Wanderung rund um Schuld

Mitten in der Eifel schlängelt sich von West nach Ost ein kleiner Fluss zum Rhein. Die Ahr hat sich hier ein windungsreiches Tal geschaffen. In der Werbung wird es als das „Tal der roten Trauben“ bezeichnet, wobei der weinselige Flussabschnitt nur ein Drittel des gesamten Flusslaufes einnimmt. Tausende Wanderer bevölkern dort jedes Jahr den deutschlandweit bekannten Rotweinwanderweg. Auch die Ahrquelle, die in Blankenheim im Keller eines Fachwerkhauses von 1726 als fertiges Flüsschen zutage tritt, ist ein gern besuchter Ort.
Zwischen diesen beiden touristischen Zentren fließt in seiner Charakteristik eine „andere“ Ahr, unauffällig und still, durch eine wenig besuchte Tallandschaft mit teilweise steilen Berghängen. Ein geologisch und landschaftlich interessanter Flussabschnitt erwartet uns.

„Man genießt ein eigenartiges, wunderbares Bild“, schrieb 1892 Adolf Dronke, der Gründer des Eifelvereins. „Die Ahr macht eine kleine Schleife nach Norden und umschließt so eine kleine, nicht bedeutende Höhe, während das rechte Ufer von steilen hohen, teilweise kahlen Felsen eingefasst wird. Auf dem Halse der Landzunge liegt nun das Dörfchen Schuld“. Hierhin führt uns heute eine abwechslungsreiche Wanderung.

Schuld

Startpunkt ist der kleine Parkplatz an der "Hahnensteiner Mühle". Die Mühle war schon 1556 einer der bedeutendsten im kurkölnischen Amt Nürburg. Seit dieser Zeit war sie nach mehreren Umbauten bis 1984 in Betrieb. Heute klappert sie wieder. Dort, wo früher Getreide zu Mehl gemahlen wurde, wird jetzt elektrische Energie erzeugt. Die Mühle wurde zu einer kleinen Wasserkraftanlage umgerüstet.

        "Hahnensteiner Mühle"                                Stauwehr Insul                                       Ahrbrücke Insul

Von der Mühle wandern wir links den Wiesenweg am Mühlenbach entlang, der hier mit einem „Mühlrad“ (Rundweg: Auf Spuren alter Mühlen) gekennzeichnet ist. Vorbei an dem ehemaligen Stauwehr der Mühle überqueren wir in Insul die Ahr und folgen links der Beschilderung des Radweges nach Schuld. Wir stoßen auf die ehemalige Eisenbahntrasse durchs Ahrtal. Sie ist mittlerweile zu einem Radweg umgebaut worden. Seit 1888 dampfte die Eisenbahn das Ahrtal hinauf, aber zunächst nur bis Dümpelfeld. Erst 1913 war die Strecke durchgehend bis Blankenheim befahrbar. Als 1871 die Strecke Köln – Trier aus rein militärischen Motiven fertig gestellt worden war, stellte man fest, wie wichtig die Eisenbahn ist, um Menschen und Geräte schnell von A nach B zu bringen. So begann man nun überall Eisenbahnstrecken zu bauen. Die Ahrtalbahn leistete aber nicht einmal 50 Jahre ihren Betrieb. 1961 begann der Abbau der Gleisanlagen im oberen Ahrtal. Heute profitieren nur noch die vielen Rotweinwanderer von dem verbliebenen Teilstück der Ahrtalbahn mit Endstation Ahrbrück. So nutzen wir hier ein Stück der bequemen Trasse für unsere Zwecke und wenden wir uns nach links, Richtung Schuld.
Wir erreichen am sog. „Goldloch“ einen Platz mit Schutzhütte, der 2017 als Erinnerung an den ehemaligen Bergbau in Insul angelegt wurde. Das Flurstück mit den drei Stollen im "Kupferberg" wurde immer schon als „Goldloch“ bezeichnet, denn tatsächlich wurden bei Bahnarbeiten 1909 historische Goldmünzen gefunden. Der hier stattgefundene Bergbau galt aber dem Kupfer, das schon im oberen „Alten Stollen“ dem Erz folgend 1623 im massiven Fels allein von Menschhand ohne Maschinen vorangetrieben wurde. Die Aufschlußarbeiten für die unteren beiden „Tiefstollen“ begannen erst 1905. Nach Aufgabe des Bergbaus 1930 dienten die Stollen im Krieg noch als Zufluchtsort vor Bombenangriffen. 2015 wurden die Mundlöcher fachmännisch mit für die Tierwelt durchlässige Eisengitter verschlossen. Der Vorplatz wurde als Informationstätte ausgebaut.
Nach ca. 700m wandern wir durch einen 200m langen, ehemaligen Eisenbahntunnel. 500m hinter dem Tunnelausgang verlassen wir die alte Bahntrasse und folgen jetzt dem links abbiegenden Feldweg 

    Schuld, alte Eisenbahnbrücke     Felswand, ehem. Abenteuerspielplatz          Schuld, alte Ahrbrücke

An der Ahr entlang nähern wir uns Schuld, dessen Kirche auf steilem Fels 35m über dem Flüsschen liegt und von diesem in einem weiten Bogen umflossen wird.
Eine eindrucksvolle Felswand unterhalb der Kirche zeigt Sandsteinschichten, die vor 400 Millionen Jahren in einem Meer entstanden sind, leider ist der Steilhang stark überwachsen und somit die Ausmaße der ehemals tektonischen Kräfte wenig erkennbar. Die Ahr wird hier im Volksmund „die schwarze Kaul“ genannt. Diese besondere Stelle war Abenteuerspielplatz über viele Generationen hinweg. Dort wurde so manche Mutprobe abgelegt. Wer klettert am höchsten und wer traut sich, runter zu springen?. Abenteuer ist es nicht nicht mehr, aber ein Platz mit besonderer Stimmung.
Urkundlich wird Schuld schon 975 erwähnt. Dass die Römer sich aber hier schon aufgehalten haben, zeigen Funde aus dem Jahre 1964, als im Zuge der Flurbereinigung Reste eines römischen Gutshofes entdeckt wurden.
Immer wieder stoßen wir auf Relikte der alten Eisenbahntrasse. Die Bahnbauer versuchten die Bahntrasse durch das windungsreiche Tal mit Brücken und Tunnels optimal anzulegen. So überquert sie hier auf 600m 3mal die Ahr und tunnelt dazwischen den Bergrücken von Schuld. Heute liegen die Reste brach und sind in einem Dornröschenschlaf versunken. Nur die Straßenbrücke verrichtet ihren Dienst.
An der alten Bruchsteinbrücke (243m) lässt sich bei einer kleinen Rast diese Bilderbuchlandschaft noch besser genießen. Von der Brücke (234m ü.NN) folgen wir anschleßend der Römerstraße bergan. Hinter einem mit Bruchsteinen eingefassten Grundstück geht es links weiter und es wird steiler. Eine Bank mit herrlicher Aussicht auf Schuld und das Ahrtal lädt zu einer kleinen Verschnaufpause ein (296m). Wenige Meter weiter zweigt ein Bergpfad links von der Straße ab, jetzt betreten wir alpines Berggelände. Nach einem kurzen Steilstück erreichen wir die Aussichtskanzel „Spicherley“. Weiter führt uns der alpine Bergpfad aussichtsreich bergauf. Hier ist Vorsicht geboten und zum Schauen bleibt man besser stehen. Bei 350m ü.NN haben wir den höchsten Punkt unserer Wanderung erreicht. , steil fällt der Hang und mit ihm der Blick faszinierend ins Ahrtal. Am Horizont hebt sich mit 623m Höhe der kegelförmige Aremberg deutlich aus dem Landschaftsbild ab.

       Blick von der "Spicherley"                            "Jägerpfad"                                          "Genießerblick"

Der Pfad geht jetzt merklich bergab und wir biegen an dem nächsten Abzweig „Rundweg“ links ab. Nach Überquerung einer kleinen Holzbrücke über den Holzseifen, ändern wir unsere Richtung und wandern bachabwärts, wo der Bach sich ein steiles Kerbtal geschaffen hat.
Dann verläuft der Weg fast horizontal ca. 40m parallel über dem Ahrbogen.
Wir überqueren eine Straße und wandern auf der anderen Seite weiter. Unser Weg endet an der K 26, hier müssen wir nun leider ca. 300m an der Straße entlang bergan bis zur nächsten Rechtsserpentine gehen. Dort weist ein Wegweiser „Bergpfad Dreieck“ zwischen Bank und Schutzplanke auf einen Fußweg hin, den wir folgen. Hier ist Vorsicht geboten, denn der Pfad verläuft in einem steilen Berghang abwärts, aber mit schönen Aussichten. Unten erreichen wir die L 75, die links in die Ahrtalstraße (L73) mündet. Diesen Ort, wo auch der Armuthsbach in die Ahr fließt, nennt man „Dreieck“. Wer eine Einkehr in der urgemütlichen Daubiansmühle machen möchte quert die Straße und wandert rechts auf dem Radweg an der Straße entlang weiter. An der Einfahrt zu einem Steinbruch finden wir wieder das Wegzeichen des Mühlrades, dem wir links folgen. Es führt uns bis zur Daubianusmühle, wo eine zünftige Einkehr gehalten wird. Danach wandern wir von der Mühle auf dem Zufahrtsweg zur Straße und folgen dem Radweg rechts bis wir wieder am „Dreieck“ das Ahrtal erreichen.

