahre Mondlandschaft breitet sich zu unseren Füßen aus. Es ist eine riesige Lavagrube, in der die Vulkanasche abgebaut wird und so den ehemaligen Goldberg allmählich von der Landoberfläche verschwinden lässt. Abgebaut wird der Goldberg bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Der ursprüngliche, stolze 649m hohe Vulkankegel lässt sich heute nur noch erahnen. Aus versicherungstechnischen Gründen ist natürlich das Betreten des Geländes verboten. Bei Sonnenschein glitzern und funkeln kleine Sternchen am Boden und beim genaueren Hinsehen kann man dann in den grotesk geformten Wurfschlacken glänzende Blättchen entdecken. Es sind braune und goldgelbe Biotitkristalle. Wegen dieser Biotitvorkommen hat der Berg auch den Namen „Goldberg“ erhalten. Gleichzeitig ist er der nordwestlichste Eckpfeiler des Westeifeler Vulkanzuges.
Wir gehen zurück bis zur Windkraftanlage und dort den Weg weiter bis zur nächsten, hinter der wir links um die Lavagrube herum bis zur Straße wandern. Der Blick schweift von hier oben über eine weite hügelige Landschaft und wäre beruhigend und anmutig anzusehen, gäbe es nicht diese Vielzahl von Windkraftanlagen, die das Landschaftsbild nachhaltig beeinträchtigen. 800m müssen wir nun auf der Straße nach rechts Richtung Kerschenbach gehen. Es ist eine wenig besiedelte Landschaft und so ist auch der Verkehr gering, aber Vorsicht ist trotzdem immer geboten.

                      "Biotit"                                                       Windpark                              Abstieg nach Kronenburgerhütte

Wanderten wir bisher im Lande Rheinland-Pfalz, so überschreiten wir am Tiefpunkt der Straße einen kleinen Bach und befinden uns anschließend in Nordrhein-Westfalen. 280m hinter der Landesgrenze biegt halblinks ein Weg mit der Nummer „9“ ab, dem wir nun folgen. Nach verlassen des Waldes (5,2km, 610m) ist in der Ferne auf der anderen Seite des Kylltales zum ersten Mal Kronenburg zu sehen. Die weiß gestrichenen Häuser heben sich auffällig aus dem umgebenden Grün ab.
An der nächsten Wegekreuzung (5,4km, 595m) wandern wir links auf einem asphaltierten Weg stetig ein kleines Tal hinab. Der Weg weist hinter der nächsten Kurve genau auf die Feste Kronenburg. Vor einer Wiese verlassen wir den befestigten Weg und wandern auf der anderen Bachseite auf angenehmeren, wenn auch zur Zeit stellenweise etwas matschigen Boden weiter. Vor einem Bolzplatz wenden wir uns nach rechts und biegen vor der Wiese links in einen kaum erkennbaren Fußweg, der in Kronenburgerhütte endet.  

           Kronenburgerhütte                            Aufstieg nach Kronenburg                    mittelalterliches Ortsbild

