Allerseelenschlacht

Größte Niederlage der Amerikaner

 Oberhalb des Wehebachtals waren am 9. Oktober nach langen wechselnden Geländegewinnen der größte Teil von "Germete"r und "Wittscheidt" in amerikanische Hände gefallen. Angriffsziele waren jetzt Vossenack und Schmidt, das wegen seiner strategischen Lage bedeutsam war. Die Eroberung von Schmidt würde es z.B. den Amerikanern ermöglichen, den bei Monschau kämpfenden Deutschen in den Rücken zu fallen.

Es war den Amerikanern aber nicht gelungen, bis Vossenack durchzubrechen, denn als sie am 12. Oktober im Begriff waren Vossenack einzunehmen, wurde das Regiment überraschend von Norden her in seiner linken Flanke angegriffen. Somit musste das 3. Bataillon den Angriff einstellen, um im Gegenangriff die Flankenbedrohung zu stoppen. Nach 10 Tagen erbitterter Kämpfe waren beide Seiten so geschwächt, dass die Kampfhandlungen abflauten. Am Ende der erfolglosen Offensive betrug der Geländegewinn der Amerikaner 2,7 km, die Verluste 4500 Mann; die Deutschen verloren 3200 Mann. 

Blick von Kommerscheidt übers Kalltal nach Vossenack

 Am 26. Oktober 1944 wurde die 9. US-Division gegen die mit Pionieren, Sturmgeschütz- und Panzereinheiten sowie Artillerie zusätzlich bestückte 28. Infanteriedivision ausgetauscht.  Die geschwächte deutsche Infanterie musste ausharren. Sie konnten lediglich eine in Brandenburg aufgefrischte Volksgrenadierdivision zur Verstärkung in die Nordeifel verlagern.  

Der geplante zweite Angriff auf Schmidt für den 31. Oktober wurde wegen extremer Regenfälle und fallender Temperaturen auf den 2.November verschoben. Hauptgrund war wohl, dass die Amerikaner bei schlechtem Wetter auf ihre Luftunterstützung verzichten mussten.
Trotz Materialüberlegenheit waren die Soldaten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Sommerkleidung auf eine derartige Kampfführung überhaupt nicht vorbereitet.
Am Morgen des 2. November 1944 begann das, was auf deutscher Seite als „Allerseelenschlacht“, auf amerikanischer Seite als „Battle for Schmidt“, bekannt wurde, die bis heute als eine der verlustreichsten Kämpfe einer US-Division auf dem europäischen Kriegsschauplatz gilt und als abschreckendes Beispiel Teil der US-Generalstabsausbildung wurde.
Es war ein nasskalter, nebliger Tag. Noch bevor die Dämmerung heraufzog, feuerten Dutzende von amerikanischen Artillerie-Batterien auf das Angriffsgebiet um Vossenack, teilweise von Zweifall aus. Erde und Luft erzitterten eine Stunde lang.
Aufgrund der Geländestruktur konnten die Amerikaner Panzer einsetzen. Die deutschen Einheiten verteidigten sich nach besten Kräften, konnten aber nicht verhindern, dass der größte Teil des Ortes in amerikanische Hände fiel. Da die Deutschen einen Direktangriff auf die Talsperren vermuteten, wurden Reserveeinheiten, darunter die gerade nach der Kapitulation aus Aachen abgezogene 116. Panzerdivision, in Marsch gesetzt.
Ebenso war aus deutscher Sicht die Verteidigung der Nordeifel strategisch wichtig im Hinblick auf die längst geplante Ardennenoffensive. 

     Vossenack, Dorfstraße                         Paptist-Palm-Platz                                     Kirche innen

Das 112. Reg stieß am folgenden Tag bis zur Kirche von Schmidt vor. Dieser plötzliche Erfolg ließ den Kommandeur der 28. US-Division General Norman „Dutch Cota" seine übrigen Verluste vergessen und er fühlte sich ein bisschen wie Napoleon, doch in Wirklichkeit begann sich die Gesamtlage dramatisch zu verändern. Teile der 116. Panzerdivision und 89. Infanteriedivision begannen nun die beiden amerikanischen Bataillone in Schmidt und Kommerscheidt anzugreifen. Ein verheerender Artilleriebeschuss geleitet von verdeckten Beobachtern und gesteuert von den Bunkern am Burgberg ging auf die Soldaten nieder, die zu erschöpft waren, um mit ihren kleinen Schaufeln Schützenlöcher zu graben.

