Das Hohe Venn

 

Abseits der dicht bevölkerten Großräume Aachen und Lüttich erstreckt sich fast ausschließlich auf belgischem Gebiet das Hohe Venn, zwischen den Orten Malmedey, Eupen, Roetgen und Monschau. Es ist weder ein Teil der Nordeifel noch der Ardennen. Die Geologen haben für das Gebiet den Begriff "Massiv von Stavelot" geprägt und betrachten dieses Massiv von seiner geologischen Entstehung her als etwas durchaus Eigenständiges. Dies zeigt die Landschaft auch in ihrem Charakter.

 

 

Entstanden ist das Hohe Venn am Ende der letzten Eiszeit, es war zwar nicht mit Gletschern bedeckt, aber es herrschte ein Tundrenklima mit einem Dauerfrostboden wie in Sibirien oder Lappland. Mit einer Höhe von 694m liegt der höchste Punkt Belgiens im Hohen Venn. So sind die von Westen ankommenden feuchten atlantischen Luftmassen gezwungen hier das erste Mal aufzusteigen, was zu einer der regenreichsten Regionen führt. Der viele Regen und wasserundurchlässige Schichten schaffen dann eine wesentliche Grundlage für die Entstehung eines Hochmoores.

Eine weitläufige Einsamkeit dieser Moorlandschaft, die Vielfalt geologischer und biologischer Besonderheiten und auch die zahlreichen historischen Beziehungen verleihen dem Venn einen besonderen Reiz und übt bei vielen Besuchern eine enorme Anziehungskraft aus. Das, was wir heute als naturnah und idyllisch empfinden, war vor Hunderten vor Jahren eine menschenfeindliche Landschaft, die sumpfigen Flächen waren 10 mal größer als heute. Straßen und Wege, wie wir sie heute kennen, gab es nicht. Man durchquerte das Venn nur, wenn es unumgänglich war.

 

Touren: Venn Wanderung l Eiszeitspuren l Wallonisches Venn l wildes Venn l alpine Talwanderung l 3 Täler Wanderung l Wilde Bäche l

 

 

Blick zum Poleur Venn

   Venn - Wanderung 

 

      Oh, schaurig ist’s über’s Moor zu gehen,

      wenn es wimmelt von Heidenrauche,

      sich wie Phantome die Dünste drehen

      und die Ranke häkelt am Strauche,

      unter jedem Tritte ein Quellchen springt,

      wenn aus der Spalte es zischt und singt.

      Oh, schaurig ist’s über’s Moor zu gehen,

      wenn das Röhrig knistert im Rauche.

 

 

 

Diese Verse fanden wir vor Jahren auf einer Tafel am Rande des Poleur Venns, einst verfasst von der Dichterin Anette von Droste-Hülshoff. Sie war fasziniert von Moorlandschaften und nannte eine solche, Geisterlandschaft. Die in der Literatur geschilderten gewaltigen, rauen und erdrückenden Erlebnisse sehen die heutigen Wanderer als ganz besondere Art der Schönheit dieser Landschaft an und mit ihrem herben Reiz hat sie schon immer einen nachhaltigen Eindruck auf Naturfreunde ausgeübt. Unsere Wanderung führt jenseits der deutschen Grenze in der Nähe von Eupen durch Belgiens höchste und regenreichste Region.

 

  

 Wir starten die Wanderung am Parkplatz des Naturparkzentrums Botrange an der Landstraße zwischen Sourbrodt und Eupen. Von hier gehen wir 50m Richtung Landstraße und biegen dann links in den Schotterweg ein. Nach 800m taucht rechts eine kleine Schneise auf. Hier machen wir auf dem Trampelpfad einen Abstecher 150m ins Gelände, bis wir vor einem quadratischen Kalksockel stehen. Es ist der Rest von einer 4,50m hohen ehemaligen Säule. Sie ist 1566 zusammen mit verschieden anderen von der Familie Hauptmann-Panhaus errichtet worden, um den Reisenden, die das Venn von Jalhay nach Sourbrodt durchquerten, als Wegweiser zu dienen. Einige Meter daneben steht ein Grenzstein, der einst die Grenze zwischen dem Abtei-Fürstentum Stavelot-Malmedy und der Grafschaft Luxemburg kennzeichnete, daher trägt er auf der einen Seite die Inschrift „STAVELOT“ und auf der anderen die Buchstaben „LUX“ für Luxemburg. 

   Wir müssen bis zum Schotterweg wieder zurück und wandern auf diesem rechts weiter. An der nächsten Wegekreuzung biegen wir rechts ab zum höchsten Punkt des Venns und damit auch Belgiens. Das 1934 hier errichtete Gebäude mit Turm (nicht zugänglich) und Gastwirtschaft ist heute ein beliebter Anziehungspunkt für Besucher. Den eigenartigen Treppenhügel hinter der Gastwirtschaft ließ Generalleutnant Baltia im Jahre 1923 errichten, um auf diese Weise Belgiens höchsten Punkt auf 700m Seehöhe anzuheben. Noch dahinter entdecken wir im Gebüsch einen Tranchot-Stein. Nach dem Frieden von Luneville (1801) ordnete Napoleon die topographische Aufnahme der Frankreich zugefallenen linksrheinischen Gebiete an. Diese Landesaufnahme wurde ab 1803 von Ingenieur-Geograph Oberst Tranchot betrieben. Auf der anderen Wegeseite komplettiert ein Trigonometrischer Stein die Reihe der Vermessungspunkte.

 

  

  

Botrange   

Poleurbach 

  Schutzhütte am Poleurbach 

 

  Wir gehen die 100m zur letzten Wegekreuzung zurück und dort geradeaus über Stege, bis wir nach ca. 600m offenes Venn erreichen. Hier biegen wir rechts in Richtung Baraque Michel ab.

Über einen Holzsteg erreichen wir nach ca. 1km die Straße Eupen – Malmedy (3,3km). Wir überqueren diese und gelangen über einen Forstweg an eine Informationstafel am Rande des Poleur-Venns. Dieses 54ha große Venngebiet wurde 1984 staatliches Naturschutzgebiet, in dem Lehrpfade von 3km bzw. 5km angelegt wurden. Der Wanderweg durchs Poleur-Venn ist zu jeder Zeit sehenswert und kann selbst dann begangenen werden, wenn die Rote Fahne gehisst ist. Wir folgen links dem Pfad und queren nach 150m einen kleinen Bach und stoßen auf den Naturlehrpfad. Hier wandern wir links weiter. Wir überqueren erneut einen Bach und haben nun 2 Möglichkeiten weiterzugehen. Gehen wir jetzt oder erst 50m weiter den Pfad links ab? Beide haben die gleiche Schutzhütte als Ziel. Der erste Pfad verläuft durch den Berghang des Poleurbaches und ist etwas beschwerlicher. Der zweite führt meist über Holzstege das Tal hinunter (vorübergehend gesperrt 2013). Nach gut einem Kilometer stoßen wir auf einen quer laufenden Asphaltweg. Links vom Bach entdecken wir eine Schutzhütte (5.3km), die zu einer Pause und einer Stärkung einlädt. Sitzgelegenheiten sind im Venn rar, deshalb darf man diese nicht auslassen. Von der Hütte aus gehen wir anschließend auf dem Asphaltweg rechts über den Poleurbach weiter.

 

  

  

Herbofaye-Bach 

  Kreuz der Verlobten u. Grenzstein 151    Moortümpel 

  

 An der nächsten Gabelung wandern wir links auf dem Wiesenweg weiter mit dem Hinweis „Kreuz der Verlobten“. Wir befinden uns hier auf dem uralten Vennpfad von Jalhay nach Xhoffraix. Nach einem Kilometer wird der Herbofaye-Bach überquert. An der nächsten Wegekreuzung wenden wir uns nach rechts und finden nach 300m rechts das berühmteste aller Vennkreuze, das "Kreuz der Verlobten" (7.2km). Es erinnert an den tragischen Tod der Marie Solheid aus dem Venndorf Xhoffraix und Francois Reiff aus Bastogne, die am 21. Januar 1871 von Jalhay nach Xhoffraix unterwegs waren, ihre Hochzeitspapiere zu holen. Der Kampf gegen Kälte und Schneefall war für beide in dem verschneiten Venn so hart, dass sie vor Erschöpfung den Tod fanden. Es war ein preußischer Zollbeamter, der am 22.März 1871, beim Begehen der Grenze, wohl zum ersten Mal nach der Schneeschmelze, die Leiche der Marie neben dem preußischen Grenzstein Nr. 151 fand. Eine Woche zuvor hatte man den Bräutigam zwei Kilometer entfernt von hier gefunden. 

Der Grenzstein mit der Nummer 151 und den Buchstaben „B“ und „P“ gehört zu einer ganzen Reihe von Steinen, die 1839 über die Höhen des Venns auf Sichtweite voneinander gesetzt wurden, um hier die Grenze zwischen dem jungen Staat Belgien - seit 1830 - und der preußischen Rheinprovinz zu fixieren.

Nach ca. 500m beginnt wieder ein Holzsteg, der durch ein außerordentlich schönes und abwechslungsreiches Hochmoorgebiet am Rande des Grande Fagne bis nach Baraque Michel führt. Bevor wir wieder festen Boden betreten, entdecken wir rechts einen kleinen Moortümpel. Er ist einer von vielen im Venn, die durch die Klimaerwärmung am Ende der letzten Eiszeit entstanden sind, man nennt sie Palsen. 

 

  

  

Fischbach-Kapelle

 

Boulté

 

Glocke von Baraque Michel

 

 Vorbei an der Fischbach-Kapelle erreichen wir die Straße. Auf der anderen Seite sehen wir rechts eine 4.50m hohe Säule. Sie ist der Vorfahre unserer Verkehrszeichen und wurde 1566 ebenfalls von der Familie Hauptmann errichtet

Links liegt Baraque Michel, das höchstgelegene Hotel Belgiens. Hier können wir bei Halbzeit der Wanderung eine Rast einlegen (9.0km). 1812 errichtete ein Michel Schmitz hier eine Hütte. Der Legende nach löste er damit ein Versprechen ein, nachdem er sich einmal im Venn verirrt hatte und in seiner Not den Bau einer Hütte gelobte, wenn er gerettet würde. Nach seinem Tod 1819 baute seine Familie sie als Herberge für Reisende aus. Allabendlich läuteten sie eine Glocke, um verirrten Menschen den Weg zu weisen. Sie ist noch heute an der Straßenseite zu sehen. Zum Dank für eine Rettung hatte 1830 auch der Industrielle Fischbach die eben erwähnte Kapelle errichten lassen.

 

  

  

Priorkreuz    Hautes Fagne    Hillsteg u. Grenzstein 157 

 

Vom Parkplatz gegenüber Baraque Michel wandern wir weiter und machen links einen kleinen Umweg zum Priorkreuz. Es mahnt an keinerlei tragische Ereignisse, sondern ist ein Grenzkreuz, dessen Vorgänger 1566 an dieser nassen Stelle errichtet wurde, um die Grenze zwischen dem Fürstenbistum Lüttich und der Doppelabtei Stavelot-Malmedy zu markieren.

Nach 300m folgen wir links dem Holzsteg „Rundwanderweg“. Vor uns liegt das Hautes Fagne (Großes Moor) und es zeigt uns, da das Gelände leicht abfällt, die ganze Pracht dieser eigenwilligen Landschaft. Hier im Quellgebiet der Hill gluckert es ringsum. Wir stoßen wieder auf den Hauptweg, den wir links weiter gehen und ca. 500m einen Holzsteg über der Hill erreichen (11km). Das Wasser der Hill hat sich hier schon ein richtiges Bett gegraben. So ist auch der Grenzstein 157 auf der anderen Hillseite, der letzte aus der Reihe der Belgisch-Preußischen Grenzsteine, denn ab hier ist die Hill so breit, dass ihr Verlauf eine klare Grenzlinie bildete. Diese Stelle mit einigen Bäumen wird "Trois Bornes" (Drei Grenzsteine) genannt. Drei Grenzsteine aus verschiedenen Generationen sollen hier stehen. Der Preußenstein ist nicht zu übersehen. Ein zweiter findet der aufmerksame Wanderer gleich links vor der Hill, wo ein kleiner dreieckiger Grenzstein "K.N.-W.-B." aus dem Gras hervorlugt. Er stammt aus der Zeit als das Königreich der Niederlande noch bis hierher reichte. Den ältesten kann man in dem Pfeifengras nicht erspähen. Er soll am nördlichen gegenüberliegenden Waldrand stehen und von 1756 stammen, aus der Zeit von Maria Theresia, als die Niederlande noch zum Kaiserreich Österreich gehörte. 

So siedlungsfeindlich das Hochplateau mit seinen Mooren auch gewesen ist, so waren die Menschen doch seit jeher gezwungen, Wege und Straßen hinüber und herüber zu bauen und zu benutzen, wenn sie nicht unerträgliche Umwege in Kauf nehmen wollten.

So wenden wir uns jetzt dem vor der Hill rechts abgehenden Holzsteg zu, der am Waldrand endet. Hier wandern wir auf dem Überbleibsel einer alten Straße, der "Maria Theresia Allee". Aus dieser Epoche finden wir auch einen Grenzstein mit den Buchstaben „LUX“ und „LIM“. Links schauen wir immer über die offene freie Fläche des Wallonischen Venns. Der einzige Zeuge menschlicher Besiedlung finden wir am Horizont mit den Türmen des Eifeldoms von Kalterherberg.

Der Weg steigt leicht bergan. An einem Waldknick halten wir uns links und über einen Fußpfad erreichen wir eine Aussichtsplattform mit einem einzigartigen Vennpanorama. Schautafeln erläutern diese sich weit ausbreitende Landschaft. Vor uns im Wallonischen Venn sammeln sich auch die Wasser, die sich später zur Rur vereinigen. Das Hinweisschild „Naturparkzentrum“ zeigt, dass es nur noch 1,5km bis zum Ausgangspunkt sind, wobei die Wanderung noch 1 Kilometer am Rande des Wallonischen Venns entlang führt und dann rechts über die Straße erreichen wir wieder das Naturparkzentrum.

 

  

  
 Maria Theresia Grenzstein   Venn-Wald    Rurvenn 

 

 

Streckenlänge ca. 15 km Rundwanderung, Holzstege und naturbelassene Wege. Die Wanderung kann am Naturparkcenter oder an Barauqe Michel begonnen werden. Wegemarkierungen sind nahezu keine vorhanden. Allerdings sind an mehreren Stellen Informationstafeln mit detaillierten Karten aufgestellt.

 

Schwierigkeit: leichte Wanderung, kaum merkbare Höhenunterschiede, Holzstege können bei Feuchtigkeit glatt und rutschig sein.

 

Einkehrmöglichkeit: an der Strecke Restaurant "Baraque Michel" www.baraquemichel.de/  oder alternativ ein Imbiss mit echt belgischen Fritten am Parkplatz. Im Naturparkzentrum Cafeteria geöffnet von 10Uhr bis 18Uhr

 

Information: Seit 1992 ist der Zugang zum Hohen Venn durch Zonen (A, B, C und D) reglementiert. A und B Zonen sind frei zugänglich. Sie können auf eine bestimmte Dauer gesperrt werden. Rote Fahnen zeigen eine Sperrung an (  http://www.hautesfagnes.be/cartesde.htm ), dann herrscht Waldbrandgefahr. Wege, die am Rande des Hohen Venns verlaufen, sind nicht betroffen. Außerdem sind während der Vogelbrut bis Mitte Juni die Vennbereiche geschützt. C-Zonen dürfen nur in Begleitung ermächtigter Personen erfolgen. Das Betreten der D-Zonen ist generell untersagt. Informationen sowie Karten sind im Naturparkzentrum erhältlich.

Aufgrund der Gefährlichkeit des Holzsteges zwischen dem Poleur-Venn und der Beleu-Brücke (Poleurtal), wurde diese Wanderstrecke für den öffentlichen Zugang vorübergehend gesperrt (2013). Den Weg limks vor dem Bach nehmen. Der Weg verläuft oberhalb des Berghanges.

 

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Auf eiszeitlichen Spuren

 

 Bei Wanderungen im Hohen Venn wurden in den 70er und 80er Jahren Gummistiefeln empfohlen, die auch angebracht waren. Denn es war ein Abenteuer auf den Moorpisten zu wandern, wenn man trockenen Fußes das Gelände queren wollte. Man sprang  über die Bulten (erhöhte Kuppen aus Torf u. Torfmoosen) und drohte dabei abzurutschen und dann in den Schlenken stecken zu bleiben. Jeder suchte seinen eigenen Weg, was letztendlich zu extrem hohen Trittschäden führte. Zur Vermeidung dieser Schäden wurden Holzstege angelegt und das Betreten der Moorflächen wurde reglementiert. Heute reicht bei einer Vennwanderung festes Schuhwerk. 

 

Brackvenn, "Hobbe"

 

 Die folgende Wanderung führt uns durch eine  Moorlandschaft des Hohen Venns, die die Erwartungen an eine solche durchaus erfüllen. Wir starten unsere Rundwanderung an dem Park- und Informationsplatz  der Eupener Straße am Ortsrand von Mützenich, dem ehemaligen Zollamt (620m). Auf dem neu angelegten Fußpfad entlang der L214 wandern wir Richtung Belgien, das schon nach 300m betreten wird. Den Parkplatz „Grenzweg“ erreichen wir nach 600m und wandern dort auf dem links in den Wald führenden Forstweg Richtung „Herzogenhügel“ weiter. Der Wald endet rechts nach 700m und der Blick schweift nun über die weite Fläche des Brackvenns. Das Wort „Brack“ bedeutet so viel wie „nutzlos“. Gemeint ist ein nutzloses Gebiet, in dem man weder Landwirtschaft noch Vieh- oder Holzwirtschaft betreiben konnte.

 Dieses Panorama kann man 300m weiter von einer Bank, die im Venn Seltenheitswert hat, in Ruhe genießen. Die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten hatten für solche Schönheiten keinen Blick. Für sie war das Leben am Rande des Venns hart und entbehrungsreich. Man versuchte dem Moor Land abzuringen. Entwässerungsgräben wurden angelegt und Fichten angepflanzt, um verschiedene Vennstücke auszutrocknen und für eine ertragsreichere Flächennutzung verfügbar zu machen. Mehr als die Hälfte der Vennlandschaft wurde somit in eintönige Nadelforste umgewandelt. Die heute oft als unberührte Natur, als wild und natürlich bezeichneten weiten, unbesiedelten Flächen ist in Wirklichkeit eine Kulturlandschaft mit vom Menschen verursachten Störungen und Veränderungen. Seit 1992 sieht man im Reiz dieser Landschaft etwas Erhaltenswertes und versucht mit dem LIFE-Projekt „Hohes Venn“ absterbende Hochmoorbereiche und Heiden zu renaturieren und damit der Artenvielfalt einen natürlichen Lebensraum zu bieten.

 

     

Zugang Brackvenn "Hobbe"

 

Kanadagänse

 

Infopunkt "Torfgewinnung"

   

An einer Informationstafel (2,2km) verlassen wir den Forstweg und betreten den rechts ins Venn führenden Holzsteg. Rechts und links sind wir von kleinen Moortümpeln eingerahmt. Wir werden auf unserer Wanderung noch einige dieser Palsen erleben. Sie sind nicht von Menschenhand geschaffen, auch wenn der Erdwall am Rande der Wasserfläche dies vermuten lässt. Es sind Überbleibsel aus der letzten Eiszeit. Dabei handelt es  sich um kreisrunde oder längliche Vertiefungen, die durch Entstehung von Eislinsen in der Endphase der letzten Eiszeit im Boden entstanden sind. Bei der Aufwölbung der Linsen rutschte die darauf liegende Erde seitlich ab und schuf einen Wall. Das Eis schmolz durch die Klimaerwärmung und zurück blieben mit Wasser gefüllte Vertiefungen, die von einem Erdwall umgeben waren. Ähnliche Phänomene finden sich heute noch in den Polarkreisregionen. So fühlt sich bestimmt auch das Kanadagänse-Pärchen hier wohl, das wir am Rande des Wassers entdecken.

 Nach 400m zweigt rechts ein weiterer Holzsteg (Rundweg) ab, dem wir nun folgen und der uns zu einem Informationspunkt führt, der die Wiederherstellung des Hochmoores sowie einen ehemaligen Torfstich erläutert. Die Bezeichnung Hochmoor hat nichts mit der Höhe zu tun, auf der das Venn liegt, sondern beschreibt diese Art Moor, das in die Höhe wächst. Dabei begräbt und erstickt es alles unter sich und bildet so den Torf. 1mm wächst das Moor im Jahr.

 

  

  

Frösche

 

Erdkröten

 

Entenpfuhl

 

 Bevor wir die vor uns in einiger Entfernung verlaufende Straße erreichen, wandern wir auf dem links abzweigenden Holzsteg weiter durch das “Platte Venn“, wie dieser Teil des Brackvenns bezeichnet wird. Am nächsten Informationspunkt wenden wir uns zur Straße (4,5km), überqueren diese und wandern auf der anderen Seite einen Kilometer auf einer Randschneise bis zu einer Schutzhütte, wo Tisch und Bänke zu einer Rast einladen. (Die Hütte existiert mittlerweile nicht mehr, nur eine Bank ist noch vorhanden). 

Weiter geht es am Waldrand entlang bis zu einer Wegekreuzung (5,9km). Dort liegt rechts hinter Büschen versteckt ein kleiner Teich, der „Entenpfuhl“. Der Name kommt von den Wildenten, die sich hier gerne niederlassen. Aber auch Kröten scheinen sich hier wohl zu fühlen. Vor uns hüpft ein Krötenweibchen mit einem Männchen huckepack zum Wasser, um wahrscheinlich dort für Nachwuchs zu sorgen. Ursprünglich ist auch dieses Gewässer ein eiszeitlicher Moorteich gewesen, der aber mit Wasser aufgefüllt, zu einem Löschteich umfunktioniert wurde. Die Waldbrandgefahr im Venn ist sehr hoch und deshalb wird bei Brandgefahr an den Eingängen zu den gefährdeten Gebieten eine rote Fahne gehisst, dann ist das Betreten der Vennflächen untersagt.

Wir wandern auf dem Holzsteg rechts hinter dem „Entenpfuhl“ weiter und erreichen nach ca. 500m einen Abzweig, an der wir links dem Holzschild „Kaiser Karls Bettstatt“, unserem nächsten Ziel, folgen. Das Brackvenn wird durch die Straße Mützenich – Eupen geteilt. Der südliche Teil ist, wie wir gesehen haben, relativ offen. Der nördliche Teil, „Nahtsief“ genannt, ist stärker verbuscht und teilweise sogar bewaldet. Das LIFE Projekt „Hohes Venn“ ist 2012 auch hier mit Renaturierungsmaßnahmen beschäftigt. 

 

     

Biberspuren

 

Kaiser Karls Bettstatt

 

Mützenicher Venn

  

 Es gibt auf der Erde nur zwei Lebewesen, die die Umwelt nach ihren Vorstellungen bearbeiten und umgestalten: den Menschen und den Biber. Der eine ist bemüht die ursprüngliche Vennlandschaft wiederherzustellen, siehe LIFE Projekt und der andere gestaltet die Landschaft nach seinen Bedürfnissen. So finden wir rechts und links vom Steg Biberspuren, dass heißt gefällte Bäume und angenagte, die wohl nicht mehr lange stehen werden. Nach Biberart ist hier ein kleines Feuchtbiotop entstanden. Zu sehen ist der meist nur nachtaktive Baumeister leider nicht. Seit 1877 gab es bei uns keine Biber mehr. Erst 1982 wurden im Zuge eines Wiederansiedlungsprojektes im Hürtgenwald die ersten Exemplare ausgesetzt. Mittlerweile hat der Biber das ganze Rurtal mit seinen Zuflüssen zurückerobert.   

 Unser Wanderziel „Kaiser Karls Bettstatt zweigt nochmals links ab und der Holzsteg endet am Waldrand. Auf der Schneise geht es dann 50m rechts, um dann an der Wegegabelung links Richtung „Kaiser-Kals-Bettstatt“ weiter zu wandern. Der Weg ist hier feucht und morastig. So wandern wir rechts auf trockenem Waldboden entlang und erreichen die deutsch-belgische Grenze, die an den Grenzsteinen zu erkennen ist. Entlang der Grenze treffen wir auf den Eifelsteig, der links zu unserem Ziel führt (8,3km, 642m). Zwei Quarzitblöcke, der eine fünf Meter lang und zwei Meter breit, der andere kleiner und wirkt wie die kleine Schwester. Informationen zu Kaiser Karls Bettstatt siehe „Eifelsteig Etappe 2/Variante 2“

  Von Kaiser Karls Schlafstätte gehen wir bis zur Schutzhütte und folgen hier rechts dem Hinweis „Palsen 0,7km. Der Eifelsteig stößt von rechts hinzu und wir wandern zusammen mit diesem bis zu einem Aussichtsturm. Von dem acht Meter hohen Turm hat man einen Blick auf eine renaturierte Vennfläche. Es gab einmal hier im Mützenicher Venn fünf Palsen, die aber bei einer Aufforstungsaktion 1955 angestochen und mit den umliegenden Gebiete durch Gräben entwässert wurden. Erst in den 80ziger Jahren erkannten Naturfreunde das Besondere dieser Landschaft und man begann Anfang der 90ziger mit Renaturierungsmaßnahmen, die zwei Palsen wiederherstellten. Zum größeren der beiden folgen wir dem Weg mit dem Hinweis „Palsen 0,2km“ und gelangen rechts über einen Holzsteg zu einem in jeder Jahreszeit malerischen Moortümpel. Am Ende des Holzsteges wenden wir uns nach rechts und erreichen an den alten Zollhäusern wieder unseren Ausgangspunkt.

 

Palsen, Mützenicher Venn

 Information: Wanderkarte 1:25000 Hohes Venn. Bilder vom März

Diese Strecke eignet sich besonders, um das Venn kennen zu lernen. Es zeigt durch wechselnde Farben der Jahrzeiten immer ein anderes Bild. Im nördlichen Teil (Nahtsief) werden 2012 Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt, die zeitweise Sperrungen zur Folge haben. Die Schilder sind beim Betreten der Vennflächen unbedingt zu beachten, wenn es nicht zum ungeliebten Umkehren kommen soll. Bei Brandgefahr ist an den Zugängen zum Venn eine rote Fahne gehisst, dann ist das Betreten nicht erlaubt ( http://www.hautesfagnes.be/cartesde.htm ). Das Mitführen von Hunden ist nicht gestattet, auch nicht an der Leine.

 

Streckenlänge: ca. 10 km, naturbelassene Wege und 4,5km Holzstege. Wegemarkierungen sind nahezu keine vorhanden. Allerdings sind an mehreren Stellen Informationstafeln mit detaillierten Karten aufgestellt.

 

Schwierigkeit:  leichte Wanderung, kaum merkbare Höhenunterschiede, Holzstege können bei Feuchtigkeit glatt und rutschig sein.

 

Einkehrmöglichkeit:  keine, Rucksackverpflegung. Rastmöglichkeiten sind wenig vorhanden.  

 

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Richtung Hilltal

Rund um das Wallonische Venn

 Zauber wilder Natur oder soweit die Füße tragen

 Nach der letzten Eiszeit entstanden vor 10000 Jahren Wälder, die auch Eifel und Ardennen bedeckten. Nur an den höchsten Erhebungen, auf besonders sumpfigen Böden konnte kein Wald wachsen. Als der Mensch nach und nach auch diese Urlandschaften besiedelte, veränderten sie diese Landschaft. Durch weiträumig angelegte Gräben und Anpflanzungen verschwanden die Sumpf und Moorgebiete immer mehr und schrumpften bis auf wenige Vennstücke zusammen. Im Hohen Venn konnte man einen letzten Rest Urnatur retten. So vermitteln nur noch das Wallonische Venn, das Hohe und das Große Moor immer noch etwas von der Weite und der Einsamkeit.

 

Es ist keine gewöhnliche Wanderung, die wir hier in aller Abgeschiedenheit erleben. Zu verdanken ist dies einer ungewöhnlich fremdartig wirkenden Landschaft, die auf weiten Strecken an die Hochmoore Schottlands und Lapplands erinnert.

 

Die Füße tragen den Wanderer durch eine weite, fast endlos wirkende, einsame und nahezu baumlose Landschaft. Deshalb erscheint sie für Manche trostlos und monoton, andere sind ergriffen von der Urwüchsigkeit dieser herb-schönen Landschaft und kommen von ihr nicht mehr los und folgen immer wieder neu dem Lockruf des Venns. Ihre Begeisterung für diese Landschaft können sie mit einer Wanderung selber testen.

 

Die Wanderung beginnt am Parkplatz in Baraque Michel. Auf einer Informationstafel können wir den Wanderweg schon einmal abgehen. Hier an einer Nachbildung des preußischen Grenzsteins 154 folgen wir dem Weg „Eupen 22km“. Schon nach wenigen Metern breitet sich links das „Hohe Moor“ aus. Dann verlassen wir nach 200m diesen festen Schotterweg und folgen dem Holzsteg gegenüber einer Informationstafel. Sie zeigt, dass mitten auf dieser Hochebene einst Grenzen verschiedener Staaten aufeinander stießen. Die Staaten gibt es nicht mehr, aber viele Grenzmarken stehen noch.

 

  

  

Priorkreuz

 

so weit die Füße tragen

 

Hohes Moor

 

Das Kreuz, das wir jetzt am Rande des Stegs vorfinden, markierte auch eine Grenze. Sie wurde 1605 auf Betreiben des Priors von Malmedy festgesetzt, daher auch der Name „Priorkreuz“. Das jetzige Kreuz wurde 1950 neu errichtet.

 

Am Ende des Stegs geht es links auf festen Boden weiter bis erneut ein Holzsteg beginnt. Vor uns ragt der belgisch-preußische Grenzstein 156 empor. Diese sechseckigen Steine wurden 1830 nach Gründung des Königreich Belgiens errichtet. Hier liegt auch eine der beiden, heute im dichten Gras nicht mehr erkennbaren Hillquellen, die früher mit Holzbalken eingefasst war. Aber das Wasser des ganzen Areals sammelt sich letztendlich in eine tiefere nach Nordost geneigten Bodenmulde zu dem kleinen Hillbach, den wir auch schon nach wenigen hundert Metern unter uns gluckern hören. Mit dem Wasser windet sich auch der Steg über sumpfigen Boden leicht abwärts in eine Geländemulde, wo die Hill sich nun als fließender Bach zu erkennen gibt. Schließlich ist der Hillbach so angewachsen, dass er eine eigenständige Grenze markieren konnte. Denn nach der Bachüberquerung treffen wir mit dem belgisch-preußischen Grenzstein 157, den letzten dieser Steine. Diese Stelle wird auch „Trois Bornes“ genannt, weil im Umfeld noch zwei weitere alte Grenzmarken zu finden sind. Der Zweite liegt vor der Hillüberquerung links auf der anderen Bachseite, kaum im Gras zu erkennen. Im Wiener Kongress 1815 wurden hier drei Grenzen (Dreikantenstein) zwischen dem Königreich der Niederlande (KN) und den Gemeinden Bütgenbach (B) und Weismes (W) festgelegt. Bei dem dritten Stein handelt es sich um einen Maria-Theresien-Stein von 1756, der die Grenze zwischen den Herzogtümern Luxemburg und Limburg kennzeichnete, aber nur für Kenner zu entdecken ist. 

 

       

Die junge Hill

 

verbrannte Bäume

 

Marie-Anne Libert Brücke

 

 Unser Weg führt nun ständig an der Hill entlang, abwechselnd über Stege und schmale Pfade zwischen toten Bäumen und abgestorbenen Sträuchern. Sie zeigen noch die Spuren des Vennbrandes vom April 2011, bei dem auch viele Kilometer Holzstege zerstört wurden. Der Steg entlang der Hill ist mittlerweile neu angelegt und das Moor hat sich schon wieder regeneriert. Die Hill hat inzwischen ein kleines Tal geschaffen und die Bäume werden immer zahlreicher. Über Wurzeln und Felsblöcke sowie matschigen Passagen erreichen wir die erste Brücke, die nach der einstigen Besitzerin der „Ferme Libert“ und Botanikerin Marie-Anne Libert benannt ist. „Rackesprée nennt sich dieses Gebiet. Hier wurde im 17. und 18. Jh. ein herbstlicher Viehmarkt abgehalten. Wir überqueren, dem Wegweiser „Botrange 5,8km, Baraque Michel 9km“ folgend, die Hill und wandern auf dem Pfad (rot/weiße Markierung) hinauf zum Rand des „Wallonischen Venns“. Über eine breite Schneise geht es am Vennrand unmerklich aufwärts. Es ist oftmals etwas unheimlich, wenn man bei jedem Schritt spürt wie der Boden unter den Füßen nachgibt. Der Blick schweift hier wieder weit über das Wallonische Venn hinüber zum "Signal de Botrange". Nach 500m knickt der Weg links ab und wir wenden uns vor dem Wald wieder rechts am Vennrand entlang. Bei dem nächsten Waldstück orientieren wir uns nach rechts und wandern hier weiter auf der Vennschneise, rechterhand immer der weite Blick über das Venn. Beim nächsten Rechtsschwenk entdecken wir links Birkhühner beim Balzritual. Schön wäre es. Aber es handelt sich nur um Attrappen mit denen wir uns zufrieden geben müssen. Das Birkhuhn ist, wie überall in Europa, so auch im Hohen Venn sehr selten geworden und nur ein paar wenige Exemplare können sich mit Mühe halten. Insbesondere während der Paarungszeit brauchen diese Tiere Ruhe.

 

       

entlang des Wallonischen Venns

 

Birkhuhn-Attrappen

 

Moortümpel

 

Der Weiterweg ist stellenweise sehr matschig und rechts entdecken wir im Gras auch einen kleinen Moortümpel. Ein Schild weist auf das Life-Projekt hin, das hier bis 2012 Maßnahmen durchgeführt hat, um das in Europa einmalige Hochmoor des Hohen Venns wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Durch die Bewirtschaftung des Venns und vor allem die Fichtenanpflanzungen in der Vergangenheit waren die Heide- und Moorgebiete erheblich zurückgedrängt worden. Am nächsten Wegeknick erläutert eine Informationstafel diese Maßnahmen. Hinter der Tafel können wir einen Blick auf einen kleinen Moortümpel werfen. Der Wegweiser „Botrange 4km, Baraque Michel 7km“ zeigt uns den weiteren Weg entlang dem Waldrand, der uns auch die nächsten Kilometer begleiten wird. Auf der breiten Randschneise geht es schnurgerade leicht abwärts zur jungen Rur. Rechts erkennt man Auswirkungen des Life Projekts. Man hat das Pfeifengras und die oberste Bodenschicht abgefräst und das Material senkrecht zum Hang aufgehäuft. Die entstandenen kleinen Dämme sollen so das Wasser zurückhalten. Diese Bereiche fördern die Entwicklung anderer für Torfböden typische Pflanzenarten, wie Wollgräser, Seggen und Torfmoose. Es wäre schön und wirkungsvoll, wenn einige Wasserflächen das monotone Grün unterbrechen würden, aber nach dem vergangenen trockenen Sommer 2013 sind viele Feuchtflächen trocken. 

 

       

Vennwack

 

Einheimischer

 

Lothringer Kreuz

 

Bei dem aufmerksamen Venn-Wanderer haben die Felsbrocken, die hier und da aus dem Gras herausragen und in der moorigen Umgebung verloren und fremdartig wirken, sicher das Interesse geweckt und sich die Frage nach ihrer Herkunft gestellt. Die Farben der Steine variieren zwischen graublau bis schwarz und sind häufig von weißen Adern durchzogen. Sie stammen aus dem ersten Erdzeitalters des Kambrium und sind Meeresablagerungen von vor 500 Millionen Jahren, die im Laufe der Erdgeschichte einen Umwandlungsprozess durchlaufen haben und schließlich die heutigen, sehr harten sog Vennwacke bilden. An die Oberfläche gelangten sie während den Eiszeiten.

Der Boden des Hohen Venns war zu dieser Zeit bis zu einer Tiefe von 10m dauerhaft gefroren und nur im Sommer taute der Boden an der Oberfläche auf. Sobald aber das Tauwasser in den oberen Lehmschichten einen gewissen Sättigungsgrad erreichte, entwickelten sich schon bei geringer Hangneigung Fließerden, die auch die abgesprengten Quarzitblöcke aus den anstehenden Felsformationen mit sich fortrissen. Durch die vielfach abwechselnden Frost- und Tauperioden sammelten sich immer mehr Vennwacken in den oberen Erdschichten und traten schließlich an die Erdoberfläche. Je nach Größe und Form wurden die Vennwacken von den Fließerden unterschiedlich weit getragen. Während geröllartige Ansammlungen kleinerer Vennwacken bis in die Tallagen gelangten, verblieben die großen auf den Höhenrücken des Hohen Venns.

Vom Rurbach wandern wir aufwärts. Der Weg ist im Zuge des Life-Projekts dammartig angelegt und sorgt für festen Boden unter den Füßen. Reste eines alten Holzsteges sind rechts am Rand noch zu sehen. Vorbei an dem „Lothringer Kreuz“ erreichen wir am Waldrand den nächsten Vennknick. (Links geht es über die Straße zum Naturparkcenter mit einer Cafeteria) Weiter geht es 1200m rechts (Mont Rigi 4km, Botrange 1km, Baraque Michel 5km), immer noch leicht ansteigend. Was rechts besonders auffällt und teilweise den weiten Blick unterbricht sind die vielen Ebereschen, die am Rande stehen. Die Beeren werden gerne von Vögeln gefressen und mit ihrem Kot werden die Samen dann verbreitet. 

 

Wallonisches Venn

 

Am Vennrand entlang gelangen wir zu einer Aussichtplattform. Die Schautafel erläutert die vor uns liegende Landschaft. Weit schweift der Blick über das fast baumlose Quellgebiet der Rur bis zu den bewaldeten Höhenrücken am Horizont. Links ragen die markanten toten Baumstümpfe des "Noir Flohai" in den Himmel. Hinter uns liegt „Botrange“ mit 694m der höchste Punkt Belgiens. Auch hier ist eine Einkehr möglich.

 

 

       

Signal de Botrange, höchster Punkt Belgiens

 

Beerensammler am Rande des Venns

 

weite Einsamkeit

 

Der Weiterweg führt zwischen Wald und Venn abwärts bis zu einer Wegbarriere, wo es 200m nach links und anschließend wieder am Waldrand entlang auf der „Maria-Theresia-Allee“ bis zu einem Grenzstein mit den Buchstaben „LUX“ auf der Vorderseite und „LIMB“ auf der Rückseite geht. Diese Steine wurden während der Regierungszeit der österreichischen Kaiserin gesetzt, denn seit 1749 gehörte Limburg zu Österreich.

Vor dem Grenzstein wenden wir uns dem hier links abbiegenden Weg zu, der weiter am Waldrand entlang dann schließlich auf unseren Hinweg stößt, von wo wir nach 700m noch vorbei an dem belgisch preußischen Grenzstein 155 wieder unseren Ausgangspunkt erreichen.

 

Zum Ausklang der Wanderung kann man in Baraque Michel einkehren und dabei noch einmal die Eindrücke dieser einzigartigen noch erhaltenen Urlandschaft auf sich einwirken lassen. Sicher war es keine wie eingangs schon erwähnt gewöhnliche Wanderung. Umrundete man doch eine Fläche, die ohne spektakuläre Höhepunkte war und der Blick immer wieder über eine weite, fast endlos wirkende Landschaft streifte. Aber ist es nicht diese Weite und Einsamkeit, die wir in unserem hektischen Umfeld vermissen und nach der wir uns hin und wieder sehnen. Da reicht es nicht, einmal am Parkplatz auszusteigen und mal ein Stück die Holzstege zu betreten, um einen Blick, wie auf ein Bild, in die Landschaft zu werfen. Die einprägenden Eindrücke werden nur bei einer Wanderung festgehalten.

 

 

Reste einer Urlandschaft

Information: Wanderkarte 1:25000 Hohes Venn/Hautes Fagnes. Es ist eine einsame Wanderung, die auf Wegen ohne besondere Markierung verläuft aber zur Orientierung führt der Weg im Uhrzeigersinn um das Wallonische Venn herum, das zur C-Zone gehört und nur in Begleitung ermächtigter Personen betreten werden darf. Bei Brandgefahr ist an den Zugängen zum Venn eine rote Fahne gehisst, die das Betreten nicht erlaubt. Das Mitführen von Hunden, auch an der Leine, ist nicht gestattet. Je nach Jahreszeit und Witterung können die Pfade sehr morastig sein und man kann durchaus an manchen Stellen einige Zentimeter einsinken. 

Informationen zu Grenzsteinen siehe auch Venn-Wanderung

 

Strecke: Rundwanderung 14,5 km, nur unbefestigte Wege und Pfade teils mit Holzstegen unterbrochen.

 

Schwierigkeit: leichte Wanderung, kaum merkbare Höhenunterschiede, Holzstege können bei Feuchtigkeit glatt und rutschig sein und nach Regentagen ist mit matschigen Pfaden zu rechnen. Auf- und Abstiege 200m,

 

Einkehrmöglichkeit: unterwegs keine, daher Rucksackverpflegung. Rastplätze oder Bänke sind nicht vorhanden, nur am Lothringer Kreuz bieten Steine eine eventuelle Sitzgelegenheit. Am Parkplatz  Restaurant "Baraque Michel"   www.baraquemichel.de/

 

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Rund um das Wallonische Venn auf einer größeren Karte anzeigen

 

 

 

 

Touren: Venn Wanderung l Eiszeitspuren l Wallonisches Venn l alpine Talwanderung l 3 Täler Wanderung l Wilde Bäche l zum Anfang

 

 

 

 

Urwald

 Wildes Hohe Venn

Die Landschaft des Hohen Venns begeistert immer wieder Besucher. Stellt es doch für sie ein letztes Stück „wilde Natur“ dar, in dem er noch frei atmen kann. Obwohl der Mensch die Landschaft seit dem 15. Jahrhundert enorm zugesetzt hat, finden wir noch wilde und urwüchsige Areale. So sind die Hochmoore noch echte, natürliche Landschaften, die sich in Jahrhunderten von selbst gebildet und die nur wenige oder keine menschliche Einflussnahme erfahren haben. 

Der Begriff „Venn“ geht auf das lateinische Wort „fania“ zurück, das sehr eng mit der Vorstellung mooriger oder sumpfiger Landschaft verbunden ist. Diesen Umstand können wir bei der heutigen Wanderung voll und ganz nachvollziehen, denn die teilweise vor Nässe triefenden Pfade fordern so manche Geschicklichkeit und wird dort oft zu einem Abenteuer.

Der „Mont Rigi“ an der Landstraße zwischen Eupen und Malmedy ist mit seinen 675m einer der höchsten Punkte Belgiens und liegt nur wenige hundert Meter entfernt vom 694m hohen „Signal de Botrange“, dem höchsten Punkt Belgiens. Der Name leitet sich vom bekannten schweizer Berg, dem Rigi am Vierwaldstätter See ab. Ausgedacht hat sich dies der damalige Bürgermeister von Waimes, der in seiner Gemeinde einige Orte nach solch illustren Namen benannte.

 

Nach Fertigstellung der Landstraße im Jahre 1856 wurde am Mont Rigi erstmals eine Herberge und Pension errichtet. Diese diente Menschen und Pferden als Rastmöglichkeit auf der beschwerlichen Reise durch das damals noch völlig unbewaldete Venn. Heute ist es ein touristischer Knotenpunkt und Ausgangspunkt für Wanderungen und auch für uns Startpunkt der heutigen Wanderung.

  

       

Wetterstation am Polleur-Venn

 

Polleur-Venn

 

ehemaliger Torfstich

 

Vom Parkplatz „Mont Rigi“ (675m) gehen wir am Restaurant vorbei und biegen links in den Weg ein, der uns an den Rand des Polleur-Venns führt. Der hier anlegte Rundweg erläutert auf 17 Stationen die wichtigsten Landschaftstypen des Hohen Venns. Der Lehrpfad ist zu jeder Zeit sehenswert und kann selbst dann begangen werden, wenn die Rote Fahne gehisst ist.

Wir wandern auf dem Holzsteg rechts weiter, wo nach wenigen Metern links eine Wetterstation mit zahlreichen Messgeräten zu sehen ist. Rechts das Gebäude gehört der naturwissenschaftlichen Forschungs- und Beobachtungsstation der Universität Lüttich. Der Weg geht auf einem Schotterweg entlang des Venns bis zu einer Informationstafel, hinter der es auf dem Holzsteg weitergeht. Der Steg führt dann nach einer Unterbrechung durch ein kleines Waldstück im weiteren Verlauf zu einem ehemaligen Torfabbaugelände.

Torf ist nichts anderes als der übrig gebliebene Rest aller abgestorbenen und unvollständig zersetzten, jemals hier angesiedelten Pflanzen. Das heißt: hier war einmal ein Hochmoor und die jungen Triebe wuchsen auf den alten Pflanzen in die Höhe. Als Faustregel rechnet man einen Millimeter Höhenwachstum im Jahr. Da wo der Mensch Torf gestochen hat, wurde das Hochmoor entwässert und ist abgestorben. So konnte Heidekraut sich auf den trockenen Rändern ansiedeln.

 

Der Torfabbau prägte lange Zeit das Gesicht der Landschaft und wurde bis in die 60ziger Jahre des 20. Jhs praktiziert. Die Familien der angrenzenden Orte hatten eine von der Gemeinde verbriefte Abbaustelle. Pro Familie wurden im Jahr 15.000 bis 20.000 Torfbriketts verheizt.

 

   

   

Torf

 

Eintritt in die Wildnis

 

schaumiger Polleurbach 

 

Vor einer weiteren Informationstafel biegt rechts ein Weg ins Polleurtal ab. Dieser ist aber zurzeit (September 2013) gesperrt. So gehen wir 30m weiter und nehmen den hier rechts abzweigenden Steg über den Bach (2,0km, 640m). Gluckernde und plätschernde Geräusche sind rundum zu hören. Das auf der Hochebene sich sammelnde Wasser fließt in Rinnsalen und sich verbreiternde Bächen dem Vennrand zu. Das Wasser ist vom Torf braun gefärbt und mineralarm. Nur wenige Lebewesen können den niedrigen pH-Wert ertragen. Fische kommen in diesen Gewässern deshalb auch nicht vor.

Weißliche Schaumkronen entdecken wir auf dem Wasser. Sie deuten nicht etwa auf Wasserverschmutzung hin, sondern sind ein Zeichen dafür, dass sich im Wasser Stoffe aus lehmigem Untergrund und torfigem Boden miteinander vermischen. In den Strudeln schäumt das Wasser zu einem weißlichen Schaum auf, der sich fettig anfühlt.

Der Pfad wechselt sich immer wieder mit teils wackligen Holzstegen ab und steigt über viele Wurzeln entlang an der steilen Hangkante des Polleurbaches bergan. Unter uns rauscht in einem grünen Dickicht der Bach. Darüber hinaus geht der Blick zur anderen Talseite, die nur sanft ansteigt. Wir haben es hier mit einem asymmetrischen Tal zu tun. Der rechtsseitige Hang des Polleurbaches hat eine sanfte Neigung, während der linksseitige sehr steil ist. Diese Asymmetrie, die sich auch noch weiterentwickelt, ist wahrscheinlich während der letzten Eiszeit entstanden (70000 bis etwa 8000 v.Chr.). Während dieser Periode glitten Gesteins- und Schlammassen langsam, nur wenige cm pro Jahr, den rechtsseitigen Hang hinab. Dieses als „Solifluction“ bezeichnete Phänomen hat dazu geführt, dass das den rechtsseitigen Hang hinabgleitende Material den Bach gegen den linksseitigen Hang gedrückt hat, wodurch dieser seine starke Neigung erhielt.

 

An kritischen Stellen ist der Pfad mit einem Geländer abgegrenzt. Märchenhaft wirkt der Wald, wenn die Sonnenstrahlen durch das grüne Dickicht ihren Weg suchen und Spinngewebe das Heidekraut gespenstig einhüllt. 

 

   

   

abenteuerlicher Pfad

 

Märchenwald

 

verwunschenes Heidekraut

 

Nach 1 km nehmen wir den rechts hinunterführenden Pfad und stoßen auf eine asphaltierte Forststraße (3,1km, 620m) auf der wir links weitergehen und nun immer dem Wegzeichen grünes Rechteck   letztendlich wieder bis zu dieser Forststraße folgen. 50m rechts die Straße hinunter liegt die Schutzhütte „Longloup“. Die Forststraße führt in einem Halbkreis bergan. Es ist die einzige nennenswerte Steigung heute. Am Ende der Kurve biegen wir auf der Höhe rechts in den zunächst noch 100m asphaltierten Weg ein, den wir am Ende des Waldes links verlassen. Es ist ein nasser und matschiger Graspfad dem wir mit dem    folgen. Am Ende muss noch ein kleiner Bach auf Baumstämmen balancierend überquert werden, bevor wir dann rechts auf einer Vennschneise bequem 1,4km am Setai-Venn entlang wandern. Auch hier deutet eine Abbruchkante im Gelände auf einen ehemaligen Torfabbau hin. Heute prägt eine ausgedehnte Pfeifengras-Steppe die Landschaft, die mit den Jahreszeiten auch ihre Farbe wechselt. Das Pfeifengras ist das Ergebnis von Entwässerung und Übernutzung.

 

       

"anspruchsvolle" Bachquerung

 

Setai-Venn

 

Heidekraut

 

Am Ende der Schneise lädt eine Bank (5,3km, 625m), eine Rarität im Hohen Venn, mit einem weiten Blick über das Venn zu einer beschaulichen Rast ein. Weiter führt uns das Wegzeichen rechts in den Fichtenwald bis zu einer Geländekuppe mit einer Wegekreuzung. Hier kann die Wanderung geradeaus um 2km abgekürzt werden. Wir gehen aber links weiter mit  ▄  und wandern hier auf einem alten Verbindungsweg, der „alten Vequée, der von Hockai nach Longfaye führte. An einer Kreuzung passieren wir rechts einen an einen Menhir erinnernden aufgerichteten Vennwack. Dieser kambrische Quarzitblock ist einer von vielen, die man in der Vennlandschaft überall verstreut findet. Sie gehören zu den ältesten Gesteinen, die einst aus dem Gebirgssockel des Vennmassivs herausbrachen. 

 

       

eine der sechs Buchen

 

wilder Waldpfad

 

Farbtupfer in der günen Wildnis

 

Nach 300m wandern wir rechts eine Waldschneise hinunter und gelangen zu einem für das Venn untypischen Platz (6,7km, 615m). Denn umgeben von lauter Fichten stehen hier im Rund sechs 250 Jahre alte Buchen (Les Six Hêstres). Einen mystischen, verwunschenen Eindruck macht dieser Platz mit den knochigen, bemoosten Bäumen.  Es waren Hirten, die hier früher mit ihren Herden ihre Mittagsrast machten, denn die Fichten ringsum gab es noch nicht. Zwei Sitzbänke laden auch heute noch ein, aber an denen hat der Zahn der Zeit ebenso genagt wie an den von Wind und Wetter gezeichneten Baumruinen. 

Leicht bergab führt der weitere Pfad bis das Wegzeichen   uns rechts weiter leitet. Mountainbiker haben hier in dem weichen Boden ihre Spuren interlassen und den vor Nässe aufgeweichten Erdboden noch mehr geschädigt. Besonders nasse Partien versuchen wir dadurch auszuweichen, dass man am inneren Waldrand entlanggeht, wo der Boden etwas mehr Halt bietet. Nach der Überquerung eines kleinen Bächleins wenden wir uns rechts dem Pfad mit dem weiß-roten Zeichen zu, dem einzigen hier erkennbaren Wegzeichen. Kurz darauf stoßen wir auf einen Waldweg, wo auf der gegenüberliegenden Seite das grüne Rechteck  uns wieder weiterführt. Über Wurzeln und einzelne Stege geht es durch einen lichten Fichtenwald ebenso wildromantisch weiter. Ein rechts vom Setai-Venn herunter führender Waldweg, der als Abkürzung gedient hätte, wandern wir links auf einer 50m breiten Schneise leicht bergab weiter, wobei der Blick sich immer mehr öffnet. Am Ende dieser langen Gerade erreichen wir einen quer verlaufenden Weg (8,4km, 575m) und folgen geradeaus dem Pfad in den Wald. 

 

       

Polleurbach

 

Bachlandschaft

 

Polleurbach mit Steg

 

Ein kleines Bächlein begleitet uns rechts, das dann überquert werden muss. Hinter dem Holzsteg nehmen wir hier ohne irgendeine Wegmarkierung den Pfad geradeaus. Abenteuerlich geht es jetzt immer in Bachnähe weiter, es ist zunächst die Hoëgne, die nach Zusammenfluss ihrer beiden Quellbäche, Polleur- und  Baraquebach nun zur Weser fließt. Dann geht es auf einem engen verschlungenen Pfad entlang des Polleurbaches. Nass und feucht ist es ringsum. Wasser ist jetzt das alles bestimmende Element. Das Abenteuer Dschungel endet dann zunächst, als wir auf einen Forstweg (9,1km, 575m) stoßen. Hier geht es mit dem bekannten Wegzeichen entspannt links ca. 400m weiter. Dann macht der Weg einen Rechtsbogen und wir folgen über einen kleinen Steg dem   wieder in die Wildnis des Polleurbaches. Stege helfen an besonders matschigen Stellen. Der Bach wird ein letztes Mal überquert und mit leichtem Schritt ist der weitere Pfad jetzt bequem zu gehen. Bevor wir dann wieder auf den anfangs erwähnten asphaltierten Forstweg stoßen (10,4km, 610m), steht links am Wegrand das Briamont Kreuz, das zum Gedächtnis an Albert Briamont, einem Lütticher Vennwanderer, errichtet wurde. Er erlitt dort am 5. Mai 1971 im Alter von 69 Jahren einen Herzschlag, während er einen Brand bekämpfte, den ein zurückgelassenes Militärgerät ausgelöst hatte. 

 

       

sanfte  und  wilde 

 

Wanderlandschaft

 

Polleur-Venn

 

 Die vorgesehene Wanderroute geht nun eigentlich auf dem Forstweg rechts weiter bis zum Weg mit der weiß-roten Markierung, die links entlang des Polleurbaches hinauf zum Polleur-Venn und auf dem Rundweg rechts wieder zum Ausgangspunkt führt. Da wir aber schon beim Hinweg feststellten, dass dieser Weg zurzeit gesperrt ist, wählen wir einen anderen Rückweg. Auf dem asphaltierten Weg wandern wir links auch noch mit dem grünen Rechteck markiert weiter Richtung Baraque Michel und biegen nach 300m rechts in eine lange Schneise ein, die wir bis zum Ende vorbei an einem Hochstand gehen. Vor uns breitet sich wieder das Polleur-Venn mit seiner rostbraunen Farbe aus. Wir halten uns jetzt links und gelangen über einen nassen Trampelpfad auf eine weitere Schneise, auf der wir nun links am Ende auf unseren Hinweg stoßen und so zu unserem Ausgangspunkt gelangen.

Es war eine abwechslungsreiche mitunter abenteuerliche Wanderung, bei der wir die unterschiedlichsten Facetten dieser Landschaft erlebten. 

Polleurbach

 

Information: Die gesamte Wanderung verläuft durch ein Gebiet des Hohen Venns, das keinen besonderen Beschränkungen unterliegt, außer wenn ein Betreten maroder Holzstege zu gefährlich erscheint und deshalb gesperrt werden muss. So ist zurzeit September 2013 der Naturlehrpfad des Polleur-Venns für Rollstuhlfahrer gesperrt. Auch der Weg im Poleurtal  zur Schutzhütte „Longloup“ ist für Wanderer nicht zugänglich.

Strecke: Rundwanderung 13,5 km, fast nur unbefestigte Wege, Pfade und Trampelpfade teils mit Holzstegen unterbrochen. Markierung: Nach Verlassen des Polleur-Venns   ▄  grünes Rechteck folgen.

Schwierigkeit: Es ist eine leichte Wanderung ohne große Höhenunterschiede. Trampelpfade erfordern Aufmerksamkeit und Geschick. Allerdings sollte man festes Schuhwerk anziehen, denn nach Regenfällen ist der Boden an vielen Stellen besonders nass. Am besten die Schuhe vorher noch einmal imprägnieren.

Einkehrmöglichkeit: Restaurant „Mont Rigi“, unterwegs keine, daher Rucksackverpflegung. Rastplätze Schutzhütte „Longloup“, Bank am Setai-Venn, Sitzgelegenheit an den „6 Buchen“

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Wildes Hohe Venn auf einer größeren Karte

 

 

 

 

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Alpine Talwanderung

 Entlang von Getz und Hill

 

 

wildromantische Hill

 

Das Hohe Venn präsentiert sich dem Betrachter als eine regelmäßige weitläufige Landschaft, die sich letztendlich beim Durchqueren reliefartig darstellt. Die heutige Landschaft entstand während einer eiszeitlichen Periode (vor ca. 2,5 Mio. bis vor 10000 Jahren). In dieser Zeitspanne wurde sie von vier Eiszeiten heimgesucht, jeweils abwechselnd mit dazwischenliegenden Wärmeperioden. Bei Tauwetter schliff das Schmelzwasser, das nicht in den noch teilweise gefrorenen Boden ablaufen konnte, sich einen Weg durch die bestehende Bodenoberfläche. Durch den Einfluss der starken erosiven Wirkung des Schmelzwassers entstanden schließlich die Täler und schnitten sich immer weiter durch rückschreitende Erosion als Kerbtäler ein.

 

 Zwei dieser Täler werden wir bei der heutigen Tour erleben. Unser Ausgangspunkt das „Naturzentrum Ternell“ liegt ca. 5 Kilometer hinter dem ehemaligen Zollamt an der deutsch-belgischen Grenze zwischen Mützenich und Eupen.

 


1773 errichtete der Monschauer Tuchfabrikant Wilhelm Scheibler hier auf der 505 Meter hohen Kuppe ein Jagdhaus. Später wohnten die Förster der Umgebung auf „Ternell“. Der Name des Hauses geht auf die Lage zurück. In der Flurnamenforschung bedeutet „Nell“ soviel wie Hügel oder Erhebung und „ter“ ist ein Geschlechtswort aus dem neunten Jahrhundert und kann mit „der, die, das“ übersetzt werden. „Ternell“ steht also für „der Hügel“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude vorübergehend als Zollstation genutzt. Heute ist es eine Touristische Begegnungs- und Bildungsstätte mit einem neu errichteten Museum, von wo aus naturkundliche Führungen und Wanderungen angeboten und unternommen werden können.

Gegenüber von Ternell wandern wir auf dem geteerten Forstweg (510m) mit einem grünen Kreuz (+) ca. 500m geradeaus, bis dieser einen Rechtsbogen macht. Hier biegen wir in den geradeaus führenden Pfad ein Er lotst uns in Zickzackkurven über Steine, Wurzeln und Matschpassagen steil hinunter ins Getzbachtal. 

 

       

Brücke über den Getzbach

 

Schaumkronen

 

Getzbach

 Nach Querung eines Teerweges geht es weiter. Vorsichtig wird jeder Tritt überlegt gesetzt, um nicht zu stolpern oder auszurutschen. Trotzdem bleibt unterwegs Zeit, einmal anzuhalten und in das herrliche Tal hineinzuschauen. Unten überqueren wir das Gewässer auf einer hölzernen Bachbrücke (1,1km, 440m) und wandern auf dem breiten Forstweg bachabwärts. Wir bleiben auch nach 600m auf dieser Bachseite und folgen hier dem Pfad (+) neben dem rauschenden Bach. Im Gegensatz zu einem Gebirgsbach, wo klares Wasser über Steine und zwischen Felsen fließt, fällt hier dunkles, braunes Wasser auf und es türmen sich zusätzlich hier und da Schaumkronen auf. Wer nun hier eine Verschmutzung vermutet, irrt. Die dunkle, braune Farbe rührt vom Gehalt an gelöstem Eisen und Mangan und organischen Stoffen des Hochmoores her. Die bei der Zersetzung der Moorvegetation entstehenden Säuren lösen aus dem Gesteinsuntergrund Eisen und Mangan. Das Wasser ist immer extrem sauer und ungenießbar. Darin können gerade mal Wasserläufer, Wasserkäfer und andere Insekten leben. Hinzu kommt, dass im Bereich der Vennlandschaft kalkige Gesteine im Untergrund fehlen, so dass auch kein Carbonat im Grundwasser gelöst werden kann und somit das Wasser sehr weich ist. Bei weichem Wasser braucht man, um Schaum zu bilden, weniger Seife als bei hartem Wasser. Für Industrie und Haushalte ist das zwar vorteilhaft, wenn sich kein Kalk absetzen kann, aber weiches Wasser greift Wasserleitungen aus Kupfer, Blei und Eisen an. 

An wirbelnden Stellen bilden sich dann im Wasser unansehnliche Schaumkronen.  Der Getzbach ist einer der wichtigsten Vennbäche. Er entwässert einen Teil des Steinley-Venns und das Brackvenn und hat dabei ein wunderschönes Tal geschaffen. Dieses wird nun immer enger. Abschüssige und steil aufsteigende Hänge rechts und links begleiten uns mit einem immer alpiner werdenden Pfad, was schließlich auch ein Warnschild deutlich macht. „Schwieriger Wanderpfad“ steht darauf und fordert zur Vorsicht. Der teilweise schmale und steinige im steilen Talhang verlaufende alpine Pfad ist aber an engen problematischen Stellen mit einem Geländer abgesichert. 

 

       

alpiner Pfad

 

hoch geschobene Felsen

 

Wesertalsperre

 

 Unbeschadet erreichen wir die Vorsperre des Getzbaches, bevor er in die Wesertalsperre einmündet. Über einen Eisensteg überqueren wir die Sperre und gelangen an einen asphaltierten Wegestern, wo wir auf dem oberen (+) rechts weiter wandern. Da, wo diese Wegemarkierung nach links weist, gehen wir geradeaus. Schon bald erscheint rechts die große Wasserfläche der Talsperre mit der Staumauer. Sie ist Belgiens größte Talsperre. Das Einzugsgebiet wird durch Weser, Getz-, Stein-, und Eschbach oberirdisch entwässert. Dazu kommen noch 36,8qkm aus dem Einzugsgebiet der Hill. Seit dem 17. Jahrhundert war die Versorgung des Eupener Raums mit Trinkwasser ein Problem. Da der Großteil der Flüsse um Eupen für die Tuchherstellung genutzt wurde, waren die Wasserläufe verschmutzt und man konnte kein Trinkwasser entnehmen. Um die Not zu lindern, baute man im 18. und 19. Jh. hundert öffentliche Laufbrunnen und Pumpen und schließlich 1884 sogar eine Wasserleitung. Da diese sich aber als Lösungen unzureichend erwiesen, entstanden 1901 die ersten Planungen für eine Wesertalsperre. Sie ist in den Jahren 1936-1942 und 1946-1950 etwa 4 Kilometer flussaufwärts von Eupen unterhalb des damaligen Zusammenflusses von Weser und Getzbach erbaut worden.

Bevor wir die 57m hohe Staumauer erreichen, geht links die Straße „Langesthal“ ab (6,1 bzw. 7,8km, 365m), hier müssen wir nach Besichtigung der Talsperrenanlagen weiter wandern oder die Wanderung abkürzen. 

Die Talsperre fasst über 25 Millionen Kubikmeter Wasser mit einer Oberfläche von 126 ha. Sie dient zur Hauptsache dem Industriebedarf und der Trinkwasserversorgung, nebenbei fällt Elektrizität ab. Das Rohwasser, wie es in der Wesertalsperre gespeichert wird, kann in seiner ursprünglichen Zusammensetzung nicht als Trink- und Brauchwasser genutzt werden, da es einen zu hohen Eisen- und Mangangehalt aufweist, zuviel Schwebstoffe enthält und durch einen hohen Säureanteil und fehlenden Kalkgehalt zu sauer und zu weich ist. Um das Wasser zu säubern und keimfreies Trinkwasser zu machen, wurde unterhalb der Mauer die Aufbereitungsanlage gebaut. Durch Zusatz von Chemikalien wie Aluminiumsulfat, Kaliumpermanganat und aktivierter Kieselsäure, die sich mit den Verunreinigungen verbinden, werden Eisen, Mangan, Humusstoffe, Tonpartikel und sonstige Schwebstoffe aufgeflockt. Die gebildeten Flocken setzen sich zum Teil im Absetzbecken ab. Die restlichen Verunreinigungen werden dem Wasser im Filterraum durch Filterungen entzogen. Durch Zugabe von Kalk und Kohlensäure wird der Ph-Wert und die Härte des Wassers erhöht. Damit wird die angreifende Wirkung des Wassers auf die Rohre herabgesetzt. Schließlich wird das Wasser noch durch Zugabe von Chlorwasser entkeimt. Am Ende der Aufbereitung ist das Wasser kristallklar und soweit aufgehärtet, dass es fähig ist eine Karbonatschicht in den Wasserrohren abzusetzen.

 

       

Staumauer

 

Wasseraufbereitungsanlage

 

Staumauer unten u. Auslauf

 Wer nun die Anlagen näher kennen lernen oder in der Gaststätte einkehren möchte geht über die 410m lange Mauerkrone zur andern Seite, dabei gehen die Blicke links hinunter an den Fuß der schwergewichtigen Staumauer und auf den umfassenden Komplex der Aufbereitungsanlage. Einen wirklichen Eindruck von der Mächtigkeit der Mauer erlebt derjenige, der von der anderen Seite zurück den Umweg und die Anstrengung durch das Tal auf sich nimmt. Dazu steigt man am Zebrastreifen den Pfad hinter der Leitplanke über zahlreiche Treppenstufen hinunter, umrundet das Gebäude und steht dann vor der hoch aufragenden Betonwand. Der Aufstieg erfolgt mit dem Pfad links hinter dem Ablauf und im Schatten der Mauer rechts im Zickzack wieder nach oben.

Weiter geht es ein Stück auf dem Hinweg bis zur „Langesthal“ Straße (7,8km, 365m), wo wir rechts leicht ansteigend nun mit einem „blauen Kreuz“ (+) als Wegweiser weiter wandern. Hinter den letzten Häusern endet der Asphalt und ein Schotterweg führt in den Wald. Hinter einem Rechtsbogen dürfen wir nicht den links abzweigenden Pfad verpassen, der hinter einem kleinen Steg auf die andere Grabenseite beginnt und auch mit dem (+) gekennzeichnet ist. Auf dem naturbelassenen Waldpfad gelangen wir zu einem idyllisch gelegenen Weiher (9,5km, 365m).

 

Kluse-Teich

 

 Vor dem Bau der Wesertalsperre wurde von hier über eine 8km lange Ton-Rohrleitung Eupen mit Wasser versorgt. Das Weserwasser wurde von Roetgen bis hierhin zu den Kluse-Teichen geführt (maximales Fassungsvermögen ca. 110 000 cbm). Inzwischen hat die Natur die Anlage in ihrem Sinne zu einem Biotop umgestaltet. Auf dem breiten Forstweg erreichen wir die Straße Mützenich – Eupen, an der sich rechts und links Parkplätze befinden, wo die Wanderung auch begonnen werden kann.

Weiter geht es nun entlang des Hertogenwaldes. Auf der rechten Seite schauen wir über Wiesen zu dem im Tal liegen Städtchen Eupen. Diese wellige Wiesenlandschaft ringsum nannte man vor dem Krieg „Eupener Butterländchen“, denn bis zum Ende des Ersten Weltkrieges versorgte das Eupener Land den Aachener Raum mit Milch und Molkereiprodukten. Danach übernahm es die Rolle des Milchlieferanten für Belgien.

Nach 500m macht der Weg einen Rechtsbogen, hinter dem wir nach weiteren 100m links zunächst ohne (+) in den Wald abbiegen (10,4km, 385m). Beim nächsten quer verlaufenden Forstweg wandern wir hinter dem Hochstand links weiter und kommen zu einer kleinen Schutzhütte, die auf einem Felsen über dem Hilltal errichtet ist und den Namen „Binsterkanzel“ trägt. Von der Hütte führt ein weiterer Pfad wieder zum Forstweg (+) auf dem wir nach 100m rechts steil hinunter wieder mit dem Hinweis „gefährlicher Fußweg“ und dem (+) ins Hilltall absteigen. Unten orientieren wir uns nach links, wo der Verlauf des naturbelassenen Pfades im herbstlichen Wald meist nur schwer zu erkennen ist. Es ist einfach pure, wilde Natur. Fährtenlesen ist gefragt, um vielleicht an Trittspuren anderer Wanderern den Weg zu finden. Aber keine Angst Verlaufen ist kaum möglich, wenn man immer in Bachnähe sich flussaufwärts hält, auch wenn hier und da umgestürzte Baumstämme den Weg zu versperren versuchen. So hat man doch in den dickeren Baumstämmen einen Durchlass hinein gesägt, der dann auf den richtigen Weg deutet. Hier und da findet man auch ein weiß-rotes Wegezeichen. Es ist eine abenteuerliche Strecke entlang eines gebirgsähnlich dahin fließender Bachs. 

 

   

   

Eupen

 

Gebirgsbach Hill

 

Hillsperre

Die Hill ist der längste Wasserlauf im Hohen Venn. Sie entspringt nahe Baraque Michel aus zwei Quellen und fließt nach 20km in Eupen in die Weser. Sie durchfließt ein außerordentlich schönes, naturbelassenes und abwechslungsreiches Tal und ist seit altersher bis auf den heutigen Tag Grenzfluss. Zur Römerzeit bildete die Hill die Grenze zwischen den "Civitates", den Städten Köln und Tongeren. Später war sie Grenze zwischen den Kirchenprovinzen Köln und Tongeren, an dessen Stelle dann später Lüttich trat. Von der Quelle bis zur Mündung des Miesbaches bildete sie früher die Grenze zwischen Luxemburg und Limburg, von der Mündung des Miesbaches bis zu der des Spohrbaches verlief die Grenze zwischen Limburg und Jülich. Von 1815 bis 1919 war sie Staatsgrenze zwischen zunächst Preußen, dann Deutschland einerseits, sowie den Niederlanden, dann Belgien andererseits. Heute noch bildet die Hill die Grenze zwischen den belgischen Kantonen Eupen und Malmedy und damit zwischen dem deutschen Sprachgebiet von Eupen und dem französisch-wallonischen von Sourbrodt-Robertville. Trotz der vielen ehemaligen Grenzen finden wir keine Grenzmarkierungen wie auf der Hochfläche, da die Hill hier einen natürlichen Grenzverlauf markiert. Dann „endlich“ wird der Uferstreifen schmaler und wir klettern hinauf zu dem Forstweg, wo wir jetzt problemlos weiterwandern (+).

Wir bleiben im Tal, das sich nun öffnet und den Blick rechts zur Hillsperre schweifen lässt, die wir dann erreichen. Es handelt sich um eine Stauung des Hillbaches, von wo das Wasser teilweise abgezweigt und durch einen 2.30m und 1200m langen Stollen zur Wesertalsperre übergeleitet wird.

Die Hillsperre im Rücken wandern mit dem (+) weiter im Hilltal, dass enger geworden ist. Der schmale Pfad führt durch den steilen Talhang oberhalb des Baches und auch hier mahnt das Schild „Schwieriger Wanderpfad“ zur Vorsicht. 

 

       

wildromantische Hill

 

Durchgang Wanderpfad

 

Gebirgspfad

Mächtige Felspartien gewähren einen Einblick in die Erdgeschichte. Sie entstanden zur Kambriumzeit vor ca. 590 - 500 Mio. Jahren. Damals sah die Verteilung der Kontinente auf der Erde völlig anders als heute aus. Die Lage Europas, von dem große Teile ja noch gar nicht existierten, lässt sich auf einer Karte der damaligen Zeit kaum nachvollziehen. Afrika hingegen war großenteils schon vorhanden und bildete zusammen mit den anderen heutigen Südkontinenten wie Südamerika und Australien den Erdteil Gondwana. Zu dieser Zeit breitete sich im Bereich der Ardennen ein flaches Meer aus. Es nahm von angrenzenden Festlandbereichen große Sedimentmengen auf, die durch Flüsse hineingeschwemmt wurden, dabei versandete das Meeresbecken jedoch nicht, sondern sank durch das Gewicht der sandigen und tonigen Ablagerungen immer weiter ab. So konnten ständig neue Ablagerungen hinzukommen bis schließlich die Sedimentschichten mehrere tausend Meter Mächtigkeit erreicht hatten. Sie wurden im Laufe der Jahrmillionen zu Quarziten und Tonschiefern verfestigt bzw. umgewandelt und zeigen sich heute als gefaltete Gesteinsschichtenfolgen.

Die Verformung der kambrischen Gesteinsschichten geht auf gebirgsbildende Prozesse zurück, Verursacht durch Einengungsvorgänge in der Erdkruste während der Siluriumzeit und ein zweites Mal während der Karbonzeit. Wie in einem riesigen Schraubstock werden dabei Sedimentgesteine zwischen starren Erdkrustenschollen zusammengepresst und in Falten gelegt.

 

Seit vielen Millionen Jahren nagt die Verwitterung ständig an den Gesteinen der obersten Erdkruste. So haben sich auch die Bäche in den Gebirgsrumpf eingegraben. Sie haben sich von geologischen Strukturen, wie Risse und Versetzungen im Gesteinsverband, leiten lassen. Das zu Tal fließende Wasser hat dann an den Talhängen der Hill und unseres Wanderweges die kambrischen und devonischen Gesteinsschichten freigelegt.

 

       

Faltenstruktur

 

Architekt-Natur

 

entlang des Ternellbaches

Auch hier müssen wir im weiteren Verlauf Indianer spielen, um den Weg nicht zu verlieren. Merkwürdige Wucherungen entdecken wir an abgestorbenen Bäumen und totem Holz, die wie kleine Hauben und Dächer aussehen. Es sind Pilze, Baumschwämme oder auch wegen der früheren Verwendung Zunderschwamm genannt. Man sieht sie mittlerweile immer seltener. Durch die Verjüngung und das systematische Entfernen alter und knochiger Laubbäume werden diesen einst weit verbreiteten Pilzen sehr viel Lebensraum genommen. Hier unten im Hilltal, wo der Mensch die Natur sich noch selbst überlässt, können sie aber weiter existieren.

Wir erreichen eine Furt, die den Ternellbach quert. Hier verlassen wir jetzt das Hilltal und folgen dem begleitenden abenteuerlichen Pfad (+) am Ternellbach bergauf. Steil führt der kaum erkennbare Pfad aufwärts, mal auf der rechten, mal auf der linken Seite des Baches, denn immer wieder kreuzen wir ihn über kleine Holzstege. An einer Blockhütte endet dieses Abenteuer. Auf dem Forstweg ist dann links nach 300m das Naturzentrum Ternell erreicht und eine erlebnisreiche Wanderung zu Ende.

 

Information: Belgische Wanderkarte „Hohes Venn“, Wegmarkierung überwiegend grünes und blaues Kreuz (+,+)

 

Streckenlänge: 17,5km Rundwanderung, Abkürzung möglich, wenn die Schleife an der Wesertalsperre ausgelassen wird.

 

Schwierigkeit: keine; Warnschilder deuten auf schmale Pfade im Talhang hin. Meist unbefestigte Wege und Pfade, die zwar oft kaum zu erkennen sind, aber immer in Bachnähe verlaufen. Auf- und Abstiege 385m

 

 

Einkehrmöglichkeit:  in Ternell und an der Wesertalsperre

              

GPX - Track:  Alpin Tour Ternell.gpx (Link speichern unter)

 

 

 

 

 

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Drei-Täler-Tour

 

Wildromantische Talschluchten mit Wasserfällen und einer Burg

 

Mit dem Namen „Hohes Venn“ ist für die meisten eine Sumpf und Moorlandschaft verbunden, wo das Auge weit und breit nichts als Heide und Moor sieht, wo trübe Nebel meist das Land bedecken, kalt und feucht seine Höhen überziehen. 

Rein geologisch ist das Hohe Venn weder ein Teil der Nordeifel noch der Ardennen, auch wenn beides immer wieder gesagt wird. Es bildet den Kern einer großen, gewölbeartigen Aufbiegung mit den ältesten Schichten. Die Geologen haben für das Gebiet den Begriff "Massiv von Stavelot" geprägt und betrachten dieses Massiv von seiner geologischen Entstehung her als etwas durchaus Eigenständiges. Es handelt sich um einen sehr alten Gebirgsstock, der der sog. Kambriumzeit (vor 570 – 500 Mio. Jahren) angehört.

 

Dieses wasserreiche Vennmassiv ist Geburtsstätte von vielen Bächen und Flüssen. Sie haben oft schon mit einer unglaublichen Erosionskraft auf kürzester Strecke tiefe, schluchtartige Zerklüftungen in die Felsen geschnitten und tiefe Täler geformt, die zum landschaftlich Schönsten gehören, was die Region zu bieten hat. 

 

       

Staumauer

 

Burg Reinhardstein

 

Warchesteg

 

Drei dieser schluchtartigen Täler werden wir bei dieser Wanderung durchstreifen. Dazu wird der Parkplatz an der Staumauer der Talsperre von Robertville unser Startpunkt sein. Hinter dem „Chalet du Barrage“ beginnt unser Wanderweg, der zunächst mit einem grünen Rechteck und dem Hinweis „Vallée du la Warche“ markiert ist. Etwas irritierend sind die in französischer Sprache geschriebenen Wegweiser, die uns auch weiterhin begleiten werden. So werden wir auch bei Begegnungen immer wieder ein freundliches „Bon jour“ hören. Grund dafür ist, dass es in Belgien drei Amtssprachen gibt: Französisch, Flämisch und Deutsch. Deutsch wird in neun Gemeinden in Ostbelgien gesprochen. Die Orte Malmedy und Weismes, wo wir uns derzeit befinden, gehören nicht dazu. Hier ist Französisch Amtsprache und daher auch diese Beschriftung. 

 

Burg Rienhardstein

BurgwasserfallSchon nach wenigen Metern können wir sehen, wie tief sich das Wasser, hier ist es die Warche, in das Gebirge eingegraben hat. Steil fällt der rechte Talhang hinunter. Auf der anderen Seite liegen dann hoch auf einem vorspringenden Felsen die Mauern einer Burg. Es ist Burg Reinhardstein, sie ließ Reinhard von Weismes 1354 erbauen. Aber auch schon Kelten und Römer haben hier Spuren hinterlassen. 

Der angenehme Waldpfad führt zunächst 600m noch im oberen Hangbereich, bevor das Wegzeichen (grünes Rechteck) uns rechts über Wurzeln in einem alpinen Gelände steil hinunter ins Tal leitet. Am nächsten Wegweiser folgen wir der gelben Raute weiter bergab (Reinhardstein, Ovifat). Unten stoßen wir auf einen Fußweg und folgen hier links dem Schild „Cascade“. Jetzt thront die Burg Reinhardsstein fast senkrecht über dem Warchetal. Nach Querung zwei kleiner Nebenbäche und der grünen Raute folgend, stürzt rechts ein kleiner Bach von dem Burggelände 40m tief ins Tal und schafft somit den höchsten Wasserfall Belgiens. Leider ist er im Sommer durch Blätter fast verdeckt. Wir erreichen die Warche und queren sie mit einem Holzsteg und folgen dem Bach talwärts. Unterwegs stößt noch von rechts kommend der Weg von Burg Reinhardstein hinzu, diesen werden wir beim Rückweg hochsteigen. Die Hänge rechts und links sind teilweise mit lockeren Felsblöcken übersät, die einmal vor langer Zeit sich aus den Felsformationen in den steilen Hanglagen lösten und talwärts rollten. Wir folgen der Warcheschlucht auf einem wildromantischen Fußpfad bis zur Mündung des Bayehonbaches, wo wir diesen überqueren und ihm rechts talaufwärts folgen. Rauschend und schäumend zwängt sich der Bach oft zwischen großen Felsen hindurch. Es ist neben Vogelgezwitscher das einzige Geräusch das die Stille unterbricht. Nach ½ km erreichen wir die Mündung des Puhonbaches und wandern auf dem linken Weg bachaufwärts.

 

       

Warche

 

Idyllischer Rastpltz an der Warche

 

Mündung Puhon- in Bayehonbach

 

 Ab hier folgen wir nun dem grünen senkrechten Rechteck (Wanderweg „Les deux Vallées“), das uns am Ende mit dem Bayehonbach wieder hierhin bringt. Der Weg führt uns immer weiter, und da wir schon vormittags unterwegs sind, in einem sonnendurchfluteten Tal bergauf. Felsaufschlüsse lassen interessante Einblicke in die Erdgeschichte zu. Immer mehr gewinnen wir an Höhe und die Taloberkanten rücken näher. Das Tal weitet sich und Wiesen zeigen sich linkerhand. Der Talweg endet an der Gemeindeverbindungsstraße Xhoiffraix – Longfaye. Gegenüber hat sich der Bach tief in den Fels eingefräst und rechts und links Felsformationen stehengelassen. Wir folgen der Straße rechts 50m und biegen dort links in einen Waldweg ein, der uns in einigen Kehren weiterhin bergan führt. 

 

       

Longfaye-Venn

 

ein weiter Blick nach Ovifat

 

oberes Bayehontal

 

Der Wegweiser „Vieux chêne“ zeigt unser nächstes Ziel an. Nach 200m macht der Weg einen Rechtsbogen und wird hier auf der Höhe immer matschiger, sodass wir etwas abseits im Wald einen trockeneren Pfad finden. 

 

Venneiche, Vieux chêne

Wir queren nun den Höhenrücken zwischen den Tälern Puhon- und Bayehonbach und wandern am Rande des Longfaye-Venns entlang. Mit 600m Meereshöhe haben wir den höchsten Punkt der Wanderung erreicht und bietet eine erste Aussicht hinüber zum Wintersportort Ovifat.

 

Der Weg endet schließlich in der noch muldenförmigen Talsenke des oberen Bayehonbaches. Zahlreiche Felsbrocken liegen verstreut an den Hängen. Sie gelangten einst durch die starke Frostverwitterung an die Oberfläche.

 

Wir folgen dem Bach auf einem schmalen Pfad talwärts und erreichen nach ca. 100m die berühmte Venneiche. Sie ist vielleicht der markanteste Baum im Hohen Venn. Keiner weiß so recht wie alt sie ist und feststellen lässt es sich auch nicht mehr, teils schon abgestorben und mit zahlreichen Vogelnistplätzen in den Astlöchern wird sie auf über 500 Jahre geschätzt. Aber immer noch reckt sie ihre teils schon verwitterten und mit Moos bewachsenen Äste bizarr in den Himmel.

 Der auf alten Bildern noch allein einsam stehende Baum, hat mittlerweile Gesellschaft bekommen. Wenige Schritte abseits befinden sich noch einzelne Wacholderbüsche, von denen es auch schon früher an verschiedenen Stellen stattliche Bestände gab. Sie sind fast alle verschwunden. Lediglich hier am oberen Bayehonbach blieb ein kleiner Bestand erhalten.

So wie die Eiche zeigt sich auch der weitere Weg. Durch ein uriges Gelände über Wurzeln, Felsen und Bäumen erreichen wir einen Forstweg und einen kleinen Rastplatz. Früher querte hier einmal die alte Eisenstraße das Bayehontal. Abenteuerlich verläuft auch der Weiterweg (immer noch grünes senkrechtes Rechteck) teils über Holzbohlen talwärts. Dann taucht wieder ein kleiner Wacholderbestand auf, den wir auf einem schmalen Pfad durchqueren. Als Wildpflanze war der Wacholder noch im 18. Jahrhundert überall noch verbreitet. Im Gegensatz zu den meisten anderen heimischen Gehölzen ist der Wacholder seiner Stacheln wegen völlig verbissfest und kann sich daher gegen konkurrierende Laubgehölze behaupten, wenn diese von Weidetiere kurz gehalten werden. 

 

       

felsiger Wanderpfad

 

die letzten Wacholderbüsche

 

herrliches Bayehontal

 

Der Pfad führt mit Sicht nach Ovifat weiter bergab zu einer Forststraße mit einer Schutzhütte. Hier gehen wir zunächst 50m rechts bis das bekannte Wegzeichen (grünes senkrechtes Rechteck) uns von der Straße links auf dem Pfad weiter talwärts führt. Schon bald erreichen wir einen freien Platz mit einer einzelnen Bank und stehen am Rand des höchsten Wasserfalls des Hohen Venns. 

 

Bayehon-Wasserfall

Der Bayehonbach, der uns bisher rauschend und gluckernd begleitete verlässt hier in beeindruckender Weise das Vennplateau und stürzt über eine Felsstufe 9m tief in einen Felsenkessel. Nach starken Regenfällen oder der Schneeschmelze bietet er einen imposanten Anblick. Der Bach strebt nun in einer wildromantischen Schlucht der Warche entgegen und hat eins der schönsten Wandertäler des Hohen Venns geschaffen. 

Wir erreichen die Straße Longfaye – Ovivat, die über eine alte Bruchsteinbrücke den Bach quert. Auf der anderen Straßenseite zeigt ein Wegweiser talwärts zur ehemaligen „Bayehonmühle“, die dann auch bald rechts zu sehen ist. Bis 1945 diente die 1875 errichtete Mühle als Mahlmühle für Getreide. Danach war sie gastronomischer Betrieb.

Leider ist das hier beherbergte Restaurant, wo man auf der Terrasse eine gemütliche Rast einlegen konnte, seit Jahren nicht mehr vorhanden. So folgen wir weiterhin dem Bach talwärts und wechseln dabei mehrmals über Holzstege seine Seiten. Es gibt dort meist zwei Möglichkeiten den Bach zu queren: entweder trockenen Fußes den angebotenen Holzsteg zu benutzen oder über Steine im Bach zu balancieren mit dem Risiko doch nasse Füße zu bekommen.

Eine Erscheinung fällt dem aufmerksamen Wanderer bei den Vennbächen immer wieder auf, und immer wieder stellt er die gleiche Frage: „Was ist das?“ Man sieht häufig auf den Vennbächen dichte, weiße bis bräunlich gefärbte Schaumpakete und vermutet hier abseits der Zivilisation eigentlich keine Umweltverschmutzung. Der Schaum entsteht durch die Emulsion von zersetztem organischem Material. 

Aufgrund des Schleuderns des Wassers in stark fließenden Gewässern tritt das Phänomen der Schaumbildung auf, die vor allem bei starker Wasserführung, wie sie nach Regenfällen und nach der Schneeschmelze zu beobachten sind, besonders intensiv sein kann, aber die Befürchtung einer Umweltverschmutzung ist überflüssig.

 

       

Im Bayehontal

 

Bachüberquerung: trockene oder nasse Füße?

 

Bayehonmühle

Bald haben wir wieder den Zusammenfluss von Bayehon- und Puhonbach erreicht. Hier führt eine spektakuläre Brücke über den Bach. Man gelangt durch einen gegabelten Baum, der gleichzeitig als Stütze genutzt wird,  zur anderen Seite.

 

Nach erfolgreicher Überquerung wandern mit dem Bayehonbach bis zu seiner Mündung in die Warche. Auch wenn dieser Abschnitt identisch mit dem Hinweg ist, vermittelt das Landschaftsbild und der Weg doch wieder andere Eindrücke. Bevor der Bayehonbach sein Wasser in die Warche ergießt queren wir den letzten Holzsteg und wandern noch ein Stück warcheaufwärts. Am Wegweiser „Reinhardstein“ verlassen wir den Warcheweg und unseren Hinweg und steigen auf dem Serpentinenpfad bergan. Die letzten Reserven werden nun gefordert. Der Pfad endet an der Zufahrt zur Burg Reinhardstein, die nur zu bestimmten Zeiten zu besichtigen ist. 

 

       

spektakuläre Brückenkonstruktion

 

wilder Bayehonbach

 

Burg Reinhardstein / Metternich

 

 Sie wird auch Burg Metternich genannt, da sie durch Heirat von Wilhelm von Metternich mit Anna von Nassau zu Rheinhardstein 1550 in Besitz der berühmten Familie gelangte.

Die Fürsten von Metternich bauten die Anlage zum Schloss aus, welches sie bis zur Französischen Revolution bewohnten. Während der Französischen Revolution wurde Reinhardstein beschlagnahmt, 1798 jedoch an die Metternichs zurückgegeben. 1812 verkaufte Franz Georg Karl von Metternich, der Vater des österreichischen Außenministers Metternich die Burg auf Abriss. Im Laufe der Jahrzehnte verfiel die Warcheburg immer mehr zur Ruine. Unter Leitung des Historikers Professor Overloop begann 1969 der Wiederaufbau und die Neuausstattung der Burganlage nach mittelalterlichen Dokumenten. Heute ist die Burg ganzjährig bewohnt, aber nur an Sonn- und Feiertagen zu besichtigen.

Wir queren den Zufahrtsweg und den kleinen Bach, der Richtung Burg fließt und an dieser vorbei schließlich 40m in das Warchetal stürzt. Der Pfad führt nochmals in wenigen Kurven bergan bevor wir den kleinen Bergrücken überwunden haben und wieder ins Warchetal gelangen. Mit einem großen Talbogen erreichen wir die Staumauer der Talsperre. Sie ist freigegeben für den Wassersport; hier wird gepaddelt und gesurft, gesegelt und geangelt. 1928 wurde sie mit einer 55m hohen Mauer zur Hochwasserregulierung und Trinkwasserversorgung erbaut. Kaum zu glauben, dass es einmal einen 200 Jahre langen Streit um das Wasser zwischen den Gemeinden Sourbrodt und Robertville gegeben hat, der 1735 endete. Diese Orte liegen auf dem Vennplateau und da die Moorgewässer immer extrem sauer sind, weil sie sehr mit Torfbestandteilen und Huminsäuren versetzt sind, gab es ständig Probleme, genügend Wasser für Mensch und vor allem fürs´s Vieh zu bekommen. Heute gehören solche existenzielle Fragen längst der Vergangenheit an. Durch Zusätze von Chemikalien und Kalk wird das Wasser zu Trinkwasser aufbereitet und in jedes Haus geleitet.

 

Information: Wanderkarte 1:25000 Hohes Venn., Es ist eine abwechslungsreiche, einsame  Wanderung  ohne  große Weitsichten und mit wenig menschlichen Begegnungen, aber viel ursprüngliche Natur.

 

Streckenlänge: ca. 14,5 km, naturbelassene Wege  und Pfade

 

Schwierigkeit: mittelschwere Wanderung, steiler Abstieg ins Warchetal, im Bayehon- und Puhontal steter langsamer Anstieg bis auf 600m, am Ende der Wanderung steiler Anstieg aus dem Warchetal zur Burg Reinhardstein, An- Abstiege 350m

 

Einkehrmöglichkeit: keine, Rucksackverpflegung

 

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Im Tal der tausend Wasserfälle

Faszinierende Wildbäche des Hohen Venns

 

Entlang zahlreicher Wasserfälle an Hoëgne und Statte

 

 

Die wichtigsten Wasserläufe, die vom Hohen Venn abfließen, bilden zum Teil jedes für sich ein wunderschönes Tal, wenn es auch mitunter wild und nicht immer leicht zu durchwandern ist. So fließen auf der Westseite des Hohen Venns mit Hoëgne und Statte zwei Bäche von der Höhe hinunter, die mit ihren Tälern schon eine alpine Schönheit präsentieren. 

 

 

 

Ausgangspunkt ist das malerische Venndorf Solwaster, wo alle Wanderwege an der Kirche beginnen (370m). Von dort wandern wir auf der wenig befahrenen Straße Richtung Sart und verlassen diese für ein kurzes Stück an der nächsten Straßenkurve und wandern hier geradeaus in die Sackstraße. Mit dem Wirtschaftsweg erreichen wir wieder die Straße. Es geht hinunter ins Tal der Hoëgne. Die kleine Sägemühle am Ufer und die ehemalige Thorez-Mühle (Ancien Moulin Thorez) gleich neben der Brücke zeugen von der früheren, intensiven Nutzung der Wasserkraft in der Region.

 

       

Kirche Solwaster

 

sanfte Hoegne

 

erste Bachquerung

 

Hinter der Brücke, auch hier gibt es Parkmöglichkeiten (1,0km, 330m), verlassen wir nun die Straße und biegen links in das bewaldete Tal mit der rot-weißen Markierung und einem blauem Kreuz ein. Diesen Markierungen folgen wir nun begleitet von der Hoëgne bis zum Ende des Tales. Gemächlich fließt der Bach hier in einem idyllischen Tal, das eine erholsame Ruhe ausstrahlt. Nach Passieren einer kleinen Lichtung führt uns der Weg das erste Mal mit einem Holzsteg über den Bach. Hier fällt besonders im Sonnenlicht die rötlich-braune Färbung des Wassers auf. Es ist kein Zeichen von Umweltverschmutzung sondern ein ganz natürlicher Vorgang. Die bei der Zersetzung der Moorvegetation entstehenden Säuren lösen aus dem Gesteinsuntergrund Eisen und Mangan und es bildet sich orange-rotes Eisenoxid, eine Art Rost. Das Wasser ist extrem sauer, mineralarm und ungenießbar, was nur wenige Lebewesen ertragen können. Fische kommen in diesen Gewässern natürlicherweise nicht vor. Darin können gerade mal Wasserläufer, Wasserkäfer und andere Insekten leben.

 

       
Pont de Belheid   

Eingang zur wilden Hoegne 

 

wilde Talschlucht

 

 An wirbelnden Stellen sieht man oft unansehnliche weiße bis bräunlich gefärbte Schaumpakete. Auch sie sind kein Zeichen für eine Umweltverschmutzung. Der Schaum entsteht durch die Emulsion von zersetztem organischem Material und kolloidalem Ton aufgrund des in stark fließenden Gewässern spontan auftretenden Phänomens des Schleudern und Schäumens des Wassers. daraus geht hervor, dass vor allem bei außergewöhnlich starker Wasserführung, wie sie nach Regenfällen und nach der Schneeschmelze zu beobachten sind, die Schaumbildung auf den Vennbächen besonders stark sein kann.

Der Weg zeigt einige Schwierigkeiten auf, denn Wurzeln, Steine und Pfützen müssen gemeistert werden. Nach Überquerung des nächsten Holzsteges geht es weiter bachaufwärts. Begleitet vom Bachrauschen gelangen wir zu einer Straße, wo mehrere Gebäude liegen. Rechts liegt das Hotel „Le Petit Normand“, links ein kleines Bistro. Auf der anderen Bachseite kann ein weiterer Parkplatz zum Einstieg in diese Tour genutzt werden (2,4km, 260m). Die Autos müssen hier allerdings eine Furt durchqueren. Die Brücke „de Belheid“ bringt uns Wanderer aber trockenen Fußes hinüber. Am Ende des Parkplatzes betreten wir durch ein hölzernes Tor die „Promenade de la Hoëgne“, die 1899 angelegt und 1999 nochmals instand gesetzt wurde.

 Die Markierung weiß-rot und das blaue Kreuz ist weiter aktuell. Auf einem Waldweg geht es talaufwärts immer in Bachnähe, dieser hat sich zu einem richtigen Gebirgsbach entwickelt und bildet immer wieder „Bachschnellen“ und kleine Wasserfälle. Das Tal ist eng und so müssen wir gezwungenermaßen innerhalb von 40m zweimal die Bachseite wechseln. Nebenbäche sprudeln seitwärts dem größeren Bruder zu. Es ist ein faszinierendes Erlebnis wie das Wasser von den Sonnenstrahlen in ein glitzerndes Licht verwandelt wird. 

 

       

wilder Nebenbach

  Wasserfal Marie-Henriette   

treppauf u. treppab 

 

 Dann zwängt sich der Bach in einer engen Schlucht zwischen Felsen hindurch und das Wasser stürzt über mehrere Felsstufen zu Tal. Dieses Naturschauspiel wird in Erinnerung an die Erzherzogin von Österreich, königliche Prinzessin von Ungarn und Königin von Belgien, Marie-Henriette (1836 – 1902), nach ihr „Cascades Marie-Henriette“ benannt (383m). Mittlerweile haben wir die Bachseite gewechselt und Treppen helfen im Steilufer, uns weiter in der Nähe des zu Tal stürzenden Wasser zu bewegen. Mit großem Getöse erleben wir schon bald den nächsten Wasserfall, der nach König Leopold II von Belgien (1835 – 1909) und Ehemann der Marie-Henriette benannt wurde (390m). Die beste Sicht auf dieses beeindruckende Naturschauspiel genießen wir von der Brücke unterhalb der Schutzhütte „Abri Legras“.

Vorbei an der Hütte folgen wir weiter dem „Vallée de la Hoëgne“ abwechselnd einmal rechts und dann wieder links des Baches. Dabei passieren wir über abenteuerliche Holzkonstruktionen immer neue Sturzbäche, mächtige Felsblöcke und Treppen, die am Steilufer hinauf und hinunter führen. Dabei bieten sich immer wieder faszinierende Ausblicke auf das tosende Element, das sich den Weg durch die Schlucht erzwingt. Von einem Aussichtssteg „Les Cascatelles“ (490m) kann man besonders schön mehre hintereinander liegende Wasserfälle im Bild festhalten. 

 

   

   

Les Cascatelles

 

Pont de Centenaire

 

falsche Vekee

 

 Im weiteren Verlauf zeigt der Himmel sich mehr und mehr und der Weg wird flacher. Das Tosen des Baches verstummt und aus der wilden Hoëgne ist ein friedlich, träge fließender Vennbach geworden. Rechts liegt die „Pont de Centenaire“ (6,1km, 510m). Die jugendstilorientierte Betonkonstruktion, deren filigrane Geländer ineinander verflochtene Eichenäste imitieren, ist 1930 zur Jahrhundertfeier des Bestehens des Königreiches Belgien (1830 Abtrennung vom Königreich der Niederlande) errichtet worden.

Die Furt neben der Brücke besteht schon seit Jahrhunderten. Sie ist ein Teil der „Alten Vekée“, einem jener wenigen uralten Straßen durch das unwegsame, die heute nicht mehr existiert. Der Name „Vekée“ leitet sich von „l’vêque“ (deutsch > Bischof) ab und bedeutet Bistumsgrenze, sie bildete einmal die südliche Grenze zwischen dem Fürstbistum Lüttich und der mächtigen Fürst-Abtei Stavelot-Malmédy. Der Weg führte im Mittelalter hier von Hockai nach Longfaye. 

 Wir lassen die Brücke rechts liegen und wandern zunächst über Holzplanken links weiter. Dieser Weg verläuft entlang der ehemaligen belgisch-preußischen Grenze (seit 1830, Abtrennung Belgiens vom Königreich der Niederlande) und da es früher hier keinen Weg gegeben hat spricht man auch von der falschen bzw. „neuen Vekée“. Schon bald zweigt links ein breiter Weg ab, der als Abkürzung nach Solwaster genutzt werden kann. Es geht weiter geradeaus mit einer grün liegenden Raute als Markierung. Still und einsam führt der Weg leicht bergan und nur das Zwitschern einzelner Vögel ist zu hören. Man fühlt sich weit ab jeglicher Zivilisation zu sein, denn Wanderer trifft man selten.

Wir stoßen auf einen weiteren links abzweigenden Forstweg. Wo eine Bank steht, die zu einer kurzen Rast einlädt, wozu ebenfalls auch ein großer Stein als Sitzgelegenheit genutzt werden kann. Vorbei an einem kleinen Wasserbecken wird der Weg immer nasser und fast unbegehbar. Daher wandern wir am trockenen Waldrand weiter und treffen so auf einen mehrere Meter im Wald stehenden sechseckigen 1,5m hohen Stein. Er gehört zu einer ganzen Reihe von Grenzsteinen, die 1839 über die Höhen des Venns auf Sichtweite voneinander gesetzt wurden, um die Grenze zwischen dem jungen Staat Belgien - seit 1830 - (hier im Nordwesten) und der preußischen Rheinprovinz (hier im Südosten mit dem Gebiet Malmedy) zu fixieren. Gewöhnlich tragen sie die Buchstaben „B“ und „P“ und eine Nummer. Hier sind aber keine Buchstaben oder eine Nummer zu entziffern. 

 

       

belgisch-preußischer Grenzstein

 

Fernblick nach Westen

 

Die junge Statte

 

Jetzt wenden wir uns langsam wieder der Vekée zu, um nach ca. 100m mit einer gelben Raute links in einen trockenen Grasweg abzubiegen, der in einer Schneise verläuft. Am Ende treffen wir auf einen Forstweg und gehen diesen geradeaus. Wild scheint es hier genügend vorhanden zu sein, da ca. alle 200m ein Hochstand am Wegesrand steht. Leider ist es jetzt ein eintöniger Weg und da wäre eine Wildbegegnung eine interessante Abwechslung. Bevor der Weg bergab führt biegen wir hinter einem Waldstück rechts ab und wandern an dessen Rand entlang. Eine Markierung fehlt hier. Auch hier handelt es sich mehr oder weniger um eine Schneise. Unterwegs haben wir eine herrlich weite Sicht Richtung Westen und Lüttich. Wer die Einsamkeit liebt, ist hier oben richtig und kann diese genießen. An einer Rechtsbiegung wechseln wir nun links in den Wald. Leicht bergab führt der schattige Weg durch eine „Buchenallee“. Ca. 100 hinter einer kleinen Forsthütte macht der Weg einen Linksbogen, um anschließend uns 400m geradeaus zu einer Forststraße zuführen. Auf dieser müssen wir 200m rechts weiter bis wir dann links in einen grasbewachsenen Waldweg einbiegen können. Wasserrauschen ist schon zu hören, noch bevor wir auf seinen Verursacher stoßen. Es ist die junge Statte, die aus dem „Wihonfagne“ (Bienenvenn, weil die Imker aus Solwaster dort ihre Bienenkörbe aufstellten) kommend erst einige hundert Meter alt ist und sich schnell zu einem kleinen Wildbach entwickelt. Es ist zwar noch eine flache Talmulde in der sie sich aber zwischen Steine und über Felsen mit kleinen Wasserfällen ihren Weg bahnt. 

  

       

wilde Statte

 

Bilisse Felsen

 

Dolmen

 

 Unser Pfad, mit einem blauen Rechteck markiert, schlängelt sich zwischen Sträucher und Bäumen teilweise über Holzstege talwärts. Es ist schon ein regelrechter Hindernislauf, bei dem es über Stock und Stein geht. Angenehmer geht es dann durch ein kleines Waldstück bevor wir eine Forststraße erreichen. Hier queren wir die rechts liegende Bruchsteinbrücke (Jäger-Brücke) und wandern anschließend links auf der anderen Bachseite (blaues Rechteck) weiter. Der Bach hat mit der Kraft seines Wassers mittlerweile ein ansehnliches Tal modelliert und stürzt über mehrere Felsstufen hinunter. Ein kleiner Seitenbach (Nuton =wallonisch: Zwerg) mit weniger Erosionskraft hat es dagegen schwieriger und fällt aus größerer Höhe über eine Felswand in die tiefer liegende Statte. Die Kaskaden werden als „Cascade des Nutons“ bezeichnet (456m). Weiter talwärts wird der Hang steiler und zwingt den Wanderer zweimal über Holzstege die Bachseite zu wechseln. Dort recken sich senkrecht Felswände in den Himmel. Mehr als 20 Meter hoch ragt der gewaltige, wild zerrissene „Bilisse Felsen“ aus dem Cambrium (vor ca. 500 Millionen Jahren) über die Talsohle. Er war lange ein beliebtes Kletterrevier für angehende Alpinisten, bevor er unter Schutz gestellt wurde.

Über eine schmale Holzbrücke (weiter blaues Rechteck) geht es aufs gegenüber liegende Ufer der Statte. Entlang eines kleinen Baches klettern wir auf dem schmalen Pfad unserem nächsten Ziel entgegen, dem „Dolmen von Solwaster“. Geschnitzte Wegweiser erleichtern den Weg. In einer weiten Grube liegt ein großer, flacher, tischähnlicher Quarzitfelsen, der von einem mysteriösen weißen Quarzband der Länge nach durchzogen wird. (434m) Nicht zuletzt deshalb, weil ein Waldstück in seiner Nähe seit alters her als „Bois sacrée“ = Heiliger Wald bezeichnet wird, haben Archäologen in diesem Felsen immer wieder einen Dolmen, ein Steinzeitgrab sehen wollen.

Nach Verlassen des Waldes endet der Wirtschaftsweg an einer Straße, wo uns die zweite rechts vorbei an einer Lourdes Grotte wieder zum Ausgangspunkt zurück bringt. 

 

Cascade de Nutons

 

 

 

Information: Wanderkarte 1:25000 Hohes Venn. Parkmöglichkeit: an der Kirche begrenzt und am Ortsausgang

 

Streckenlänge:  ca. 16,0 km, naturbelassene Wege  und Pfade; Straße von Solwaster ins Hoëgne-Tal sowie am Ende

 

Schwierigkeit:  mittelschwere Wanderung, Vorsicht ist auf den steinigen und oft mit Wurzeln bedeckten Pfaden geboten. Der stetige Aufstieg entlang der Hoëgne ist kaum spürbar. Auf- und Abstiege 340m

 

Einkehrmöglichkeit:  Rucksackverpflegung, in Solwaster bzw. an der „Pont de Bellheid“

 

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Tourenübersicht

 

 

Wandern weckt die Lust auf mehr