      verschlungener Bergpfad                          "Daubiansmühle"                                   geol. Aufschluss

Wer auf eine Einkehr verzichten möchte kürzt 3km ab und wandert links weiter zur Straße. Hier um Schuld hat die Ahr sich tief in das Gebirge eingegraben, wodurch immer wieder Einblicke in die Erdgeschichte gegeben werden. Es wurden vor 400 Millionen Jahren in einem Meer Schlamm, Sand, Kies und Schottermasen abgelagert, die sich mehrere Tausend Meter hoch auftürmten und im Laufe von Jahrmillionen sich verfestigten. Anschließend wurde das Land gehoben und zusammengedrückt, wodurch Falten entstanden. An der Felswand links unterhalb der "Branderhardt" sind die einzelnen Abläufe gut zu beobachten.
Wir wandern nun 400m an der Straße entlang bis zur nächsten Ahrbrücke. Hier können wir erneut an den Felsen sehen was für Kräfte einst am Werk waren, die sogar zu einer Faltenumbiegung geführt haben.

               Faltenumbiegung                          entlang senkrechter Felsen                   Blick vom "Türmchen"

Wir überqueren die Ahr und folgen am Ende der Bahnhofstraße dem Wirtschaftsweg nach rechts bis zum zweiten, links abbiegenden Feldweg. Auf diesem Wiesenweg gewinnen wir wieder langsam an Höhe mit schönem Blick auf Schuld. Wir kommen in den Wald, wo der Berghang immer steiler wird. An der rechten Seite gibt eine mehrere Meter hohe Felswand erneut einen Einblick in die Erdgeschichte. Nach der Felswand folgt ein kleiner Parkplatz, wo wir dem Hinweisschild „Zu den Türmchen“ rechts bergauf folgen. Nach einem weiteren Wegweiser kann man hier zu zwei Aussichtspunkten gelangen. Uns reicht aber einer und so steigen wir den Pfad rechts bergan und erreichen schon nach ca. 30m einen kleinen Pavillon (306m). Anschließend zurück bis kurz vor dem Parkplatz, wo  wir rechts auf dem Wallfahrtsweg weiter wandern. An einer kleinen Quelle führt der Weg hinunter zur Straße. Nach ca. 100m geht der Stationsweg auf der anderen Straßenseite weiter und wir  stehen bald vor der "Schornkapelle".
In frühen Zeiten war die Verbindung von Dorf zu Dorf sehr schlecht. Straßen und Brücken gaben es nicht. Erst im Kriegsjahr 1870 hatte man von Dümpelfeld die Straße bis zum "Armutsbach" geschaffen. Man musste, um von Insul nach Schuld zu kommen, mehrmals die Ahr queren und durchfahren.
So geschah es einmal, dass zur späten Abendstunde ein Bauer aus Schuld auf der Heimfahrt von der Mühle in Dümpelfeld unterwegs war. 100-mal war er diesen Weg schon gefahren. Aber es hatte am Abend stark geregnet, deshalb hatte die Ahr Hochwasser und das Fuhrwerk geriet in starke Strömung und das Ende für Ross, Wagen und Fuhrmann schien gekommen. Den Tod vor Augen rief der Bauer die Jungfrau Maria um Hilfe an und versprach eine Kapelle zu Ehren der Mutter Gottes bauen zu lassen. Da kam der Mond zwischen den Wolken hervor und in seinem Licht fand der Bauer wieder aus den Fluten. Er hielt sein Versprechen und ein Kapellchen wurde erbaut. Sie wurde nach ihrem Stifter „Schornkapelle“ genannt.

                  "Schornkapelle"                                 "Freilichtbühne"                                   Höhenweg nach Insul

Der Wanderer erreicht sie am Ende des Stationsweges. Im Laufe der Jahre wurde sie erneuert, umgebaut und in den heutigen Zustand versetzt. Unmittelbar hinter der Kapelle liegt seit über 50 Jahren eine kleine Freilichtbühne, auf der jährlich an den Wochenenden im Sommer Vorstellungen stattfinden.
Den Zufahrtsweg wandern wir hinunter bis zu einer Linkskurve. Hier folgen wir dem Hinweisschild „Insul“, einem Waldweg oberhalb eines kleinen Baches. Am Ende des Weges wenden wir uns nach rechts, „Rundweg Schuld“. Wir wandern auf schmalen Pfad ca. 300m parallel, aber mehrere Meter fast senkrecht über der Ahrtalstraße.

Vorbei an einem kleinen Marienkapellchen verlassen wir den Wald. Jetzt weitet sich das Tal und eine interessante Weiterentwicklung eines Mäanders ist hier zu beobachten. Vor etwa 150000 Jahren floss die Ahr noch auf einem ca 30m höheren Niveau um den rechts liegenden kleinen Hügel herum, ähnlich wie beim Mäanderbogen von Schuld. Hier hat der Fluss es durch stetige Erosion geschafft die Mäanderschleife zu durchbrechen. Zurück blieb dann dieser Umlaufberg.

Wir überqueren die Straße und betreten einen schmalen Pfad, der auf eine 100m lange und 10m hohen Felsrippe am Ahrufer führt. Die Felsrippe wird durch das „Prümer Tor“ durchbrochen, das eine Breite von 6-8m hat. Dieses Tor hat nicht der Mensch geschaffen, sondern fließendes Wasser, eines heute unscheinbaren Bächleins, hat sich in den Fels eingegraben. Durch die größere Wasserkraft der Ahr konnte die sich schneller und tiefer, als der kleinere Nebenbach, in die Landschaft eingraben. Ein Wasserfall entstand und der Bach grub sich rückwärts in den Fels.

Prümer Tor

Durch dies Felseinschnitt fuhren einst die Pümer Lehnsleute des Ahrgaues ihren Zehnten und Abgaben auf Karren durch eine flache Furt des Ahrbetts nach Münstereifel. Nach dem kleinen Abstecher folgen wir an der Straße dem nächsten, linken Wirtschaftsweg nach Insul. Von der Ahrbrücke gehen wir wieder den gleichen Weg zur Hahnensteiner Mühle wie beim Hinweg.

Informationen: Wanderkarte Nr 11 des Eifelvereins (Oberes Ahrtal) Seit 2009 lädt ein Geopfad in Schuld zu einer kleinen Zeitreise durch die geologische Geschichte der letzten 400 Mio. Jahre ein. 6 der 11 Aufschlußpunkte werden bei der Wanderung angelaufen. Nähere Informationen findet man auf der Homepage www.geopfad-schuld.de
Die Wanderung zeigt eine wunderschöne Landschaft in der die Gemeinde Schuld durch ihre exponierte Lage an einer Ahrschleife zwischen steilen Felsen ein wundervolles Bild präsentiert. Aber dieses Bild eines idyllisch gelegenen Ortes wird es in Zukunft nicht mehr geben. Eine Flutkatastrophe (15.7.21), einem Tsunami gleich, hat dieses Tal heimgesucht und verwüstet. Brücken, Straßen und Häuser hat das Wasser mit sich gerissen und den Bewohnern Hab und Gut genommen. Bis man eine intakte Landschaft wieder erleben wird, werden Monate bzw. Jahre vergehen. Die Menschen und auch die Natur werden eine neue Landschaft schaffen, in der wieder gewandert werden kann.

Streckenlänge ca. 16 km Rundwanderung, Abkürzung ca. 3km bei Auslassen der Schleife von „Dreieck“ zur Daubiansmühle

Auf steilem Felsen Kirche u. Restaurant


Schwierigkeit: leichte Berg- u. Talwanderung, steiler Anstieg zur „Spicherley“ und kurzer Anstieg zum 1. Aussichtspunkt „zu den Türmchen“, zu empfehlen feste Schuhe mit Profilsohle, da teilweise alpine Pfade
Einkehrmöglichkeit an der Strecke: Daubiansmühle ( www.daubiansmuehle.de ), Bikertreff "Haus Waldfrieden" am Dreieck, in Schuld die Hotels "Schäfer", "Zur Lnide" und Gasthaus "Zum Köbes", in Insul Restaurant "Ewerts"
 unterwegs Daubiansmühle

GPX - Track

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