Diesen Weg, den die Amerikaner durchs Kalltal genommen hatten, ist heute als Wanderweg markiert und wird als „Kall Trail“ (66) bezeichnet. Wir wollen ihn heute entlang wandern. Dazu starten wir an der Kirche auf dem "Baptist-Palm-Platz" in Vossenack (410m ü.NN).

                     Splitterkreuz                                     Stumms Kruezche                    Blick hinüber nach Kommerscheidt 

Vom Parkplatz aus kommend geht es rechts an der Kirche vorbei, in der während der Schlacht ebenfalls gekämpft wurde und mehrmals den Besatzer wechselte. Eine Tafel in der Kirche, wie auch die künstlerisch gestalteten Eingangstüren und Fenster erinnern an die Kämpfe. An der Ecke des rechts abgehenden Wegs nach „Simonskall“ markiert das "Splitterkreuz" den Beginn des "Kall Trails". Wenig später passieren wir das „Stumms Krüzche“, das noch heute die Spuren der Kämpfe trägt. Daneben steht ein Wegweiser mit der Aufschrift „Missepaad“, der an einen historischen Weg nach Vossenack erinnert.“ Auf diesem „Messeweg“ mussten im 18. Jahrhundert die Vossenacker Bevölkerung nach Schmidt zur Kirche gehen, da eine eigene noch nicht vorhanden war. Dieser Weg, der an der "Mestrenger Mühle" im Kalltal vorbei bergauf nach Schmidt führt, wurde im Volksmund früher „Missepaad“ genannt.
Wir verlassen den Ort und freies Wiesengelände bietet geradeaus eine herrliche Aussicht auf Schmidt und auf das zum Greifen nahe Kommerscheidt. Diese Fernsicht lässt hier noch nicht erahnen, welches tiefe Tal die beiden Ortschaften trennt. Nach einem Linksknick führt der Weg in den Wald. Vorher zeigt ein Blick nach links die markante Kuppe des "Burgbergs". Von dort bot sich den deutschen gute Sichtmöglichkeiten über die Bewegungen der amerikanischen Truppen und beste Voraussetzungen für die Koordinierung eigener Artillerievorbereitungen. 

Burgberg, strategischer Gefechtsstand     Einstieg in den Kall Trail                              Kall Trail

Vor uns liegt nun der Einstieg in das Kalltal. Den Einheiten der 28. US-Division war es aufgrund der Kartenlage nicht bewusst, dass es sich hier nur um einen steilen Waldweg handelte.
Zur Verstärkung der inzwischen in Schmidt kämpfenden amerikanischen Infanterie, wurden dringend Panzer benötigt. Aber dieser Weg durchs Kalltal war und ist nur ein besserer Fußweg und für Panzer absolut ungeeignet, hinzu sollte hier der komplette Nachschub von Fahrzeugen und Material nach Schmidt gebracht werden. So schufteten amerikanische Pioniere die ganze folgende Nacht hindurch, um der Infanterie in Schmidt und Kommerscheidt die nötige Panzerunterstützung zu verschaffen. Dabei musste eine Felsnase erst mühsam beseitigt werden, da sie den Weg extrem verengte.
Bei dem Versuch, die Sherman-Panzer über den gut zwei Meter breiten Waldweg mit seinen viel zu engen Kurven zu manövrieren, fuhr der Führungspanzer von "Lt. Fleig" kurz nach Eintritt in den Wald auf eine Mine und blockierte so den gesamten Weg. Weitere Panzer stürzten beim Versuch vorbeizufahren ab. An Ketten und unter wahnsinnigen Strapazen, sowie unter stetigem Feindbeschuss, wurden die anderen Panzer am Hang entlang vorbeigeseilt, um endlich die unter starkem Feindfeuer stehenden Truppen in "Schmidt" zu unterstützen. Nur drei Tanks erreichten "Kommerscheidt" vor Morgengrauen.

Über diesen Weg wollten die Amerikaner ihre Panzer und den gesamten Nachschub durch das Kalltal nach Schmidt bringen

 Die deutschen Verstärkungen hatten sich gruppiert und bereiteten den Amerikanern auf der Höhe von "Schmidt" ein wahres Inferno. Zunächst setzte schweres Artilleriefeuer der Batterien von "Bergstein" und "Brandenberg" ein, dann griffen Panzer und Infanterie aus verschiedenen Richtungen an, hauptsächlich von "Harscheidt" und "Hasenfeld" aus dem Rurtal.

Der Angriff kam für die Amerikaner nicht nur völlig überraschend, er wurde auch mit solcher Wucht geführt, dass die Männer des 112. Infanterie-Regiments unter schwersten Verlusten von Schmidt zurück nach Kommerscheidt flohen. Teilweise warfen sie ihre Waffen weg. Im offenen Gelände wurden sie von Panzer- und MG-Feuer regelrecht niedergemäht.
Die Deutschen rückten weiter Richtung Kommerscheidt vor, wo sich die Überlebenden des amerikanischen Schmidt-Massakers sammelten. Aber die Deutschen erreichten an diesem Tag das Dorf nicht mehr, weil sie das konzentrierte Sperrfeuer des Gegners nicht überwinden konnten. Hinter ihnen lagen ein hoffnungslos zerschossenes Schmidt und mit Trichtern, Kriegsgerät und Leichen übersäte Wiesen und Felder. US-Pioniere schafften noch die am Vortag liegen gebliebenen eigenen Panzer aus dem Weg, was teilweise nur durch Sprengung möglich war.
In der Nacht zum 5. November hatten die Amerikaner zwar weitere neun Jagdpanzer nach "Kommerscheidt" durchgebracht, doch die Lage war nicht nur kritisch, sie war hoffnungslos. Aus allen Rohren feuerten die Deutschen auf die in "Kommerscheidt" festliegenden Amerikaner, die schließlich regelrecht „durchdrehten“. Zunächst erlitt der Bataillonskommandant einen Nervenzusammenbruch, dann flohen einzelne G.i.s. in der Abenddämmerung schließlich ganze Kompanien zurück in den Wald und stolpern über die Hänge des Kalltals zurück nach Vossenack. Etliche schafften es nicht und gruben sich unter zerschossenen Bäumen im nasskalten Boden ein. So kam es neben den ansteigenden Verlusten durch Tod und Verwundung durch das schlechte Wetter und ungenügender Kleidung zu immer mehr „nicht kampfbedingten Ausfällen“.

 

                          Kalltal                                             Mestrenger Mühle                                           Kallbrücke

 Wieder wurde eine ganze Nacht im Kalltal gekämpft. Als der Morgen graut, waren die letzten Amerikaner in "Schmidt" und "Kommerscheidt" abgeschnitten. Deutsche Pioniere hatten Teile des Kallweges neu vermint, die Kallbrücke und die wichtigsten Furten des Baches wurden von deutschen MG-Stellungen kontrolliert und unpassierbar gemacht. Drei davon hatten in der "Teufelsley" auf halben Weg zwischen "Richelsbachtal" und "Mestrenger Mühle" perfekten Schutz und totale Übersicht gefunden. Eine unterhalb "Richelskaul" zusammen gewürfelte US-Einheit scheiterte zunächst mit einem Gegenangriff auf Kommerscheidt und Schmidt, schlug sich aber schließlich doch noch im Schutz der Dunkelheit der folgenden Nacht bis "Kommerscheidt" durch.  

Schon seit dem frühen Morgen belegte die deutsche Artillerie Vossenack mit schwerstem Feuer, dazu wurden Mörser eingesetzt. Und wieder packte die Amerikaner das Grausen, verloren erst einzelne, dann ganze Züge die Nerven und flohen vor dem Inferno.
Gegen Mittag setzte deutsche Infanterie aus der Gegend der "Lucasmühle" im "Tiefenbachtal" östlich Vossenack über den steilen Hang kommend nach. Zu diesem Zeitpunkt hatten zu Infanteristen umfunktionierte amerikanische Pioniere jedoch schon wieder eine Abwehrstellung in Höhe der Kirche und des Friedhofs aufgebaut.
Wir wandern zunächst mit mäßigem Gefälle um die Felsnase herum. Rechterhand befand sich im Hang eine „Erste-Hilfe-Station“ der Amerikaner. Schon bald wird der Pfad hinunter ins Kalltal und zur Mestrenger Mühle steiler. Wir queren einen Forstweg und wandern auf der gegenüberliegenden Seite weiter steil bergab. Wir kommen an zwei nah beieinander liegende Forstwege, von denen der untere die Zufahrt zur Mestrenger Mühle ist (Möglichkeit zur Einkehr), die wir durch die Bäume bereits erkennen können. Weiter geradeaus führt ein schmaler Weg entlang einer Wiese zur Kall-Brücke (1,9km, 255m). Hier erinnert eine Gedenkskulptur an die humanitäre Aktion des deutschen Stabarztes "Dr. Stüttgen". Ihm gelang es vom 7. -12. November hier an der Kall mit den Amerikanern einen inoffiziellen Waffenstillstand auszuhandeln, um die Verwundeten beider Seiten zu versorgen. 

            "Kall Trail" und Kall                       "Kall Trail" n. Kommerscheidt               Serpentinen am "Kall Trail"

 Für diesen Akt der Humanität wurde "Dr. Stüttgen" nach dem Krieg vom Gouverneur des Staates Pennsylvania geehrt. Das Ereignis an der Kallbrücke ist im Museum der Nationalgarde auf einem Gemälde mit dem Titel "A Time for Healing" festgehalten. Eine Replik des Bildes befindet sich im Friedensmuseum in Vossenack. Vor der Brücke informiert eine Tafel über die Aktion von "Dr. Stüttgen".

 Auf der anderen Seite der Kallbrücke steigen wir mit engen Kehren, die den amerikanischen Panzern ebenfalls Probleme bereiteten, den Hang Richtung Kommerscheidt bergan. An einer Zufahrt eines rechts im Hang liegenden Hauses ist auf dem Weg noch die Panzerkette eines Shermans im Boden zu erkennen (2,6km, 305m), den musste das flüchtende 707. Tank-Bataillon ebenfalls wie alle anderen Fahrzeuge zurücklassen. Nach dem Ende der "Allerseelenschlacht" wurde das Gebiet unterhalb von Vossenack aufgegeben.  

             Panzerkette                                         Aufstieg zur "Decke Ley"                     Blick von der "Decke Ley"

 Wir folgen dem Weg geradeaus weiter bergan und biegen an einer Weggabelung links ab. Vor der nächsten Linkskurve liegt rechts die sog. „Gavin Wiese“. Erst im Februar 1945 kam nach der Ardennenoffensive mit der 82. Luftlandedivision eine amerikanische Einheit erneut ins Kalltal, um den Angriff auf Schmidt zu wiederholen. Ihr Kommandeur James Gavin war entsetzt, als er die Toten der 28. Division noch immer unbeerdigt in den Wäldern liegen sah. Er schrieb später: “Darüber hinaus lagen zu beiden Seiten des Weges viele, viele Tote, deren Leichen nun aus dem Winterschnee wieder auftauchten. Diese von Wundbrand gezeichneten, entstellten und zerfetzten Körper waren starr und wirkten geradezu grotesk. Manche hatten die Arme zum Himmel erhoben, als flehten sie um Hilfe“.

 "Gavin" fand weiter flussabwärts eine bessere Stelle für einen Angriff und zusammen mit der 78. Division wurde am 7. Februar 1945 Schmidt schließlich eingenommen.

Wir wandern weiter auf den Spuren des 112. US-Regiments bergan. Der Weg gleicht hier einer Rampe, die am Ende ins Nichts, quasi in den Himmel führt.   

Schützenlöcher an der "Decke Ley"     Panzerspuren an der "Decke Ley"                Kommerscheidt

 Rechts im Hang finden sich noch Dutzende Erdlöcher, die vermutlich kurz vor dem Rückzug als Gefechtsstand der beiden zusammengeschossenen Bataillone dienten. 

Am Ende des scheinbar in dem Himmel führenden Weges, die „Decke Ley“ genannt, steht eine Bank zum Verweilen, dieser herrliche Blick ins Kalltal mit der Mestrenger Mühle lädt einfach dazu ein (3,2km, 365m).
Nicht so friedlich erging es "Col. Peterson", als er hier von Deutschen angegriffen wurde und flüchten musste. Er brauchte zwei Tage, um sich durch die feindlichen Linien durchzuschlagen
In der Wegkurve sind am Boden im Fels noch deutlich Spuren von Panzerketten zu erkennen. Wir folgen dem Weg weiter und passieren nach einem Rechtsbogen eine Schutzhütte. Der Weg verlässt nun den Wald und führt jetzt nur noch leicht ansteigend durch Wiesengelände hinauf nach "Kommerscheidt" (3,7km, 405m). Vorher biegen wir aber mit dem Wegzeichen des Kall Trails (66) rechts an einer hecke ab. Zurückblickend hat man ein tolles Panorama auf die gegenüberliegenden Höhen um Vossenack, Brandenberg und Bergstein mit dem "Burgberg". Diese strategisch wichtige Kuppe wurde erst am 7. Dezember von den Alliierten erstürmt. Von dort hatten die Deutschen ausgezeichnete Einsicht ins gesamte Kampfgelände und konnten ihre Artillerie hervorragend koordinieren. Auch hier kann man beim Anblick des Geländes es nicht verstehen, dass die Amerikaner diesen Weg gewählt haben. Durch freies Wiesengelände geht es leicht bergab zu einem Waldrand, an dem wir links auf den „Kreuzweg des Friedens“ (80) stoßen. 

                   "Missepaad"                                  Huschelsbach "Querung"                     Huschelsbachstauweiher            Mit beiden Wegzeichen „66“ und „80“ wandern wir hinunter durch einen felsigen Hohlweg. Am nächsten Waldweg gehen wir links mit „89“ weiter und verlassen hier den „Kall Trail“, um nicht den Hinweg hinunter zur Kall zu wandern. Der Weg führt uns über zwei hintereinander liegende, kleine talwärts rauschende Bäche leicht bergab.  

Hinter einem Linksbogen schimmern unten im Tal die weiß getünchten Wände der Mestrenger Mühle durch das Geäst. Der Weg führt dann mit einem Linksbogen ins "Huschelsbachtal", das wir nun aufwärts gehen. Kurz bevor der Weg die Talseite wechselt führt ein Pfad spitzwinklig den Hang hinab. Ab hier muss unsere unsere ursprüngliche Route geändert werden, da durch die Flutkatastrophe 2021 der Holzsteg über die Kall zerstört wurde und somit eine Überquerung trockenen Fußes nicht mehr möglich ist. Da auch zurzeit die Mestrenger Mühle geschlossen und renoviert wird wandern wir weiter auf dem Hauptweg und erreichen ein kleines Naturparadies.
Wenn man sich vorsichtig nähert hat man vielleicht das Glück, einen Fischreiher zu beobachten. Aber die Spuren eines anderen Tieres sind unverkennbar. Hier lebt der Biber – und nicht schlecht. Bäume tragen die eindeutigen Nagespuren kurz über dem Boden, der ein oder andere ist schon abgeknickt.
Hier hat der Biber sein Revier 

 Nach 130 Jahren ist der Biber wieder heimisch in der Eifel.. Wegen des fetthaltigen Sekrets, mit dem er sein Fell pflegt und wasserabweisend macht, diesem sog. "Bibergeil" schrieben die Menschen vor einigen Jahrhunderten eine besondere Heilkraft zu. Eine ideale Beute für den Menschen war der Biber auch wegen seines Fells und als Fleischlieferant. Damit geistliche Herren ihren Biberbraten auch während der Fastenzeit ungeniert genießen konnten, erklärte ein päpstliches Edikt den Biber aufgrund seines beschuppten Schwanzes kurzerhand zum Fisch. https://www.youtube.com/watch?v=AsrR71NSAGI&t=409s

 Nachdem wir von dem idyllischen Fleckchen einige Fotos gemacht haben, wandern wir weiter und stoßen auf die "Bachtäler-Höhenroute", die von Schmidt herunter kommt. 

              Kohlen- Schaumeiler                                  Köhlerhütte                                  Reste des ehem. Wasserwerk

 Mit ihr geht es rechts weiter. Am Wegesrand liegt dann ein nachgebauter Holzkohlenmeiler, Vom 16. bis Mitte des 19. Jhs. wurden auf den Hängen des Kalltales große Mengen Holzkohle für die Eisenhütte Simonskall und später auch für Zweifallshammer produziert. Der Schaumeiler zeigt den Bau eines Kohlenmeilers und den Prozess der Verschwelung von Holz zu Holzkohle. 6 bis 8 Tage musste der Meiler in Betrieb gehalten und ständig überwacht werden, damit das Holz nicht verbrannte, sondern nur verkohlte. Während dieser Zeit lebte der Köhler in einer einfachen Hütte neben dem Meiler.

Leicht abwärts gelangen wir wieder ins Kalltal, vorbei am alten Wasserwerk von 1905, Eine Info-Tafel erläutert die Funktion der "Lamba Pumpe". Mit Hilfe der Wasserkraft des durchfließenden Bachwassers wurde Brunnenwasser 200 Meter hoch nach Vossenack (bis 1936) und Schmidt (bis 1972) gepumpt.
Ein besonderer Blick in die Erdgeschichte bietet ein links am Wegesrand sonderbar geformter Felsen, ein spektakuläres Bild (7,8km, 270m). Es handelt sich bei diesen gefalteten Gesteinsschichten um einen sog. geologischen Sattel. Er entstand vor 300 Millionen Jahren im Zuge der variskischen Gebirgsbildung. Mehr Erläuterungen kann man der Info-Tafel entnehmen. „Teufelsley“ nennt man diesen hier steil ins Kalltal abfallenden Bergrücken, auf denen sich eine deutsche MG-Stellung befand und von dort das Tal kontrollierte.

       geologische Faltenstruktur                                    Kallbrücke                     Erinnerung an einen belg. Soldaten

Kallaufwärts überqueren wir an einem Schutzpilz rechts den Bach (8,2km, 274m) und stoßen dann rechts wieder auf den „Kall Trail“, der nun links entlang des "Richelsbaches" erst noch moderat bergan führt. Hier finden wir am Wegesrand ein Kreuz, dass zum Gedenken an einen belgischen Soldaten erinnert, der 1972 am gegenüberliegenden Steilufer während einer Wehrübung mit seinem Jeep tödlich. verunglückte. 

Gegenüber, einem links über den Bach führenden Holzsteg, führt uns das Wegzeichen rechts auf einem naturbelassenen Pfad mit einigen Hindernissen im Tal des Morlesiefs  steil hinauf. Am Ende des Waldes treffen wir auf einen Grasweg, den wir links auf die schon in Sichtweite kommende Kirche zugehen und dort unseren Ausgangspunkt wieder erreichen.

           Hindernisse im Weg                        Ende der Wanderung in Sicht                               Lamba Pumpe

Am Ortseingang von Vossenack kann noch eine "Lamba Pumpe", die im Wasserwerk stand,  bestaunt werden. Beachtung verdient diese Pumpe als technische Meisterleistung, da sie Trinkwasser ausschließlich mit Wasserdruck hochpumpte. Ihren Namen verdankt sie ihrem Erfinder Wilhelm Lambach. 

 Information: Wanderkarte Nr 2 „Rureifel“ und Nr. 50 „Nationalpark-Karte“ des Eifelvereins.  „Historisch-literarischer Wanderweg Hürtgenwald 1938-1947“ Sammelmappe der 7 Rundwanderwege (  www.kreis-dueren.de/tourismus/pdf/wandern/Kall-Trail.pdf  ) und das Projekt „Multimedia-Historyguide“ mit ausführlichen Informationen und Filmausschnitten.

Streckenlänge: ca.8km, meist unbefestigte Wege.
Markierung meist „Kall Trail“ (66), „Kreuzweg des Friedens“ (80) , Bachtälerhöhenroute,
Schwierigkeit: mittelschwere Wanderung, zwei Steigungen, 1. aus dem Kalltal ca. 140 Höhenmeter, 2. am Ende nach Vossenack ca.120m. Auf- und Abstiege 300m
Einkehrmöglichkeit: in Vossenack Bosselbacher Hof und Mestrenger Mühle. Sie ist zurzeit geschlossen und wird wahrscheinlich erst Mitte 2022 unter neuem Besitzer eröffnet. www.mestrenger-muehle.de
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Gedenkskulptur an der Kallbrücke


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