Allerseelenschlacht
Größte Niederlage der Amerikaner
Oberhalb des Wehebachtals waren am 9. Oktober nach langen wechselnden Geländegewinnen der größte Teil von "Germete"r und "Wittscheidt" in amerikanische Hände gefallen. Angriffsziele waren jetzt Vossenack und Schmidt, das wegen seiner strategischen Lage bedeutsam war. Die Eroberung von Schmidt würde es z.B. den Amerikanern ermöglichen, den bei Monschau kämpfenden Deutschen in den Rücken zu fallen.
Blick von Kommerscheidt übers Kalltal nach Vossenack
Am 26. Oktober 1944 wurde die 9. US-Division gegen die mit Pionieren, Sturmgeschütz- und Panzereinheiten sowie Artillerie zusätzlich bestückte 28. Infanteriedivision ausgetauscht. Die geschwächte deutsche Infanterie musste ausharren. Sie konnten lediglich eine in Brandenburg aufgefrischte Volksgrenadierdivision zur Verstärkung in die Nordeifel verlagern.
Vossenack, Dorfstraße Paptist-Palm-Platz Kirche innen
Das 112. Reg stieß am folgenden Tag bis zur Kirche von Schmidt vor. Dieser plötzliche Erfolg ließ den Kommandeur der 28. US-Division General Norman „Dutch Cota" seine übrigen Verluste vergessen und er fühlte sich ein bisschen wie Napoleon, doch in Wirklichkeit begann sich die Gesamtlage dramatisch zu verändern. Teile der 116. Panzerdivision und 89. Infanteriedivision begannen nun die beiden amerikanischen Bataillone in Schmidt und Kommerscheidt anzugreifen. Ein verheerender Artilleriebeschuss geleitet von verdeckten Beobachtern und gesteuert von den Bunkern am Burgberg ging auf die Soldaten nieder, die zu erschöpft waren, um mit ihren kleinen Schaufeln Schützenlöcher zu graben.
Diesen Weg, den die Amerikaner durchs Kalltal genommen hatten, ist heute als Wanderweg markiert und wird als „Kalltrail“ (66) bezeichnet. Wir wollen ihn heute entlang wandern. Dazu starten wir an der Kirche auf dem "Baptist-Palm-Platz" in Vossenack (410m ü.NN).
Splitterkreuz Stumms Kruezche Blick hinüber nach Kommerscheidt
Burgberg, strategischer Gefechtsstand Einstieg in den Kall Trail Kall Trail
Über diesen Weg wollten die Amerikaner ihre Panzer und den gesamten Nachschub durch das Kalltal nach Schmidt bringen
Die deutschen Verstärkungen hatten sich gruppiert und bereiteten den Amerikanern auf der Höhe von "Schmidt" ein wahres Inferno. Zunächst setzte schweres Artilleriefeuer der Batterien von "Bergstein" und "Brandenberg" ein, dann griffen Panzer und Infanterie aus verschiedenen Richtungen an, hauptsächlich von "Harscheidt" und "Hasenfeld" aus dem Rurtal.
Kalltal Mestrenger Mühle Kallbrücke
Wieder wurde eine ganze Nacht im Kalltal gekämpft. Als der Morgen graut, waren die letzten Amerikaner in "Schmidt" und "Kommerscheidt" abgeschnitten. Deutsche Pioniere hatten Teile des Kallweges neu vermint, die Kallbrücke und die wichtigsten Furten des Baches wurden von deutschen MG-Stellungen kontrolliert und unpassierbar gemacht. Drei davon hatten in der "Teufelsley" auf halben Weg zwischen "Richelsbachtal" und "Mestrenger Mühle" perfekten Schutz und totale Übersicht gefunden. Eine unterhalb "Richelskaul" zusammen gewürfelte US-Einheit scheiterte zunächst mit einem Gegenangriff auf Kommerscheidt und Schmidt, schlug sich aber schließlich doch noch im Schutz der Dunkelheit der folgenden Nacht bis "Kommerscheidt" durch.
"Kall Trail" und Kall "Kall Trail" n. Kommerscheidt Serpentinen am "Kall Trail"2024
Für diesen Akt der Humanität wurde "Dr. Stüttgen" nach dem Krieg vom Gouverneur des Staates Pennsylvania geehrt. Das Ereignis an der Kallbrücke ist im Museum der Nationalgarde auf einem Gemälde mit dem Titel "A Time for Healing" festgehalten. Eine Replik des Bildes befindet sich im Friedensmuseum in Vossenack. Vor der Brücke informiert eine Tafel über die Aktion von "Dr. Stüttgen".