Dieser Name entstand, als 1464 die Konzession zur Errichtung einer Eisenhütte erteilt wurde. Jahrhunderte lang wurden hier Stubenöfen, Brandroste und Takenplatten von hoher Qualität hergestellt. Mitte des 19. Jhs. kam wegen fehlender Transportmöglichkeiten das Ende der Eisenhütte. Vor der Kyll biegen wir rechts ab und erreichen eine uralte bruchsteingemauerte Bogenbrücke (7,4km, 480m), die mit dem weißen Kapellchen im Hintergrund ein zauberhaft reizendes Bachidyll darstellt und deshalb gern auf Fotos festgehalten wird. Die Brigidakapelle, wie sie genannt wird, wurde 1734 erbaut. Nach einem kurzen Besuch in der Kapelle, wandern wir zur Bundesstraße, wo wir an der Ampel die Straße queren und nun noch einmal ins Schwitzen geraten. Es geht schließlich steil hinauf zum Burgort Kronenburg. Erst wandern wir an der Straße entlang, dann in einer Linkskehre den schmalen Fahrweg geradeaus bis zu einem Grillplatz. Rechts überqueren wir auf einem Holzsteg einen kleinen Bach, hinter dem wir nach den letzten anstrengenden Höhenmetern einen Parkplatz erreichen (8,3km, 545m). Der Ort liegt auf einem an drei Seiten steil abfallenden Bergkegel und hier im Norden lag ursprünglich der einzige schmale Zugang. Durch das Nordtor betreten wir von den Jahrhunderten scheinbar unberührt die malerische, mittelalterliche Kulisse der Bergfestung. Auf der linken Seite in der vor uns liegenden Gasse sehen wir noch sehr schön nebeneinander die Türen von Wohnhaus und Stall, aus dem bis in die 50er Jahre Kühe hinausgetrieben wurden oder Hühner das Dorf besiedelten. Nur wenige Burgorte, die einst so zahlreich in der Eifel vorhanden waren, sind heute noch in diesem Zustand erhalten. Schon nach wenigen Metern biegen wir rechts ab und finden eine Reihe renovierter Häuser vor, die den Ort nach Westen hin begrenzen. Links erinnert der Name des Cafes „Zehntscheune“ daran, dass Bauern und Bürger früher dem Grafen den zehnten Teil ihrer Einkünfte abzuliefern hatten. Aber welch faire Abgabe, wenn man daran denkt, welch enorme Steuern unser heutiger Staat von seinen Bürgern einkassiert. Daran möchten wir heute nicht erinnert werden, sondern einen abwechslungsreichen und unterhaltsamen Wandertag verbringen. Dazu schafft eine Einkehr in der gemütlichen „Zehntscheune“ einen zusätzlich köstlichen Beitrag.

            "Café Zehntscheune"                               Mitteltor und Kirche                               Kronenburger Ruine

Anschließend wird der angefangene Ortsrundgang fortgesetzt. Die gepflasterte Gasse führt an Jahrhunderte alten restaurierten Häusern vorbei zum Mitteltor. Hier schauen wir links die Tellgasse hinunter. Dieser Durchgang ist erst später entstanden. Ebenso der Aufgang rechts zur Burgruine, der 1969 angelegt worden ist. Der eigentliche Zugang zur Burg führte im Mittelalter durch das Mitteltor am Burghaus, dem heutigen Schlosshotel, vorbei. Dieses Gelände vor der Burgruine diente zwischen 1922 und 1926 einer kronenburger Laienspielgruppe als Freilichtbühne für Schillers Drama „Wilhelm Tell“, das an den Sommersonntagen aufgeführt wurde und zahlreiche Gäste aus dem ganzen Rheinland anzog. Das Burghaus bauten 1766 die Grafen von Blankenheim. Seit 1902 wohnen hier Feriengäste und so hielt der Fremdenverkehr in Kronenburg Einzug.
1492 wurde der Grundstein für die Kirche in Kronenburg gelegt und nach einer Bauzeit von 16 Jahren stellte man 1508 die kunstvollen Deckengewölbe fertig, die von einer Säule getragen werden. Auf ihr allein ruhen die zehn Gewölberippen, die wie ein Fächer steil zu den vier Gewölben aufsteigen. 1517 stellten die Johanniter die Sakristei fertig. Die Gewölbeabschlusssteine sind mit den Wappen der örtlichen Adelsfamilien versehen. So wie die Wohnhäuser und Stallungen ist auch die Kirche in die Ringmauer einbezogen.
Zur Besichtigung der Burgruine (560m) erklimmen wir am Mitteltor die 100 Aufgangsstufen, wo anschließend ein weiter Blick ins Kylltal mit dem Stausee die Mühe belohnt. Schon im 13. Jh. entdeckten die späteren Herren von Kronenburg diesen strategischen Bergrücken und wie vorteilhaft man von hier das obere Kylltal beherrschen kann. Sie dehnten ihren Machtbereich über einen großen Teil der Eifel aus. Um die Burg entstand damals, wie wir schon beim Eingang am Nordtor gesehen haben, eine kleine Siedlung, die durch einen Mauerbering mit Toren in die Befestigung der Burg integriert wurde. Besondere Bedeutung erlangte Kronenburg durch seine Eisenhütte. Mit deren Niedergang aber erfolgte auch der Verfall des Ortes Kronenburg. Heute machen die Burgruine und die restaurierten Fachwerkhäuser den Ort zu einem malerischen Bergnest. Ein weiterer Anziehungspunkt der Region glitzert ca. 80 Meter unter uns im Tal der Kyll. Der Stausee mit einer Größe von 27ha wurde 1977 als Freizeitanlage und als Regenrückhaltung für die Hochwässer von Kyll und Taubkyll angelegt.

      Kronenburger Stausee                       Abstieg ins Kylltal                        Stausee - Vorsperre

Zurück geht es bis zum Mitteltor wieder den gleichen Weg. Hier verlassen wir hinunter über die Wilhelm-Tell-Gasse den mittelalterlichen Burgort. Am Ende des Treppenabstiegs wenden wir uns nach rechts mit dem Wegzeichen „3“ und der Jakobsmuschel, das Zeichen für den Jakobusweg.
Wir wandern aber nach 100m mit dem Eifelvereinszeichen Nr. „5“ auf einen links abzweigenden Pfad weiter. Am Ende einer Treppe geht es rechts bis zur Straße und dort hinauf Richtung „Ferienpark Kronenburger See“. Dann liegt das Kylltal mit dem Stausee vor uns. Hinter dem Hotel verlassen wir die Straße und gehen links den Pfad hinunter und queren die Bundesstraße über eine Brücke. Wir wandern nun rechts auf einem angenehmen Pfad weiter am Seeufer (9,7km, 490m) entlang und erreichen an der Vorsperre der Kyll über eine Holzbrücke das andere Ufer. Am Südufer folgen wir dem Weg nach rechts bis wir die Taubkyll erreichen und überqueren. Sie führt uns, wieder in Rheinland-Pfalz, bachaufwärts zurück zu unserem Ausgangspunkt. Hinter der Brücke (11,3km, 490m) befinden sich noch einige Reste vom Westwall.

                     Westwall                                           entlang der Taubkyll                          Hallschlagblick

Dieser aus Betonklötze bestehende Barrikade, auch Siegfriedlinie genant, stellte mit einer Gesamtlänge von 630 Kilometern ein außerordentliches aufwendiges und geschichtsträchtiges Bauwerk dar. Als Befestigungs- und Verteidigungslinie gegen feindliche Angriffe aus dem Westen wurde er zwischen 1936 und 1940 errichtet und reichte von Kleve bis nach Basel.
Es geht nun auf bequemen Weg entlang der Taubkyll aufwärts. Um das momentane Dahinschlendern und Spazierengehen wieder in ein Wandern übergehen zu lassen, überqueren wir an einem kleinen Häuschen des Wasserverbandes auf einem schmalen Steg (11,8km) die Taubkyll und wandern oberhalb einer Böschung dort auf einem ehemaligen Bahndamm weiter talaufwärts.
Hinter dem Gasthaus „Hack“ halten wir uns links und treffen bald wieder das uns vertraute Eifelvereinszeichen Nr. "6 „Matthiasweg“. Ein ehemaliger Bahndamm wird nun unterquert und in einer ansteigenden Rechtskurve nochmals einige Höhenmeter überwunden. Nach dieser kleinen Anstrengung bietet sich ein schöner Blick auf Hallschlag und den umliegenden Höhen (12,6km, 515m).
Wir bleiben am Hang oberhalb der Taubkyll und erreichen so bald unseren Parkplatz und Ausgangspunkt am Matthiaskreuz.

Information: Wanderkarte Nr. 15 „Oberes Kylltal“ des Eifelvereins. Startpunkt Parkplatz am Matthiaskreuz . Wanderung kann auch in Kronenburg begonnen werden, dann Rucksackverpflegung  http://www.rhein-eifel.tv/eifel/kronenburg.html
Streckenlänge: 14km Rundwanderung, nur teilweise Hinweisschilder, Steigungen 240m, Abstiege 240m
Schwierigkeit: leichte Anstiege zum Goldberg und Kronenburg, überwiegend unbefestigte Wege
Einkehrmöglichkeit: in Kronenburg „Café Zehntscheune“ www.cafe-zehntscheune.de

Kronenburg, Mitteltor

GPX-Track

Kronenburg.gpx (22.39KB)
Kronenburg.gpx (22.39KB)
nach oben


Karte


Tourenübersicht Vulkan-Eifel

Viel Vergnügen!

Bitte besuchen Sie diese Seite bald wieder. Vielen Dank für ihr Interesse!