Goldene Aue 

Sophienhöhe

200 Meter hoch über der Agrarlandschaft der Jülicher Börde erhebt sich die Sophienhöhe und ist damit eine respektable, weithin sichtbare Anhöhe. Sie wurde mit dem Abraum des benachbarten Braunkohlentagebaus Hambach geschaffen. Um die im Boden liegende Braunkohle freizulegen, mussten zunächst Sand, Kies und Ton abgetragen werden. Im Herbst 1978 wurden die ersten Kubikmeter aus dem Tagebau auf den nördlich angrenzenden Ackerflächen aufgeschüttet. Heute lädt die Sophienhöhe zum Spazieren, Wandern und Genießen der Natur ein mit scheinbar unendlich weit über die umliegende Region schweifenden Aussichten.

Blick zur Sophienhöhe

Diese Aussichten wollen wir bei einer Wanderung einmal erleben und genießen. Leicht ist diese Absicht nicht, denn es müssen erst einmal 160 Höhenmeter bewältigt werden.
Einen schönen Einstieg in diese Wanderung erleben wir gleich hinter dem Wanderparkplatz Hambach, am „Niederzierer See. Beim Anblick des verwunschenen kleinen Sees vergisst man, dass man sich auf einer renaturierten Abraumhalde befindet.

Niederzierer See

14. Station des Kreuzweges

Wir gehen zurück auf den Hauptweg, der gleichzeitig als ein Kreuzweg angelegt worden ist. Er hat seine Wurzeln im Jahr 1983 in der Friedens- und Protestbewegung gegen die Umweltzerstörung. 2002 gab es eine Initiative von Lehrern und Kindern der Umgebung, gemeinsam einen Kreuzweg einzurichten. Die Firma Rheinbraun unterstützte diese Idee und stiftete für die geplanten 14 Kreuzwegstationen große Findlinge aus dem nahegelegenen Tagebau. Die Kinder entwickelten die Vorlagen für Darstellungen als Scherenschnitte und im Forschungszentrum Jülich wurden daraus Metallfiguren für die Findlinge erstellt. Bereits am 10. Oktober 2002 konnte der Kreuzweg eingeweiht werden.
An der nächsten Wegeecke finden wir die erste Station des Kreuzwegs, dem wir nun folgen. Rechts liegt ein kleiner Rastplatz mit Blick auf den Niederzierer See. Da wir erst am Beginn unserer Wanderung sind gehen wir weiter. Vorbei an weiteren Stationen des Kreuzweges wandern wir ständig bergauf. Unterwegs gibt der Wald einmal den Blick auf eine Obstwiese frei. Die 14. Station endet in einer Schutzhütte.
Ein Highlight ist dann der vom Wegesrand zugängliche idyllische Inselsee, der nach dem im See liegenden kleinen Eiland benannt wurde. Auf dem Inselweg wandern wir bis dieser nach rechts weiter führt und dort ein weiterer kleiner Rastplatz mit Blick auf den See liegt. Reiher fühlen sich hier sehr wohl, denn sie nutzen die Bäume in der Brutzeit sogar gerne als Nistplätze.

Inselsee

Reiher im Inselsee

100 Höhenmeter haben wir jetzt schon geschafft. Ein mit zwei Pferden und einem Fohlen dargestelltes Hinweisschild zeigt nach rechts, dass dort Pferde zu sehen sind und so folgen wir dem Hinweis. Der breite Weg führt uns weiter blumenreich bergan.

Farbenpracht am Wegesrand

Blick in den Tagebau Hambach

Unterwegs biegt rechts ein Weg zu einem in diesem Gelände noch einmal aufgeschütteten Hügel ab. Wer diese Aussicht über die „Goldene Aue” und einen Einblick in das riesige Loch des Tagebaus erleben möchte, kann hier einen Abstecher von 1,5km (hin und zurück) machen. Zu beobachten sind von dort oben auch die grasenden Wildpferde. Wieder zurück auf den Hauptweg erreichen wir schon bald das eingezäunte Gehege der Wildpferde. Hier nutzen wir den Pfad rechts entlang des Zauns bis zum Hauptweg, der nun zu den Wildpferden führt. Die Landschaft zeigt, warum sie die Bezeichnung „Goldene Aue” erhalten hat. Golden schimmert sie vor allem im Mai, wenn hier der Ginster blüht und die Wiesen mit gelben Blumen übersät sind. Aber auch im Sommer und Herbst und natürlich auch im Winter hat die Landschaft ihren Reiz

"Goldene Aue"

Wenn man Glück hat, sind die Pferde sogar unmittelbar am Weg zu sehen. 2024 wurden auf der rekultivierten Sophienhöhe eine Herde Wildpferde angesiedelt. Die Koniks, eine robuste Pferderasse, die von Natur aus in einer großen Herde leben, halten die Offenlandschaft frei von Bäumen und Sträuchern und erhöhen dadurch die Vielfalt der Rekultivierung. Die Weidetiere leben das ganze Jahr hindurch in der Natur (Ganzjahres-Beweidung).

Wildpferde

Tagebau Hambach

Nach verlassen des Wildpferde-Geländes nutzen wir oben rechts den Trampelpfad hinter einer Schranke und blicken in ein gigantisches bis zu 400m tiefes Loch. Nach Norden zeigen sich die Kraftwerke Niederaußem, Neurath und Frimmersdorf. Nach Osten ist bei guter Sicht sogar das Siebengebirge am Horizont zu entdecken.
Seit 1978 wird hier Braunkohle mit riesigen Baggern gefördert. Im Jahr 2029 wird die Kohlegewinnung im Tagebau Hambach beendet. Es wird ein See mit einer Fläche von 4200ha entstehen und damit nach dem Bodensee der zweitgrößte See Deutschlands werden. Die voraussichtliche Flutung beginnt ab 2030 und die Befüllung wird etwa 40 Jahre dauern.
Wieder zurück auf den Hauptweg führt uns schon bald ein Pfad links zu einer wundervollen Aussichtpunkt über die „Goldenen Aue” mit ihren beiden Seen. Am Horizont strecken sich die Kühltürme des Braunkohlekraftwerks Weisweiler in den Himmel.

Aussicht über die "Goldene Aue"

Eine viele Meter lange Sitzbank mit Picknicktisch lädt hier mit dieser imposanten Aussicht natürlich zu einer Pause ein.
Zurück geht es zum Hauptweg und dort weiter mit weitem Blick über die „Goldene Aue”. Wir passieren eine Fläche mit großen Steinbrocken. Hier wurde ein großes Steinlager angelegt. Sonnenexponiert bietet es wärmeliebenden Tieren, wie Zauneidechse und Schlingnatter einen natürlichen Lebensraum. Die zahlreichen kleinen Hohlräume bieten optimale Verstecke und Fortpflanzungstätten.  

Steinlager

Steinkompass

Wir bleiben auf dem Weg bis er uns in den Wald führt und vor uns der Wetterradarturm des Jülicher Forschungszentrum über den Bäumen hervorschaut. Nach ca 200m wandern wir links auf einem Naturpfad zum „Steinkompassweg” und dort rechts zu einer Lichtung. Auf dieser hat man aus dem Tagebau gefundene Mineralien kreisförmig angeordnet und damit die Himmelsrichtungen markiert und den Kreis als Steinkompass bezeichnet. In der Mitte des Kreises befindet sich eine Schutzhütte.

Gipfelkreuz

"Mammutwald"

Die Anlage wird durchquert und wir wandern bis zum nächsten links abgehenden Weg, der uns zum Gipfelkreuz von 1981 führt. Es war einmal mit 252m der höchste Punkt der Sophienhöhe. Das Kreuz gibt es weiterhin, aber da der Berg durch den weiteren Abbau der Braunkohle und entsprechenden Aufschüttungen weiter gewachsen ist, handelt es sich nicht mehr um den höchsten Punkt des Geländes.
Wir wandern zwischen Kreuz und Schutzhütte auf dem breiten Weg bis zu einem Hinweis „Mammutwald”. Hier können wir entweder weiter geradeaus gehen oder einen kurzen Abstecher in den Wald machen, wo einige Mammutbäume wachsen. Es ist eine nette kleine Abwechslung zu den üblichen breiten Wegen. Der Pfad trifft ein Stück weiter wieder auf unseren Weg. Die Wanderung führt uns leicht bergab. Im weiteren Verlauf geht es stetig mit Serpentinen bergab. Unten liegt vor uns ein Parkplatz, den wir ignorieren und links auf dem breiten Weg nach 200m rechts in den dort abgehenden Weg einbiegen. Links führt der nächste Weg zur ehemaligen „Pappelschule”.

Gelände der


"Pappelschule"

Hier wurden nach Kriegsende Pappelbäume herangezüchtet, um sie dann in ganz NRW zu pflanzen. Sie dienten als Reparationszahlungen. So erhielten die Niederländer die Pappelbäume zur Fertigung ihrer traditionellen Holzschuhe (Klompen).
Heute bietet das Gelände viele Freizeitmöglichkeiten als Picknick- Grill- und Spielplatz.
Interessant ist ein Besuch des Geländes. Wieder zurück geht es nach wenigen Metern weiter, dann rechts und links und wieder links bis wir rechts durch freies Gelände unseren Startpunkt erreichen.

Eine Landschaft im Wandel

Die Landschaft bietet Einblicke in ein gigantisches Loch mit einer bis zu einer Tiefe von 400m. Sie hat sich im Verlauf der Jahre vielseitig verändert und wird es bis zum endgültigen Ende 2029 auch weiter tun, daher ist bei einem regelmäßigen Besuch interessant die Veränderungen immer wieder zu sehen. Nach Beendigung der Braunkohleförderung im Tagebau Inden, Garzweiler und Hambach wird hier in einigen Jahren eine beeindruckende Seenlandschaft mit vielfältigen Freizeitmöglichkeiten entstehen.

Streckenlänge:  ca. 15km,                                      

Schwierigkeit: 160m Anstieg zur Höhe, Auf- und Abstiege 180m,

Einkehrmöglichkeit:  unterwegs keine                    

GPX-Track:

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Tourenübersicht Spuren des Bergbaus

Künftiger See



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