Auf der anderen Seite der Kallbrücke steigen wir mit engen Kehren, die den amerikanischen Panzern ebenfalls Probleme bereiteten, den Hang Richtung Kommerscheidt bergan. An einer Zufahrt eines rechts im Hang liegenden Hauses ist auf dem Weg noch die Panzerkette eines Shermans im Boden zu erkennen (2,6km, 305m), den musste das flüchtende 707. Tank-Bataillon ebenfalls wie alle anderen Fahrzeuge zurücklassen. Nach dem Ende der "Allerseelenschlacht" wurde das Gebiet unterhalb von Vossenack aufgegeben.
Panzerkette Aufstieg zur "Decke Ley" Blick von der "Decke Ley"
Wir folgen dem Weg geradeaus weiter bergan und biegen an einer Weggabelung links ab. Vor der nächsten Linkskurve liegt rechts die sog. „Gavin Wiese“. Erst im Februar 1945 kam nach der Ardennenoffensive mit der 82. Luftlandedivision eine amerikanische Einheit erneut ins Kalltal, um den Angriff auf Schmidt zu wiederholen. Ihr Kommandeur James Gavin war entsetzt, als er die Toten der 28. Division noch immer unbeerdigt in den Wäldern liegen sah.
Er schrieb später: “Darüber hinaus lagen zu beiden Seiten des Weges viele, viele Tote, deren Leichen nun aus dem Winterschnee wieder auftauchten. Diese von Wundbrand gezeichneten, entstellten und zerfetzten Körper waren starr und wirkten geradezu grotesk. Manche hatten die Arme zum Himmel erhoben, als flehten sie um Hilfe“.
"Gavin" fand weiter flussabwärts eine bessere Stelle für einen Angriff und zusammen mit der 78. Division wurde am 7. Februar 1945 Schmidt schließlich eingenommen.
Schützenlöcher an der "Decke Ley" Panzerspuren an der "Decke Ley" Kommerscheidt
Rechts im Hang finden sich noch Dutzende Erdlöcher, die vermutlich kurz vor dem Rückzug als Gefechtsstand der beiden zusammengeschossenen Bataillone dienten.
Am 4. November griffen verstärkte deutsche Truppen die Amerikaner überraschend mit solcher Wucht an, dass diese mit schweren Verlusten von Schmidt nach Kommerscheidt fliehen mussten. Auch die nächsten Tage waren für die Amerikaner ein Desaster, dass sie die Nerven verloren und über die Hänge des Kalltals zurück nach Vossenack flüchteten.
Im Gegensatz zur alten Wegbeschilderung führt der Kalltrail nun weiter bergan Richtung Kommerscheidt.
Uns führt die Wanderung mit einem kurzen Abstecher durch das wieder aufgebaute Kommerscheidt mit einem herrlichen Panoramablick hinunter ins Kalltal.
Blick über das Kalltal
steiler Pfad ins Kalltal
Die steilen unübersichtlichen Hänge bereiteten den fliehenden Amerikanern große Schwierigkeiten die Orientierung zurück nach Vossenack zu finden. Man kann man beim Anblick des steilen Geländes es nicht verstehen, dass sie diesen Weg durch Kalltal gewählt haben.
Der steile schmale Pfad ist auch für uns schwierig die Balance zu halten.
Mit beiden Wegzeichen „66“ und „80“ wandern wir hinunter durch einen felsigen Hohlweg, durch den auch die Kirchgänger nach Schmidt gingen. Am nächsten Waldweg gehen wir links mit „89“ weiter und verlassen hier den „Kalltrail“, um nicht den Hinweg hinunter zur Kall zu wandern. Der Weg führt uns über zwei hintereinander liegende, kleine talwärts rauschende Bäche leicht bergab.
"Missepaad" Huschelsbach "Querung" Huschelsbachstauweiher
Nach 130 Jahren ist der Biber wieder heimisch in der Eifel.. Wegen des fetthaltigen Sekrets, mit dem er sein Fell pflegt und wasserabweisend macht, diesem sog. "Bibergeil" schrieben die Menschen vor einigen Jahrhunderten eine besondere Heilkraft zu. Eine ideale Beute für den Menschen war der Biber auch wegen seines Fells und als Fleischlieferant. Damit geistliche Herren ihren Biberbraten auch während der Fastenzeit ungeniert genießen konnten, erklärte ein päpstliches Edikt den Biber aufgrund seines beschuppten Schwanzes kurzerhand zum Fisch. https://www.youtube.com/watch?v=AsrR71NSAGI&t=409s
Nachdem wir von dem idyllischen Fleckchen einige Fotos gemacht haben, wandern wir weiter und stoßen auf die "Bachtäler-Höhenroute", die von Schmidt herunter kommt.
Kohlen- Schaumeiler Köhlerhütte Reste des ehem. Wasserwerk
Mit ihr geht es rechts weiter. Am Wegesrand liegt dann ein nachgebauter Holzkohlenmeiler, Vom 16. bis Mitte des 19. Jhs. wurden auf den Hängen des Kalltales große Mengen Holzkohle für die Eisenhütte Simonskall und später auch für Zweifallshammer produziert. Der Schaumeiler zeigt den Bau eines Kohlenmeilers und den Prozess der Verschwelung von Holz zu Holzkohle. 6 bis 8 Tage musste der Meiler in Betrieb gehalten und ständig überwacht werden, damit das Holz nicht verbrannte, sondern nur verkohlte. Während dieser Zeit lebte der Köhler in einer einfachen Hütte neben dem Meiler.
Ein besonderer Blick in die Erdgeschichte bietet ein links am Wegesrand sonderbar geformter Felsen, ein spektakuläres Bild (7,8km, 270m). Es handelt sich bei diesen gefalteten Gesteinsschichten um einen sog. geologischen Sattel. Er entstand vor 300 Millionen Jahren im Zuge der variskischen Gebirgsbildung. Mehr Erläuterungen kann man der Info-Tafel entnehmen. „Teufelsley“ nennt man diesen hier steil ins Kalltal abfallenden Bergrücken, auf denen sich eine deutsche MG-Stellung befand und von dort das Tal kontrollierte.
Kallbrücke geologische Aufschluss Erinnerung an einen belg. Soldaten
Kallaufwärts überqueren wir an einem Schutzpilz rechts den Bach (8,2km, 274m) und wandern zunächst rechts und dann links entlang des Richelsbach erst noch moderat bergan. Hier finden wir am Wegesrand ein Kreuz, dass zum Gedenken an einen belgischen Soldaten erinnert, der 1972 am gegenüberliegenden Steilufer während einer Wehrübung mit seinem Jeep tödlich. verunglückte.
Gegenüber, einem links über den Bach führenden Holzsteg, führt uns das Wegzeichen rechts auf einem naturbelassenen Pfad mit einigen Hindernissen im Tal des Morlesiefs steil hinauf. Auch hier lässt es sich erahnen, welchen körperlichen Anstrengungen die Soldaten in diesem Gelände unter ständigem Beschuss ausgesetzt waren. Auch uns verlangt heute der steile Pfad einiges an körperlicher Kraft ab. Am Ende des Waldes treffen wir auf einen Grasweg, den wir links auf die schon in Sichtweite kommende Kirche zugehen und dort unseren Ausgangspunkt wieder erreichen.
Hindernisse im Weg Ende der Wanderung in Sicht Lamba Pumpe
Am Ortseingang von Vossenack kann noch eine "Lamba Pumpe", die im Wasserwerk stand, bestaunt werden. Beachtung verdient diese Pumpe als technische Meisterleistung, da sie Trinkwasser ausschließlich mit Wasserdruck hochpumpte. Ihren Namen verdankt sie ihrem Erfinder Wilhelm Lambach.
Damit endet unsere Wanderung bei der wir auf Spuren der amerikanischen Truppen während der Allerseelenschlacht unterwegs waren und erlebt haben, welche Schwierigkeiten sie hatten ohne geographische Kenntnis das Kalltal zu queren, um Schmidt zu erobern, das erst am 7. Februar 1945 die Amerikaner Schmidt einnehmen konnten.
Information: Wanderkarte Nr 2 „Rureifel“ und Nr. 50 „Nationalpark-Karte“ des Eifelvereins. „Historisch-literarischer Wanderweg Hürtgenwald 1938-1947“ Sammelmappe der 7 Rundwanderwege und das Projekt „Multimedia-Historyguide“ mit ausführlichen Informationen und Filmausschnitten.
Streckenlänge: ca.9km, Pfade und meist unbefestigte Wege. Markierung meist „Kalltrail“ (66), „Kreuzweg des Friedens“ (80) , Bachtälerhöhenroute,
Gedenkskulptur an der Kallbrücke
Video: