Hürtgenwald

 

 

                                                                

                                                           Ochsenkopf        Allerseelenschlacht         Wilde Sau                  Hill 400

 

 

 

 

 Es gibt eine Region in der Rureifel, der ich einen eigenen Abschnitt widmen möchte. Denn diese Landschaft wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges zum Synonym für Grauen, Schrecken, Verwüstung und Tod. In dessen Mittelpunkt liegt der Hürtgenwald, wo am Ende des Zweiten Weltkrieges sechs monatelang schwere Kämpfe stattfanden. Es war für die Amerikaner die verlustreichste Schlacht des gesamten Zweiten Weltkrieges. Sie waren es auch, die diesem Kampfgebiet den Namen „Huertgen Forest“ gaben. Der Name Hürtgenwald beschränkte sich bis dahin nur auf das dort befindliche staatliche Forstamt. Heute sind die meisten Orte im ehemaligen Kampfgebiet zur Gemeinde Hürtgenwald zusammengeschlossen. 

 

 

Kreuzigungsgruppe auf dem Friedhof in Vossenack

 

     Krieg und Frieden

     Auf Spuren der Kriegsgegner des II. Weltkrieges

 

 

 

Das schreckliche Szenario nahm seinen Anfang am 6. Juni 1944 mit der Landung der westalliierten Streitkräfte in der Normandie. Mit Riesenschritten marschierten die Divisionen der 1. US-Armee auf die deutsche Reichsgrenze zu. Schon nach 3 Monaten erreichten sie die westdeutsche Grenze und überschritten sie zum ersten Mal am 12. September 1944 bei Roetgen, ca 10km südlich von Aachen. Die deutsche Westgrenze war zu dieser Zeit ziemlich offen und unverteidigt. In diesem historischen Augenblick wäre es den Alliierten möglich gewesen, innerhalb weniger Tage den Rhein zu erreichen, da dem deutschen Oberkommando nur versprengte Einheiten zur Verfügung standen und der Westwall weitgehend unbesetzt war.

 

       

Westwall

 

Höckerlinie

 

Siegfried-Linie

 

  Aber aufgrund von Nachschubschwierigkeiten und Unklarheiten im weiteren Vorgehen der westalliierten Truppen, nutzten die Amerikaner ihre Chance nicht, die fast noch unverteidigte Grenze zu nehmen und sich fast sechs Monate schwere und verlustreiche Kämpfe zu ersparen.

Innerhalb nur weniger Wochen wurden auf deutscher Seite eine neue Verteidigungslinie aufgestellt und soweit es ging mit frischen Truppenverbänden aufgefüllt. Am 15. September treffen die Alliierten erstmals in Lammersdorf und Zweifall wieder auf eine verstärkte deutsche Gegenwehr.

Es entwickelte sich zwischen September 1944 und Februar 1945 in den dichten Wäldern zwischen Monschau, Düren und Aachen eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges, die unter dem Namen „Hürtgenwaldschlacht“ in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Als im Februar 1945 das Morden ein Ende hatte, blieben zerschossene Wälder, verwüstete Dörfer, Kriegsschrott und Leichen zurück. 

Das Ausmaß der Zerstörung ist heute nicht mehr wirklich vorstellbar. Und doch sind Fragmente des Grauens geblieben, seien es düstere Bunkeranlagen oder erst allmählich verblassende Spuren der Kämpfe. Immer noch treten in den Wäldern Reste von Kriegsmaterial zutage und werden noch Jahre nach Kriegsende Skelettteile getöteter Soldaten gefunden. Es sind Kreuze, die heute an ihr Schicksal erinnern.und versuchen  das unsägliches Leid wach zu halten, aus einer Zeit, in der Terror und Gewalt an der Tagesordnung waren.

 

Zu Spuren dieses Kriegsgeschehen führen heute Wanderwege, die in dem Projekt „Historisch-literarischer Wanderweg Hürtgenwald 1938-1947“ zusammengefasst und in einem weiteren Projekt „Multimedia-Historyguide“  www.mm-historyguide.de/   mit ausführlichen Informationen und Filmausschnitten erläutert werden. 

 

Touren: Allerseelenschlacht l Wilde Sau l Hill 400

 

Ochsenkopf und Todtenbruch

 Namen die schaudern lassen

 

Eifelblick auf Vossenack

 

Wir starten unsere erste Wanderung am "Eifel-Blick, Franziskus-Gymnasium" gegenüber dem Soldatenfriedhof Hürtgenwald-Vossenack (460m). An klaren Tagen bietet sich dem Besucher hier ein herrlicher Panoramablick hinüber zu der Ortslage Vossenack und über die Hochfläche der Rureifel hinweg bis zur Kölner Bucht. Die tief eingeschnittenen Täler treten gar nicht in Erscheinung, was letztendlich auch den Alliierten zumVerhängnis wurde.

Nachdem sie am 12. September die deutsche Grenze überschritten hatten, stießen sie in wenigen Tagen mit Infanterie und Panzern bis nach Schevenhütte vor. Bei einem schnellen Vorstoß zum Rhein fürchteten sie aber einen deutschen Flankenangriff aus dem ihnen unheimlichen Waldgebiet der Eifel. Durch einen Angriff auf die Bergregion versuchten sie diesem zuvorzukommen, ohne sich über die Gegebenheiten in diesem unwegsamen Gelände im Klaren zu sein. Daraus entwickelte sich Ende 1944 ein erbitterter Kampf.

 

Eigentlich unvorstellbar wenn man heute diese friedliche Landschaft sieht. Aber die Soldatenfriedhöfe in Hürtgen und der hinter uns liegende Friedhof erinnern noch an die vielen Toten. 

 

       

Soldatenfriedhof Vossenack

 

Simonskall-Blick

 

Kalltall

 

Die erbitterten Kämpfe forderten 15000 deutsche und 53000 amerikanische Kriegstote. Die Deutschen haben auf vielen Kriegsgräberanlagen n der Eifel eine bleibende Ruhestätte erhalten. Hier in Vossenack liegen 2300 und in Hürtgen fast 3000 Kriegstote. Die meisten amerikanischen Gefallenen wurden in ihre Heimat überführt, da es nach amerikanischer Auffassung kein Amerikaner in ehemals feindlicher Erde begraben sein soll. Die verbliebenen Toten erhielten in Belgien und den Niederlanden ihre letzte Ruhestätte.

Vom „Eifel-Blick“ gehen wir ein Stück die Straße, die ins Kalltal führt, hinunter und folgen hinter dem rechts liegenden Klostergelände der Wegnummer „26“. Am Ende des Grasweges ist seit 2015 der Hang von hier hinunter nach Simonskall den Mountainbiker vorbehalten, die sich im neu angelegten Bikepark austoben können. Die Wanderer müssen ausweichen. denn ehemalige Wege und Pfade sind nicht mehr begehbar.

Wandern sie also am Ende des Grasweges den Fußpfad und später den breiteren Weg (26) weiter geradeaus. Sie bleiben auf dieser Höhe und passieren die Anlagen des Hochseilgartens Hürtgenwald bis zum Ende. Hinter dem Informationplatz geht es links bergab.Hier befindet sich das Vereinsgelände der Bogengemeinschaft Mensch und Natur Vossenack. Linkerhand sind im Wald verschiedene Tierattrappen zu entdecken, die den Bogenschützen als Zielobjekte dienen. Der Pfad stößt nach einigen Windungen auf den Mittelweg und somit wieder auf die vor 2015 beschriebene Wanderroute.

 Diesem Logo folgen wir nun. Es ist ein angenehmer Weg, der bequem im Hang des Kalltales verläuft. 

Über diese Steilhänge erreichte ein von Zweifall über Raffelsbrand gerichteter Angriffskeil der Amerikaner erst am 4. November 1944, trotz heftigen Abwehrfeuers aus den deutschen Bunkern am Ochsenkopf und Buhlert, das Dörfchen Simonskall und konnten sich dort zwar festsetzen, aber ein weiteres Vordringen nach Strauch und Steckenborn war nicht möglich.

Der amerikanische Angriff war nach Überschreiten der deutschen Grenze nur schleppend vorangekommen, was nicht zuletzt auf Nachschubprobleme zurückzuführen war. Die Deutschen kontrollierten immer noch den Hafen von Antwerpen und so mussten die Alliierten auf kleinere Häfen ausweichen und gleichzeitig Personal, Waffen und Munition über lange Wege durch Frankreich und Belgien transportieren.

Hinter einer Rechtskurve sehen wir auf der gegenüberliegenden Talseite auf der Höhe (Buhlert) einige Windräder. Im Hang dort drüben liegen heute noch Bunker, die zu den letzten gehörten, die während der Schlacht im Hürtgenwald von den Amerikanern genommen wurden. Einheiten der 272. Volksgrenadierdivision hielten die Bunker bis zum 5. Februar 1945.

 

Der Mischwald, der uns jetzt begleitet, ist nicht älter als 60 Jahre. Es waren besonders die Baumkrepierer, die einen enormen Schaden anrichteten. Es waren Artilleriegranaten, die so eingestellt wurden, dass sie in Baumwipfelhöhe detonierten und somit den Boden mit Holzsplittern übersäten. Sie erwiesen sich für die ohne ausreichende Deckung vorgehenden Angreifer als sehr gefährlich. 

 

       

junger Wald

 

Minensucher sind noch immer unterwegs

 

Info-Tafel Ochsenkopf

 

 Kleinere Betonreste entdecken wir am Wegesrand. Sie deuten auf das Vorhandensein eines ehemaligen Bunkers (119) hin, der rechts einmal gestanden hat.

Wenige hundert Meter weiter in einer Rechtskurve, etwa 50m links im Hang, macht es ein Bunker mit seiner exponierten Lage und der Sicht ins Kalltal deutlich, dass schon wenige Soldaten hier in der Lage waren, einen Feind am Vormarscvh zu hindern.

Vorbei führt uns der Weg an einem Wagen des Minensuchunternehmens Röhll aus Düren.Auch mehr als sieben Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist immer noch der Kampfmittelräumdienst unterwegs, um Munition, altes Kriegsmaterial und auch Überreste gefallener von Soldaten zu bergen. Viele Soldaten beider Kriegsgegner liegen in diesem Gebiet noch unentdeckt in der Erde.

Das Wegzeichen der Bachtälerhöhenroute führt uns weiter zum Parkplatz an der L160 (3,2km, 465m), wo links unter dem Erdwall auch Bunkerreste hervorschauen (Pak-Schartenstand). Eine Informationstafel weist auf die Kämpfe hier am Ochsenkopf hin.

Die Straße führt hinunter nach Kallbrück. Dorthin und weiter ins obere Kalltal zielte ein anderer amerikanischer Stoßkeil. Dieser sollte zunächst die Straße nach Lammersdorf abriegeln und die B399 an der Kreuzung zur L160 als Nachschubweg sichern. Aber bereits hier am Ochsenkopf blieb der Angriff bei den dortigen Bunkern liegen. Es dauerte bis Mitte Februar bis die Amerikaner dieses Gebiet in ihre Hand bekamen.

 

       

Fundstätte US-Obergefreiter Cahow

 

Bunker 107, Ochsenkopf

 

Bunker 103, Peterberg

 

 Die Nr. „96“ zeigt uns jetzt auf der anderen Straßenseite den weiteren Weg. Am rechten Wegesrand fallen im Wald noch alte Stellungen, Deckungslöcher und Schützengräben auf. In einem leichten Rechtsbogen ist das Gelände links plateauartig aufgefüllt. Am Rand ragt die Betondecke eines Bunkers (112) noch aus dem Boden.

Etwas weiter stoßen wir auf einen Gedenkstein für zwei amerikanische und einen deutschen Soldaten, die hier bei Waldarbeiten 1976 gefunden wurden. Noch heute werden hunderte Soldaten beider Seiten vermisst und es werden immer wieder sterbliche Überreste gefunden. Während deutsche Gefallene auf den hiesigen Soldatenfriedhöfen beigesetzt werden, dürfen amerikanische Gefallene laut US-Recht nicht auf deutschem Boden bestattet werden.

Etwas weiter steht der Gedenkstein für den erst im Jahre 2000 gefundenen amerikanischen US-Obergefreiten Robert Cahow. Der Stein wurde im Jahre 2004 anlässlich des 60. Jahrestages der Schlacht im Hürtgenwald von seiner Familie aufgestellt.

Wir folgen hier der Nr.“96“ in den Wald, wo die mit Steinen markierte Fundstelle liegt. Cahow gehörte zur 78. Division und wurde vermutlich bei einem Angriff auf einen heute nicht mehr vorhandenen Bunker am 13. Dezember 1944 getötet.

Das grausige an diesem "Fund" ist, dass er noch in seinem gebuddelten Stellungsloch, ohne Kopf stand, mit 6 kleineren Handgranaten am Koppel und in der Uniform. Sicher wurde ihm bei den Kämpfen der komplette Kopf abgetrennt, und das Loch dann möglicherweise durch aufwirbelnde Erdmassen der Granaten und Artilleriegeschosse so verschüttet, dass man ihn bis zu seiner Entdeckung als vermisst führte.

Vom Steinhügel Richtung Westen liegt nur etwa 50 Meter weiter der ehemalige Bunker 113, der vermutlich noch während des Krieges gesprengt wurde. Da die Amerikaner wussten, dass die Deutschen jederzeit zu Gegenangriffen bereit waren, begannen sie ab September, die Anlagen zu sprengen,  jedoch mit unterschiedlichen Ergebnissen.

 

Wir wandern durch ein Gebiet voller Kriegsnarben und deutlichen Spuren der Kämpfe. Zurück auf dem Mittelweg, der während des Westwallbaus als Baustraße angelegt wurde, finden sich weitere Stellen (110 u. 108), an denen in der Nachkriegszeit Bunker geschliffen wurden. Im Bereich Ochsenkopf - Peterberg befanden sich 27 Bunker. Ca. 300m weiter liegt 100m links im Wald der Bunker 107, an dem sich leicht feststellen lässt, wie schwer es für die zuerst unerfahrenen Pioniere war, eine derartige Anlage erfolgreich zu beseitigen.

 

       

Laufgraben

 

Raffelsbrand

 

Stein der ersten Siedler

 

In der folgenden Wegkurve hat man einen Blick auf eine Wiese, die in Zusammenhang mit dem Bau der Ringsiedlung Raffelsbrand nach Kriegsende gerodet wurde. Vor 1944 gab es im gesamten Bereich keine größeren Freiflächen. inter der nächsten Linkskurve liegen rechts der gesprengte Bunker 106 und weitere Reste eines Gefechtsfeldes.

Wir folgen nun weiter dem Logo der Bachtälerhöhenroute über den Peterberg zur B 399. Wer noch weitere Bunker am Peterberg aufspüren möchte, der geht den Weg rechts in eine Lichtung ca 140m hinein und muss dann 100m ohne erkennbaren Weg links in den Wald hinein. Unter einem Erdhügel liegen die Bunker 102 und 103. Links am Bunker vorbei gehen wir quer durchs Gelände zum Peterberg (492m) und zu den nächsten Bunkerresten direkt vor der B399. Den Peterberg können die Amerikaner schließlich nach tagelangem verlustreichem Bunkerkampf am 15. Oktober einnehmen.

Vom Bunker kehren wir links, entlang einem rechts parallel zur Straße liegenden ehemaligen Laufgraben zum Hauptweg zurück, wo wir anschließend die B399 überqueren (6,0km, 488).

Bei Alarm oder Angriffen liefen die Soldaten in das ausgeklügelte Laufgrabensystem, und konnten hier die ersten amerikanischen Angriffsversuche erfolgreich abwehren. Bis zur völligen Einnahme des Ochsenkopfes wechselte so mancher Bunker des Öfteren seine Besatzung

 

Wir wandern auf der Ringstraße vorbei an zwei Höfe von Raffelsbrand bis zu einem Parkplatz am Rande eines Moores, dem „Todtenbruch“ (7,2km, 495m).

 

       

Todtenbruch

 

Bunker im Todtenbruch

 

Bodenlehrpfad

 

Der Bereich Raffelsbrand war jahrhundertelang Ödland und Wald, dem die Vossenacker Bürger ihr Brandholz gegen Zahlung einer Gebühr entnehmen durften, worauf auch der Name hinweist. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Raffelsbrand gerodet und kultiviert, um große Siedlungshöfe einzurichten. Im Jahre 1953 wurden diese von Bauern bezogen, die aus dem Osten, der Eifel und besonders aus dem Bereich des Dorfes Wollseifen vertrieben worden waren, wo die Erweiterung des Truppenübungsplatzes Vogelsang diesen Ort einbezogen hatte.

In der vom starken Niederschlag geprägten Region war das Moor lange Zeit Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Es wurde jedoch 1830 trocken gelegt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde es mit Fichten bepflanzt und zu landwirtschaftlicher Nutzfläche umgewandelt. Im Jahre2002 wurden hier die Fichten gefällt und die Entwässerungsgräben geschlossen. So konnte sich das Moor langsam wieder renaturieren. Es ist eine Venn-Hochmoorlandschaft im Kleinen. 

Vom Parkplatz führt ein Bodenlehrpfad durch dieses ökologisch besonders wertvolle Moorgebiet. An sechs Stellen wurden hier Aushebungen gemacht und auf Info-Tafeln die verschiedenen Schichten und Eigenarten des Bodens dargestellt.

 

Vergessen wir nun einmal das Kriegsgeschehen, das sich hier Ende 1944 abspielte und folgen dem Pfad. Er führt uns nach 400m am Waldrand entlang bis zu einer Bank neben der ein Stein mit einer Tafel an die Namen der ersten Siedler von Raffelsbrand erinnert. Die Bachtälerhöhenroute verlässt uns jetzt hier. Bachbegleitende Erlenwälder, die vernässt und von Torfmoos geprägt sind, charakterisieren den Todtenbruch, den wir auf einen Holzsteg betreten. Im Moorbereich befinden sich insgesamt fünf Quellen, darunter die Quelle der Weißen Wehe. Auch ein so genannter „Palsen“ - eine eiszeitliche Vertiefung - ist hier zu sehen.

Nach 200m folgen wir einem links abbiegenden Holzsteg, an dessen Ende die Ruine eines weiteren Bunkers (359/360) liegt (7,2km, 495m). Mit einem Angriff auf breiter Front lösten die Amerikaner am 19. September die historische Schlacht um den Hürtgenwald aus, der Monate dauern sollte. Die US-Offensive bestand aus drei Stoßkeilen. Von Lammersdorf aus sollte die strategisch wichtige Paustenbacher Höhe sowie östlich der Höhenzug Richtung Rollesbroich genommen werden, von wo aus die Kalltalsperre sowie Kallbrück das weitere Angriffsziel darstellten. Die beiden anderen Stoßkeile gingen von Zweifall aus durch das Wehebachtal mit Zielrichtung Hürtgen und durch das Gieschbachtal zum Todtenbruch. Im Gieschbachtal waren die meisten Bunker von den deutschen nicht besetzt, so dass das Angriffsziel hie rüberraschend schnell erreicht wurde.

Im Todtenbruch erleiden die im Waldkampf unerfahrenen Amerikanern schwerste Verluste, da sie vergebens gegen die hier gut ausgebauten Bunkerstellungen der Deutschen anrennen. Es wird vermutet, dass in diesem Gebiet noch vermisste Soldaten ruhen, jedoch durch das sumpfige Gelände wohl nie mehr gefunden werden. So kommt dem Namen "Todtenbruch" eine besondere Bedeutung zu.

 

Nach drei Tagen gelingt es der im sumpfigen Waldgebiet festliegenden 9. Infanterie-Division schließlich eine Verbindung mit den Jägerhaus Besetzern aufzunehmen.

 

       

Hinab ins Wehebachtal

 

Holzsteg über Wehebach

 

Wehebachtal

 

Nach dem Rundgang durch den Todtenbruch wandern wir Richtung Osten hinab zu einem der Quellarme der Weißen Wehe und steigen auf einem Holztreppensteg hinauf zum Jugendwaldheim und von dort wieder links hinunter ins Tal, in dem wir 1,7km bachabwärts wandern. Dann wenden wir uns rechts der Brücke über die Weiße Wehe zu und nehmen den Anstieg mit der Nr „94“ durch einen markanten Hohlweg in Richtung Germeter. Links des Weges schaut noch der Rest des Bunkers 434 aus dem Erdreich. Weiter oben liegt rechts das archäologische Feld von US-Feldstellungen. Um dieses besser einsehen zu können, machen wir an der nächsten Wegekreuzung (11,4km, 430m) einen kleinen Abstecher in den rechts abgehenden Weg. Hier sind amerikanische Feldstellungen des I. und III. Bataillons, 112. Inf. Rgt, rechts und links des Weges erhalten. Im Steilhang sind ebenfalls noch die Aushebungen großer Unterstände deutlich zu erkennen.

 

       

Anstieg nach Germeter

 

ehem. US-Stellung

 

Hotel "Altes Forsthaus"

 

Wieder zurück zur Wegekreuzung erreichen wir rechts bald das Hotel „Altes Forsthaus“. Im Keller des ursprünglichen Forsthauses, der sich noch unter dem heutigen Gebäude befindet, war im November 1944 u.a. der Gefechtsstand von Colonel Rudder, dem Kommandeur des 2.US-Ranger Bataillons. Am 9. Oktober waren nach langen wechselnden Geländegewinnen der größte Teil von Germeter und Wittscheidt in amerikanische Hände gefallen.

 

Wir wandern rechts auf der B399, die von Germeter, Richelskaul und Peterberg die Amerikaner nach heftigen Kämpfen seit Mitte Oktober in ihrer Hand hatten, 400m weiter und biegen links in die Monschauer Straße ab. Der zweite rechts abgehende Weg führt dann wieder zum Ausgangspunkt am Soldatenfriedhof  Vossenack zurück (13,8km). 

 

Obwohl die Natur die alten Kriegswunden mittlerweile fast zugedeckt hat, haben wir auf unserer Wanderung trotzdem noch einige aufspüren können. Zurück bleiben die Mahnmale des Todes, Kreuze, die an das Schicksal einzelner noch erinnern, aber auch an all die, die zusammen mit ihren namenlosen Kameraden auf dem Soldatenfriedhof  Vossenack ihre letzte Ruhe gefunden haben. Im Tode sind alle Menschen gleich und so sind hier nur die Namen der Gefallenen vermerkt. So hat auch Generalfeldmarschall Model zwischen diesen sein Grab (Nr. 1074) gefunden, der der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe West während der Allerseelenschlacht war. 

Gedacht wird neben den 2334 Kriegstoten, die heute hier auf dem Friedhof ruhen, auch an 35 Männer des Minenräumkommandos, die nach dem Kriege für das Bergen zahlreicher Gefallener aus Feldgräbern eingesetzt wurden und somit verspätete Opfer eines sinnlosen Krieges geworden sind. 

 

 

friedlicher Wald

Information: Wanderkarte Nr 2 „Rureifel“ und Nr. 50 „Nationalpark-Karte“ des Eifelvereins.  „Historisch-literarischer Wanderweg Hürtgenwald 1938-1947“ mit Sammelmappe der 7 Rundwanderwege und das Projekt „Multimedia-Historyguide“ mit ausführlichen Informationen und Filmausschnitten

 

Streckenlänge: ca. 14 km, naturbelassene Wege außerhalb der Bebauung, 1,5km Holzstege.

Markierung teilweise „26“ , Bachtälerhöhenroute, „96“ Ochsenkopfweg, „94“Archäologischer Wanderweg

 

Schwierigkeit: leichte Wanderung, aus dem Wehebachtal hinauf zur B399 einzige größere Steigung; Holzstege können bei Feuchtigkeit glatt und rutschig sein. Auf- und Abstiege 210m

 

Einkehrmöglichkeit: Hotel Restaurant  „Altes Forsthaus“ in Germeter 


 

GPS.Track: Ochsenkopf.gpx  (Link speichern unter )
  

 


Ochsenkopf auf einer größeren Karte anzeigen

 

 

 Touren: Ochsenkopf l Wilde Sau l Hill 400

 

 

Allerseelenschlacht

Größte Niederlage der Amerikaner

 

Oberhalb des Wehebachtals waren am 9. Oktober nach langen wechselnden Geländegewinnen der größte Teil von Germeter und Wittscheidt in amerikanische Hände gefallen. Angriffsziele waren jetzt Vossenack und Schmidt, das wegen seiner strategischen Lage bedeutsam war. Die Eroberung von Schmidt würde es z.B. den Amerikanern ermöglichen, den bei Monschau kämpfenden Deutschen in den Rücken zu fallen.

 

Es war den Amerikanern aber nicht gelungen, bis Vossenack durchzubrechen, denn als sie am 12. Oktober im Begriff waren Vossenack einzunehmen, wurde das Regiment überraschend von Norden her in seiner linken Flanke angegriffen. Somit musste das 3. Bataillon den Angriff einstellen, um im Gegenangriff die Flankenbedrohung zu stoppen. Nach 10 Tagen erbitterter Kämpfe waren beide Seiten so geschwächt, dass die Kampfhandlungen abflauten. Am Ende der erfolglosen Offensive betrug der Geländegewinn der Amerikaner 2,7 km, die Verluste 4500 Mann; die Deutschen verloren 3200 Mann

 

Blick von Kommerscheidt übers Kalltal nach Vossenack

 

 

Am 26. Oktober 1944 wurde die 9. US-Division gegen die mit Pionieren, Sturmgeschütz- und Panzereinheiten sowie Artillerie zusätzlich bestückte 28. Infanteriedivision ausgetauscht.  Die geschwächte deutsche Infanterie musste ausharren. Sie konnten lediglich eine in Brandenburg aufgefrischte Volksgrenadierdivision zur Verstärkung in die Nordeifel verlagern.

Der geplante zweite Angriff auf Schmidt für den 31. Oktober wurde wegen extremer Regenfälle und fallender Temperaturen auf den 2.November verschoben. Hauptgrund war wohl, dass die Amerikaner bei schlechtem Wetter auf ihre Luftunterstützung verzichten mussten.

Trotz Materialüberlegenheit waren die Soldaten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Sommerkleidung auf eine derartige Kampfführung überhaupt nicht vorbereitet.

Am Morgen des 2. November 1944 begann das, was auf deutscher Seite als „Allerseelenschlacht“, auf amerikanischer Seite als „Battle for Schmidt“, bekannt wurde, die bis heute als eine der verlustreichsten Kämpfe einer US-Division auf dem europäischen Kriegsschauplatz gilt und als abschreckendes Beispiel Teil der US-Generalstabsausbildung wurde.

 

Es war ein nasskalter, nebliger Tag. Noch bevor die Dämmerung heraufzog, feuerten Dutzende von amerikanischen Artillerie-Batterien auf das Angriffsgebiet um Vossenack, teilweise von Zweifall aus. Erde und Luft erzitterten eine Stunde lang.

Aufgrund der Geländestruktur konnten die Amerikaner Panzer einsetzen. Die deutschen Einheiten verteidigten sich nach besten Kräften, konnten aber nicht verhindern, dass der größte Teil des Ortes in amerikanische Hände fiel. Da die Deutschen einen Direktangriff auf die Talsperren vermuteten, wurden Reserveeinheiten, darunter die gerade nach der Kapitulation aus Aachen abgezogene 116. Panzerdivision, in Marsch gesetzt.

Ebenso war aus deutscher Sicht die Verteidigung der Nordeifel strategisch wichtig im Hinblick auf die längst geplante Ardennenoffensive.

 

       

Vossenack, Dorfstraße

 

Paptist-Palm-Platz

 

Kirche innen

 

Das 112. Reg stieß am folgenden Tag bis zur Kirche von Schmidt vor. Dieser plötzliche Erfolg ließ den Kommandeur der 28. US-Division General Norman „Dutch“ Cota seine übrigen Verluste vergessen und er fühlte sich ein bisschen wie Napoleon, doch in Wirklichkeit begann sich die Gesamtlage dramatisch zu verändern. Teile der 116. Panzerdivision und 89. Infanteriedivision begannen nun die beiden amerikanischen Bataillone in Schmidt und Kommerscheidt anzugreifen. Ein verheerender Artilleriebeschuss geleitet von verdeckten Beobachtern und gesteuert von den Bunkern am Burgberg ging auf die Soldaten nieder, die zu erschöpft waren, um mit ihren kleinen Schaufeln Schützenlöcher zu graben.

 

Diesen Weg, den die Amerikaner durchs Kalltal genommen hatten, ist heute als Wanderweg markiert und wird als „Kall Trail“ (66) bezeichnet. Wir wollen ihn heute entlang wandern. Dazu starten wir an der Kirche auf dem Baptist-Palm-Platz in Vossenack (410m ü.NN).

 

       

Spitterkreuz

 

Stumms Kruezche

 

Blick hinüber nach Kommerscheidt

 

Vom Parkplatz aus kommend geht es rechts an der Kirche vorbei, in der während der Schlacht ebenfalls gekämpft wurde und mehrmals den Besatzer wechselte. Eine Tafel in der Kirche, wie auch die künstlerisch gestalteten Eingangstüren und Fenster erinnern an die Kämpfe. An der Ecke des rechts abgehenden Wegs nach „Simonskall“ markiert das Splitterkreuz den Beginn des Kall Trails. Wenig später passieren wir das „Stumms Krüzche“, das noch heute die Spuren der Kämpfe trägt. Daneben steht ein Wegweiser mit der Aufschrift „Missepaad“, der an einen historischen Weg nach Vossenack erinnert.“ Auf diesem „Messeweg“ mussten im 18. Jahrhundert die Vossenacker Bevölkerung nach Schmidt zur Kirche gehen, da eine eigene noch nicht vorhanden war. Dieser Weg, der an der Mestrenger Mühle im Kalltal vorbei bergauf nach Schmidt führt, wurde im Volksmund früher „Missepaad“ genannt.

 

Wir verlassen den Ort und freies Wiesengelände bietet geradeaus eine herrliche Aussicht auf Schmidt und auf das zum Greifen nahe Kommerscheidt. Diese Fernsicht lässt hier noch nicht erahnen, welches tiefe Tal die beiden Ortschaften trennt. Nach einem Linksknick führt der Weg in den Wald. Vorher zeigt ein Blick nach links die markante Kuppe des Burgbergs. Von dort bot sich den deutschen gute Sichtmöglichkeiten über die Bewegungen der amerikanischen Truppen und beste Vorraussetzungen für die Koordinierung eigener Artillerievorbereitungen.

 

       

Burgberg, strategischer Gefechtsstand

 

Einstieg in den Kall Trail

 

Kall Trail

 

Vor uns liegt nun der Einstieg in das Kalltal. Den Einheiten der 28. US-Division war es aufgrund der Kartenlage nicht bewusst, dass es sich hier nur um einen steilen Waldweg handelte.

Zur Verstärkung der inzwischen in Schmidt kämpfenden amerikanischen Infanterie, wurden dringend Panzer benötigt. Aber dieser Weg durchs Kalltal war und ist nur ein besserer Fußweg und für Panzer absolut ungeeignet, hinzu sollte hier der komplette Nachschub von Fahrzeugen und Material nach Schmidt gebracht werden. So schufteten amerikanische Pioniere die ganze folgende Nacht hindurch, um der Infanterie in Schmidt und Kommerscheidt die nötige Panzerunterstützung zu verschaffen. Dabei musste eine Felsnase erst mühsam beseitigt werden, da sie den Weg extrem verengte.

 

Bei dem Versuch, die Sherman-Panzer über den gut zwei Meter breiten Waldweg mit seinen viel zu engen Kurven zu manövrieren, fuhr der Führungspanzer von Lt. Fleig kurz nach Eintritt in den Wald auf eine Mine und blockierte so den gesamten Weg. Weitere Panzer stürzten beim Versuch vorbeizufahren ab. An Ketten und unter wahnsinnigen Strapazen, sowie unter stetigem Feindbeschuss, wurden die anderen Panzer am Hang entlang vorbeigeseilt um endlich die unter starkem Feindfeuer stehenden Truppen in Schmidt zu unterstützen. Nur drei Tanks erreichten Kommerscheidt vor Morgengrauen. 

 

       

Über diesen Weg wollten die Amerikaner

 

ihre Panzer und den gesamten Nachschub

 

durch das Kalltal nach Schmidt bringen

 

Die deutschen Verstärkungen hatten sich gruppiert und bereiteten den Amerikanern auf der Höhe von Schmidt ein wahres Inferno. Zunächst setzte schweres Artilleriefeuer der Batterien von Bergstein und Brandenberg ein, dann griffen Panzer und Infanterie aus verschiedenen Richtungen an, hauptsächlich von Harscheidt und Hasenfeld aus dem Rurtal.

 

Der Angriff kam für die Amerikaner nicht nur völlig überraschend, er wurde auch mit solcher Wucht geführt, dass die Männer des 112. Infanterie-Regiments unter schwersten Verlusten von Schmidt zurück nach Kommerscheidt flohen. Teilweise warfen sie ihre Waffen weg. Im offenen Gelände wurden sie von Panzer- und MG-Feuer regelrecht niedergemäht. 

Die Deutschen rückten weiter Richtung Kommerscheidt vor, wo sich die Überlebenden des amerikanischen Schmidt-Massakers sammelten. Aber die Deutschen erreichten an diesem Tag das Dorf nicht mehr, weil sie das konzentrierte Sperrfeuer des Gegners nicht überwinden konnten. Hinter ihnen lagen ein hoffnungslos zerschossenes Schmidt und mit Trichtern, Kriegsgerät und Leichen übersäte Wiesen und Felder. US-Pioniere schafften noch die am Vortag liegen gebliebenen eigenen Panzer aus dem Weg, was teilweise nur durch Sprengung möglich war.

 

In der Nacht zum 5. November hatten die Amerikaner zwar weitere neun Jagdpanzer nach Kommerscheidt durchgebracht, doch die Lage war nicht nur kritisch, sie war hoffnungslos. Aus allen Rohren feuerten die Deutschen auf die in Kommerscheidt festliegenden Amerikaner, die schließlich regelrecht „durchdrehten“. Zunächst erlitt der Bataillonskommandant einen Nervenzusammenbruch, dann flohen einzelne G.i.s. in der Abenddämmerung schließlich ganze Kompanien zurück in den Wald und stolpern über die Hänge des Kalltals zurück nach Vossenack. Etliche schafften es nicht und gruben sich unter zerschossenen Bäumen im nasskalten Boden ein. So kam es neben den ansteigenden Verlusten durch Tod und Verwundung durch das schlechte Wetter und ungenügender Kleidung zu immer mehr „nicht kampfbedingten Ausfällen“.

 

       

Kalltal

 

Mestrenger Mühle

 

Kallbrücke

 

Wieder wurde eine ganze Nacht im Kalltal gekämpft. Als der Morgen graut, waren die letzten Amerikaner in Schmidt und Kommerscheidt abgeschnitten. Deutsche Pioniere hatten Teile des Kallweges neu vermint, die Kallbrücke und die wichtigsten Furten des Baches wurden von deutschen MG-Stellungen kontrolliert und unpassierbar gemacht. Drei davon hatten in der Teufelsley auf halben Weg zwischen Richelsbachtal und Mestrenger Mühle perfekten Schutz und totale Übersicht gefunden. Eine unterhalb Richelskaul zusammen gewürfelte US-Einheit scheiterte zunächst mit einem Gegenangriff auf Kommerscheidt und Schmidt, schlug sich aber schließlich doch noch im Schutz der Dunkelheit der folgenden Nacht bis Kommerscheidt durch.

Schon seit dem frühen Morgen belegte die deutsche Artillerie Vossenack mit schwerstem Feuer, dazu wurden Mörser eingesetzt. Und wieder packte die Amerikaner das Grausen, verloren erst einzelne, dann ganze Züge die Nerven und flohen vor dem Inferno.

Gegen Mittag setzte deutsche Infanterie aus der Gegend der Lucasmühle im Tiefenbachtal östlich Vossenack über den steilen Hang kommend nach. Zu diesem Zeitpunkt hatten zu Infanteristen umfunktionierte amerikanische Pioniere jedoch schon wieder eine Abwehrstellung in Höhe der Kirche und des Friedhofs aufgebaut.

 

Wir wandern zunächst mit mäßigem Gefälle um die Felsnase herum. Rechterhand befand sich im Hang eine „Erste-Hilfe-Station“ der Amerikaner. Schon bald wird der Pfad hinunter ins Kalltal und zur Mestrenger Mühle steiler. Wir queren einen Forstweg und wandern auf der gegenüberliegenden Seite weiter steil bergab. Wir kommen an zwei nah beieinander liegende Forstwege, von denen der untere die Zufahrt zur Mestrenger Mühle ist, die wir durch die Bäume bereits erkennen können. Weiter geradeaus führt ein schmaler Weg entlang einer Wiese zur Kall-Brücke (1,9km, 255m). Hier erinnert eine Gedenkskulptur an die humanitäre Aktion des deutschen Stabarztes Dr. Stüttgen. Ihm gelang es vom 7. -12. November hier an der Kall mit den Amerikanern einen inoffiziellen Waffenstillstand auszuhandeln, um die Verwundeten beider Seiten zu versorgen.

 

       

Kall Trail und Kall

 

Kall Trail n. Kommerscheidt

 

Serpentinen am Kall Trail

 

Für diesen Akt der Humanität wurde Dr. Stüttgen nach dem Krieg vom Gouverneur des Staates Pennsylvania geehrt. Das Ereignis an der Kallbrücke ist im Museum der Nationalgarde auf einem Gemälde mit dem Titel "A Time for Healing" festgehalten. Eine Replik des Bildes befindet sich im Friedensmuseum in Vossenack. Vor der Brücke informiert eine Tafel über die Aktion von Dr. Stüttgen.

 

Auf der anderen Seite der Kallbrücke steigen wir mit engen Kehren, die den amerikanischen Panzern ebenfalls Probleme bereiteten, den Hang Richtung Kommerscheidt bergan. An einer Zufahrt eines rechts im Hang liegenden Hauses ist auf dem Weg noch die Panzerkette eines Shermans im Boden zu erkennen (2,6km, 305m), den musste das flüchtende 707. Tank-Bataillon ebenfalls wie alle anderen Fahrzeuge zurücklassen. Nach dem Ende der Allerseelenschlacht wurde das Gebiet unterhalb von Vossenack aufgegeben.

 

       

Panzerkette

 

Aufstieg zur "Decke Ley"

 

Blick von der "Decke Ley"

 

Wir folgen dem Weg geradeaus weiter bergan und biegen an einer Weggabelung links ab. Vor der nächsten Linkskurve liegt rechts die sog. „Gavin Wiese“. Erst im Februar 1945 kam nach der Ardennenoffensive mit der 82. Luftlandedivision eine amerikanische Einheit erneut ins Kalltal, um den Angriff auf Schmidt zu wiederholen. Ihr Kommandeur James Gavin war entsetzt, als er die Toten der 28. Division noch immer unbeerdigt in den Wäldern liegen sah. Er schrieb später: “Darüber hinaus lagen zu beiden Seiten des Weges viele, viele Tote, deren Leichen nun aus dem Winterschnee wieder auftauchten. Diese von Wundbrand gezeichneten, entstellten und zerfetzten Körper waren starr und wirkten geradezu grotesk. Manche hatten die Arme zum Himmel erhoben, als flehten sie um Hilfe“.

Gavin fand weiter flussabwärts eine bessere Stelle für einen Angriff und zusammen mit der 78. Division wurde am 7. Februar 1945 Schmidt schließlich eingenommen.

Wir wandern weiter auf den Spuren des 112. US-Regiments bergan. Der Weg gleicht hier einer Rampe, die am Ende ins Nichts, quasi in den Himmel führt.  

 

       

Schützenlöcher an der "Decke Ley"

 

Panzerspuren an der "Decke Ley"

 

Kommerscheidt

 

Rechts im Hang finden sich noch Dutzende Erdlöcher, die vermutlich kurz vor dem Rückzug als Gefechtsstand der beiden zusammengeschossenen Bataillone dienten.

Am Ende des scheinbar in dem Himmel führenden Weges, die „Decke Ley“ genannt, steht eine Bank zum Verweilen, dieser herrliche Blick ins Kalltal mit der Mestrenger Mühle lädt einfach dazu ein (3,2km, 365m).

Nicht so friedlich erging es Col. Peterson, als er hier von Deutschen angegriffen wurde und flüchten musste. Er brauchte zwei Tage, um sich durch die feindlichen Linien durchzuschlagen

In der Wegkurve sind am Boden im Fels noch deutlich Spuren von Panzerketten zu erkennen. Wir folgen dem Weg weiter und passieren nach einem Rechtsbogen eine Schutzhütte. Der Weg verlässt nun den Wald und führt jetzt nur noch leicht ansteigend durch Wiesengelände hinauf nach Kommerscheidt (3,7km, 405m). Vorher biegen wir aber mit dem Wegzeichen des Kall Trails (66) rechts an einer hecke ab. Zurückblickend hat man ein tolles Panorama auf die gegenüberliegenden Höhen um Vossenack, Brandenberg und Bergstein mit dem Burgberg. Diese strategisch wichtige Kuppe wurde erst am 7. Dezember von den Alliierten erstürmt. Von dort hatten die Deutschen ausgezeichnete Einsicht ins gesamte Kampfgelände und konnten ihre Artillerie hervorragend koordinieren. Auch hier kann man beim Anblick des Geländes es nicht verstehen, dass die Amerikaner diesen Weg gewählt haben. Durch freies Wiesengelände geht es leicht bergab zu einem Waldrand, an dem wir links auf den „Kreuzweg des Friedens“ (80) stoßen. 

 

       

"Missepaad"

 

Huschelsbach Biotop

 

Huschelsbach "Querung"

 

Mit beiden Wegzeichen „66“ und „80“ wandern wir hinunter durch einen felsigen Hohlweg. Am nächsten Waldweg gehen wir links mit „89“ weiter und verlassen hier den „Kall Trail“, um nicht den Hinweg hinunter zur Kall zu wandern. Der Weg führt uns über zwei hintereinander liegende, kleine talwärts rauschende Bäche leicht bergab.

frische Biberspuren

Hinter einem Linksbogen schimmern unten im Tal die weiß getünchten Wände der Mestrenger Mühle durch das Geäst. Der Weg führt dann mit einem Linksbogen ins Huschelsbachtal, das wir nun aufwärts gehen. Kurz bevor der Weg die Talseite wechselt führt unser Pfad spitzwinklig den Hang hinab. Es lohnt sich aber auf dem Hauptweg noch einige Meter weiter zu gehen, denn da liegt mit dem gestauten Huschelsbach ein kleines Naturparadies (5,5km, 293m). Wenn man sich vorsichtig nähert hat man vielleicht das Glück, einen Fischreiher zu beobachten. Aber die Spuren eines anderen Tieres sind unverkennbar. Hier lebt der Biber – und nicht schlecht. Bäume tragen die eindeutigen Nagespuren kurz über dem Boden, der ein oder andere ist schon abgeknickt.

Nach 130 Jahren ist der Biber wieder heimisch in der Eifel.. Wegen des fetthaltigen Sekrets, mit dem er sein Fell pflegt und wasserabweisend macht, diesem sog. Bibergeil schrieben die Menschen vor einigen Jahrhunderten eine besondere Heilkraft zu. Eine ideale Beute für den Menschen war der Biber auch wegen seines Fells und als Fleischlieferant. Damit geistliche Herren ihren Biberbraten auch während der Fastenzeit ungeniert genießen konnten, erklärte ein päpstliches Edikt den Biber aufgrund seines beschuppten Schwanzes kurzerhand zum Fisch.

Nachdem wir von dem idyllischen Fleckchen einige Fotos gemacht haben, wandern wir mit dem bekannten Wegzeichen, begleitet vom Huschelsbach, talwärts bis zu einem Zaun. Hier geht der Pfad steil einige Meter zum Bach hinunter. Jetzt wird es etwas abenteuerlich, denn der hier einmal vorhandene Steg hat man wahrscheinlich wegen Baufälligkeit abgerissen. Spuren und Reste sind noch zu sehen. Trittsicher wird der Bach mit Hilfe der im Wasser liegenden Steine überquert. (2015 war ein neuer Steg vorhanden)

  

       

Holzsteg über die Kall

 

alpine Szenerie

 

Mestrenger Mühle

 

 Nach gelungener Bachüberquerung wandern wir rechts zur Kall, die mit einer Holzbrücke überquert wird (6,1km, 269m). Rechts führt jetzt der schnellste Weg zur Mestrenger Mühle. Wir machen aber noch einen kleinen Schlenker im Talhang um die Mühle herum. Dazu benutzen wir die Zufahrt des rechts am Bach liegenden Haus und wandern diese hoch bis zum Kallweg. Hier stoßen wir wieder auf die bekannten Wegzeichen „66“ uns „80“. Der „Kall Trail“ (66) führt links zurück nach Vossenack. Wir gehen rechts mit der „80“ weiter und stehen bald vor einer steilen fast senkrechten aufragenden Felsformation. Der Weg wird schmaler und es führt nur noch ein Pfad um den Felsen herum. Wir stoßen auf unseren Hinweg, den wir rechts hinunter, dann aber zur Mühle weitergehen und erreichen so eine denkmalgeschützte Zeitzeugin (7,0km, 267m). Könnte sie reden, würde sie aus dem Erzählen wohl kaum herauskommen, von dem was sie in ihren 5 Jahrhunderten schon alles erlebt hat. 

 

       

Mühlenteich

 

Mühlrad

 

Mühlengraben

 

Eine aus dem 17. Jh. stammende Ölmühle, 1663 zeigt eine Jahreszahl an der Hauswand, erhielt 1707 die Erlaubnis des Ausbaus zu einer Kornmühle für die umliegenden Dörfer Vossenack, Schmidt, Kommerscheidt und Harscheidt. Sie war eine Beimühle und musste das Recht zu mahlen von der Lammersdorfer Bannmühle kaufen.

Mit ihrer funktionsfähigen Antriebs- und Mahlwerkseinrichtung zeugt die Wasserkraftanlage von der Bauweise und Technik der vorindustriellen Zeit.

 

Im Nach einer gemütlichen Rast verlassen wir die Mühle entlang des Mühlengrabens und erreichen wieder die Kallbrücke, die wir ein zweites Mal überqueren, aber auf dieser Seite des Huschelsbaches bleiben und rechts zu einem Forstweg (Bachtäler-Höhenroute) aufsteigen. Dort wandern wir rechts zurück ins Kalltal, wo nach 300m links ein sonderbar geformter Felsen ein spektakuläres Bild bietet (7,8km, 270m). Es handelt sich bei diesen gefalteten Gesteinsschichten um einen sog. geologischen Sattel. Er entstand vor 300 Millionen Jahren im Zuge der variskischen Gebirgsbildung. Mehr Erläuterungen kann man der Info-Tafel entnehmen. „Teufelsley“ nennt man diesen hier steil ins Kalltal abfallenden Bergrücken, auf denen sich eine deutsche MG-Stellung befand und von dort das Tal kontrollierte. 1944 wurde die Mühle heiß umkämpft und wechselte wohl mehrmals den Besitzer. Sie diente oftmals als amerikanischer Gefechtsstand oder deutsches Hauptquartier. Soldaten suchten Schutz im Keller der Mühle, die auch Zufluchtsort der Verwundeten war. Vor allem beim Waffenstillstand halfen sich dort Ärzte und Sanitäter beider Seiten gegenseitig, ihre verwundeten Soldaten zu versorgen. Nach Kriegsende konnte die Mühle bald wieder hergerichtet werden und wurde in den Nachkriegsjahren zum Mahlen von Getreide für den Eigenbedarf gebraucht. Der damalige Eigentümer Peter Dohr, kam im April 1945 durch „Mineneinwirkung“ ums Leben, ein Schicksal, das viele Bewohner der Region bis lange nach dem Krieg teilen mussten. Mit dem aufblühenden Tourismus betrieben die Inhaber seit den 30er Jahren eine Gaststätte und Pension. 

 

       

geol. Sattel an der "Teufelsley"

 

Wanderweg mit Hindernissen

 

Ende in Sicht

 

Kallaufwärts überqueren wir an einem Schutzpilz rechts den Bach (8,2km, 274m) und stoßen dann rechts wieder auf den „Kall Trail“, der nun links entlang des Richelsbaches erst noch moderat bergan führt. Gegenüber einem links über den Bach führenden Holzsteg führt uns das Wegzeichen rechts auf einem naturbelassenen Pfad steil hinauf. Am Ende des Waldes treffen wir auf einen Grasweg den wir links auf die schon in Sichtweite kommende Kirche zugehen und dort unseren Ausgangspunkt wieder erreichen. 

 

 

Gedenkskulptur auf der Kallbrücke

Information: Wanderkarte Nr 2 „Rureifel“ und Nr. 50 „Nationalpark-Karte“ des Eifelvereins.  „Historisch-literarischer Wanderweg Hürtgenwald 1938-1947“ Sammelmappe der 7 Rundwanderwege (  www.kreis-dueren.de/tourismus/pdf/wandern/Kall-Trail.pdf  )

und das Projekt „Multimedia-Historyguide“ mit ausführlichen Informationen und Filmausschnitten.


Streckenlänge: ca. 10 km, meist unbefestigte Wege.

Markierung meist „Kall Trail“ (66), „Kreuzweg des Friedens“ (80) , Bachtälerhöhenroute,

 

Schwierigkeit: mittelschwere Wanderung, zwei Steigungen, 1. aus dem Kalltal ca. 140 Höhenmeter, 2. am Ende nach Vossenack ca.120m. Auf- und Abstiege 340m

 

Einkehrmöglichkeit: in Vossenack und Mestrenger Mühle  www.mestrenger-muehle.de


 

GPS-Track:  Allerseelenschlacht.gpx  (Link speichern unter)
 

 


Kall Trail auf einer größeren Karte anzeigen

 

 

 

 Touren: Ochsenkopf l Allerseelenschlacht l Hill 400

 

Kampf um die „Wilde Sau“

„Killing Field“ im Hürtgenwald

 

 

Soldatenfriedhof Hürtgen

 September 1944 hatten US-Einheiten des VII. US Corps südlich von Aachen die erste und zweite Westwall-Linie durchbrochen und waren erst am 17. September durch frisch eingetroffene deutsche Truppen in Lammersdorf und Schevenhütte gestoppt worden. Ziel war es noch vor Einbruch des Winters einen Brückenkopf östlich des Rheins zu errichten. In Vorbereitung der kommenden Rheinoffensive beschloss der Kommandeur des VII. US Corps, General Collins, mit der 9. US-Infanteriedivision aus dem Raum der Roten Wehe bei Zweifall über die Höhenstrasse (heutige B 399) im Bereich Vossenack-Germeter und von dort weiter Richtung Schmidt anzugreifen, um einen rechten Korridor als Schutz vor Flankenangriffen einzurichten. Ein weiteres strategisches Ziel war die Ortschaft Hürtgen. Am 6.Oktober 1944 griffen zwei Regimenter an, das 39. im Norden Richtung Wittscheidt und das 60. zwischen Richelskaul und Todtenbruch in Richtung der Bunkerkette an der Kreuzung Raffelsbrand. Das 47. US. Regiment hielt weiter die Stellung in Schevenhütte. Während ein Bataillon des 60. US-Regiments fast eine Woche von einem deutschen Vorposten im Bereich der heutigen Siedlung Raffelsbrand aufgehalten wurde, kam es zu schweren Kämpfen zwischen G.I.s des 39. Infanterieregiments der 9. US-Infanteriedivision und Soldaten der deutschen 275. Infanteriedivision um die Bunker im Tal der Weißen Wehe. Schließlich mussten sich die Deutschen auf die Verteidigungsstellung im Raum Germeter zurückziehen. 

 

Zwischen Germeter und Hürtgen liegt heute an der B399 der Soldatenfriedhof Hürtgen mitten im Walddistrikt „Wilde Sau“. Regimenter dreier amerikanischer Divisionen, der 9. der 28. und der 4., hatten hier gekämpft und hohe Verluste erlitten. Die Soldaten beider Seiten hatten unbeschreibliches Grauen erlebt. Mitten in diesem Kampfgebiet haben auf dem Friedhof 3001 Kriegstote ihre letzte Ruhe gefunden, darunter 2925 deutsche Soldaten, 35 Zivilopfer, 27 Russen. 13 Polen und ein Belgier.

Hier starten wir unsere nächste Wanderung (398m) auf den Kriegsspuren der Hürtgenwaldschlacht von Herbst 1944 und werden im Tal der Weißen Wehe auf Entdeckung gehen.

Im Eingangsbereich des Friedhofes wurde 1994 anlässlich des 50-jährigen Gedenkens an den „D-Day“ (Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944) von Veteranen der 4. US Infanteriedivision eine Stele errichtet, die an den deutschen Leutnant Friedrich Lengfeld erinnert. Er war am 12. November 1944 bei dem Versuch, einem amerikanischen Verwundeten aus einem Minenfeld in unmittelbarer Nähe des heutigen Friedhofes zu bergen, selbst schwer verwundet worden und diesen Verwundungen auf dem Verbandsplatz Lukas-Mühle am gleichen Tag erlegen. Der Leutnant bekam seine letzte Ruhestätte auf der Kriegsgräberstätte Düren-Rölsdorf, Grab-Nr. 38.

 

       

Gedenkstein für Lt. Friedrich Lengfeld

 

Reste zerschossener Bäume

 

Weg im Walddistrikt "Wilde Sau"

 

Zunächst gehen wir ca. 500m auf dem Rad-Gehweg an der B399 entlang. Rechts liegt der Friedhof und links geht der Blick weit über die Landschaft zur markanten Kuppe des Burgberges, von wo aus die Deutschen sämtliche Truppenbewegungen beobachten konnten. Aufgrund der exponierten Lage der Orte war keine Bewegung ohne Beobachtung durch den jeweiligen Gegner möglich. Diese Lage machte es jedoch auch schwierig, sie in Besitz zu nehmen.

Die Straße war lange Zeit Kampfgrenze. Rechts beginnt ein freies Feld, das in der Karte als „Wilde Sau“ bezeichnet ist. Hier verlassen wir die Straße und wandern auf dem Wirtschaftsweg weiter bis zu einem Tor, an dem wir durch eine Schleuse den Wald betreten. Links geht es weiter auf einem naturbelassenen Waldweg durch den Walddistrikt „Wilde Sau“. In dem nachfolgenden Gelände kann man bis hinunter ins Wehebachtal alte Schützenlöcher entdecken. 

 Viele Verluste erlitten die Kämpfenden durch Baumkrepierer, daher war das Schanzen und Eingraben lebenswichtig. Was mit den kleinen Flachspaten in dem steinigen Boden oft nur scheibchenweise möglich war. In dem erst nach dem Krieg neu aufgeforsteten Wald sind auch heute noch Immer wieder Stellungen auszumachen.

Ein quer liegender Baum versperrt uns zunächst den Zutritt zum nächsten Forstweg, den wir nach Umgehung des Hindernisses links weitergehen. Der naturbelassene Weg endet in einem kleinen Seitental der Weißen Wehe, das hinauf nach Wittscheidt führt. Vorrückende Soldaten waren hier mit wenigen Verteidigern aufzuhalten.

 

   

   

alte Feldstellung 

 

Germetsbach

 

Spähposten mit Blick ins Wehebachtal

 

 Wir folgen rechts spitzwinklig abbiegend (7) dem kleinen Gewässer des Germetsbaches talwärts bis zu einer Brücke (2,0km, 385m), wo wir den Bach links überqueren und dort auf dem Forstweg (46 Wehebachschlucht) weiter wandern. Leicht bergan machen wir an der nächsten Linkskurve einen kurzen Abstecher nach rechts, von wo ein schöner Blick ins Tal und auf die andere Seite lockt (2,3km, 390m). Für einen Spähposten ist hier eine ausgezeichnete gut einzusehender Stelle, so sind auch hier wieder Spuren von Grabungen zu entdecken. Sicht und Schusslinien mussten allerdings frei gemacht werden. Weiter geht es auf einem angenehmen Weg im Osthang des Wehebachtales. An der nächsten Linkskurve war ein erneuter Spähposten. Erdaushebungen und auch Betonreste sind zu entdecken. Im Hang und auch weiter im Gebiet „Katzenhardt“ befinden sich noch sehr viele Stellungen, die vom 39. Regiment der 9. US-Infanteriedivision und anschließend vom 109. Regiment der 28. genutzt wurden. Der Weiterweg stößt auf eine Wegekreuzung, an der wir rechts mit der „16“ und „94“ in einem kleinen Seitental der Wehe auf der „Alten Zweifaller Straße“ hinunter wandern (3,3km, 405m). In diesem Tal wurde der Angriff des Regiments Wegelein abgewehrt.

 

Das Regiment Wegelein war am 12. Oktober, als das 3. Bataillon des 39. US-Infanteriedivision das erste Mal Vossenack einnehmen wollte, überraschend in den Hürtgenwald gekommen und hatte von Norden die linke Flanke und US-Stellungen im Bereich der Katzenhardt und der Alten Zweifaller Straße angegriffen. Somit musste das 3. Bataillon im Raum Vossenack den Angriff einstellen, um im Gegenangriff die Flankenbedrohung zu stoppen. Die Verluste auf beiden Seiten waren hoch. So hatte das Regiment Wegelein, eine zweitausend Mann starke, zur Hälfte aus Offiziersanwärtern zusammengestellte deutsche Einheit, bei einem übereilten Angriff in nur einer Nacht 500 Mann verloren. Ihr Kommandeur, Oberst Wegelein, wurde tödlich verwundet, als er gegen jede militärische Regel, vor den eigenen Reihen patrouillierte. 

 

       

alte Feldstellung im Osthang der Wehe

 

Felsen oberhalb Bunker 429

 

Wehe an "Alte Zweifaller Straße"

 

Es ist die alte „Zweifaller Straße“, die während der Kämpfe als befestigte Nachschubstraße diente, über die auch Kettenfahrzeuge herangeführt werden konnten. Man hoffte auf diesem Weg, die Deutschen an der B399 von ihrer Hauptnachschublinie Düren abschneiden zu können. Der von hier aus am 2. November 1944 gestartete Angriff auf Hürtgen wurde wenig später durch die Deutschen im Bereich des Minenfeldes „Wilde Sau“ gestoppt. Das Minenfeld wurde für das 109. zur Todesfalle und musste bereits nach fünf Tagen durch das 12. Regiment der 4. US-Division abgelöst werden.

 

Weiter unten sehen wir rechts des Weges einen markanten Felsen. Auf dem davor erkennbaren Plateau befand sich der Bunker 429, etwas weiter rechts unten der Bunker 441/32. Drei weitere Bunker lagen links im Osthang der Weißen Wehe entlang des Waldweges. ( Nr. 431, Nr. 442/43 und Nr. 434) Alle Bunker wurden in der Nachkriegszeit bis auf die Bodenplatte abgerissen und teilweise übererdet, bei genauer Betrachtung können aber noch Betonreste entdeckt werden. In einem der Bunker befand sich während der Allerseelenschlacht der Gefechtsstand des Regimentskommandeurs des 112. Regiments der 28. US-Infanteriedivision, Col. Peterson, der am 7. November 1944 auf der Ostseite des Kalltales im Bereich „Decke Ley“ schwer verwundet wurde. 

 

   

   

entlang der Wehe

 

Korallenpilz im Winter 

 

matschige Wege früher wie heute

 

 Vor dem Bach wandern wir rechts im Tal den Weg weiter (3,8km, 360m). Der Hang ist übersät mit Deckungslöchern, die besonders nach Passieren einer Felswand nicht zu übersehen sind. Wasserpfützen und Matsch bedecken den Weg und bereiten uns beim Gehen einige Schwierigkeiten. Schlimmer war es im Herbst 1944. Durch das sich immer mehr verschlechternde Wetter entstand ein zusätzlicher Gegner für die vordringenden Amerikaner. Die schweren Fahrzeuge machten die Wege, die nicht einmal mit den heutigen zu vergleichen sind, zu einer Schlammpiste. Knöcheltief wateten die Soldaten durch den Matsch. 

 

   

   

wilder Wehebach

 

Aussicht "Drei Eichen"

 

vermutlicher Gefechtsstand Boeschs

 

 Der Wehebach fließt jetzt hier auf breiter Fläche durch eine naturnahe Auenlandschaft. Ein kleiner Wasserfall gestaltet die Kulisse noch wildromantischer. Beobachten kann man hier auch mit etwas Glück Fischreiher. Von rechts fließt ein kleiner Bach in die Wehe. 300m weiter stoßen wir auf die „76“, den Paul-Boesch-Weg (5,4km, 320m); und wandern diesen unscheinbaren Waldweg rechts talaufwärts. Boesch nannte dieses Tal „Death Valley“, Tal des Todes. Im oberen Bereich schloss sich die „Purple Heart Hollow“ an, beides Namen, die an verlustreiche Kämpfe erinnern.

Die engen Taleinschnitte waren bei den Amerikanern gefürchtet, da sie von den Deutschen hart verteidigt wurden und bei den Angreifern viele Opfer gefordert haben. Am Ende des Anstiegs geht es links moderater weiter bis zur Höhe mit dem Aussichtpunkt „Drei Eichen“ (6,1km, 380m). Der Blick schweift über das Wehebachtal zur gegenüberliegenden Talseite. Auf dem Weiterweg liegen rechterhand weitere Schützenlöcher, das dem Weg am nächsten gelegene war vermutlich Boeschs Gefechtsstand.

Paul Boesch war einer der Kompanieführer, der im November mit der 8. US-Infanteriedivision in den Hürtgenwald kam und den Platz der 28. einnahm. Sie sollte nun versuchen Hürtgen einzunehmen. 

 

       

Brandenburger Tor

 

Blick hinüber nach Hürtgen

 

Walddistrikt "Wilde Sau"

 

 Wir stoßen auf eine Wegekreuzung, wo wir rechts mit der „76“ leicht bergan weiterwandern. Hier befand sich im Herbst 1944 während des Angriffs auf Hürtgen eine amerikanische Erste-Hilfe-Station, von wo auch die amerikanischen Toten abtransportiert wurden. Am Ende der Steigung und des Waldes erreichen wir ein überdimensionales Holztor (7,5km, 375m), dass wegen seiner Größe auch den Namen „Brandenburger Tor“ erhielt. Der Blick geht von hier über eine weite baumlose Wiesenlandschaft Richtung Hürtgen, wo rechts am Waldrand im November 1944 der Gefechtsstand des Pionier-Ersatz-Bataillons 253 unter Hauptmann Brückner lag, das Anfang November mit 800 Mann in den Hürtgenwald kam und Ende des Monats nur noch 45 Mann hatte.

Vor dem großen Wildgatter biegen wir rechts ab. Der Weg markiert in etwa die Angriffslinie des Angriffs von Boeschs Kompanie Ende November 1944. Zwischen dieser Stelle und dem Dorf Hürtgen liegt eine Senke, in der Boesch über 48 Stunden in Deckung vor feindlichen Feuer lag.

Wir durchqueren ein heute ruhiges und idyllisches Waldstück, das für viele Soldaten und nach dem Krieg auch für Bewohner der Umgebung zur Todesfalle geworden war. Hier befand sich das von den Deutschen angelegte Minenfeld „Wilde Sau“. Der Name stammt von der noch älteren Bezeichnung des Walddistrikts. Der 8. US Division gelang es schließlich Ende November Hürtgen einzunehmen und wenige Tage später Bergstein zu erreichen.

Der nächste Forstweg führt links wieder zum Ausgangspunkt. 

 


Kriegsverteran

Information: Wanderkarte Nr 2 „Rureifel“.  „Historisch-literarischer Wanderweg Hürtgenwald 1938-1947“ Sammelmappe der 7 Rundwanderwege und das Projekt „Multimedia-Historyguide“ mit ausführlichen Informationen und Filmausschnitten.

 

Streckenlänge: ca. 8,7 km, naturbelassene und unbefestigte Wege nur die ersten 550m auf dem Radweg entlang der B399 und die „Alte Zweifaller Straße“ sind befestigt

Markierung teilweise „76“ (Paul-Boesch-Weg) und „46“ Wehebachschlucht

 

Schwierigkeit: leichte Wanderung, aus dem Wehebachtal hinauf zur Aussicht „Drei Eichen“ einzige größere Steigung; Auf- und Abstiege 180m

 

Einkehrmöglichkeit: keine

 

 

GPS-Track: Boeschweg.gps  (Link speichern unter)

 

 

 


Boeschweg auf einer größeren Karte anzeigen

 

 

 

 

 Touren: Ochsenkopf l Allerseelenschlacht l Wilde Sau

 

 

"Hill 400"

 von den Amerikanern gefürchtete Höhe

 

 

So nannten die Amerikaner den 400m hohen Burgberg bei Bergstein, der während der Schlacht im Hürtgenwald eine wichtige strategische Rolle spielte. Der von den Deutschen besetzte Berg machte ihnen einen schnellen Vormarsch in die Rurebene zunichte.

 

Blick vom Parkplatz in die Rurebene

 Auf der Hochfläche unterhalb dieses Berges liegt der Ort Bergstein. Hier beginnen wir unsere nächste Tour auf den Kriegsspuren der Hürtgenwaldschlacht vom Herbst 1944.

 Zwischen Kirche und Burgberg finden wir ausgezeichnete Parkmöglichkeiten. Die Wanderung ist gespickt mit hervorragenden Aussichten. Schon hier am Rande des Parkplatzes bietet sich nach Norden ein ausgezeichneter Blick hinunter in das Tal der Rur nach Obermaubach mit dem Staubecken und bei guter Sicht weit nach Norden in die Düren - Jülicher Rurebene mit der Sophien Höhe und den Kraftwerken der Rheinbraun am Horizont.

Erinnern wir uns hier bei diesem Blick in die Ebene an die Strategie der Amerikaner, die von der deutschen Reichsgrenze bei Aachen durch den Stolberg-Korridor über Düren und Jülich zum Rhein vorstoßen wollten. Da sie aus Süden aber, in ihren Augen aus dem unheimlichen Wald, Flankenangriffe der Deutschen befürchteten, hatte General Collins beschlossen, mit der 9. US-Infanteriedivision den Hürtgenwald als Flankenschutz für den kommenden Vorstoß auf Köln zu besetzen. Daraus entwickelte sich zwischen September 1944 und Februar 1945 in den dichten Wäldern zwischen Monschau, Düren und Aachen eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges, die unter dem Namen „Hürtgenwaldschlacht“ in die Geschichtsbücher eingegangen ist. 

Warum die hier vor uns liegende Bergkuppe dabei eine so wichtige Rolle spielte erfahren wir bald nach der Besteigung der Höhe, die die Amerikaner „Hill 400“ nannten. 

 

Kampfgebiet Hürtgenwald

  

 Beim letzten Haus nehmen wir hinter einer Schranke den linken steil hochführenden Weg „93“. Kurz bevor wir das Bergplateau erreichen, erinnert rechts am Wegesrand ein Splitterkreuz schon an die Kämpfe vom Herbst 1944. Rangers Elitetruppen hatten am 7. Dezember unterstützt durch Panzerverbände unter hohen Verlusten das Bollwerk der Deutschen erstürmt. Im Juli 1981 fand man hier am Burgberg die Überreste des Amerikaners Paul Peternell, Soldat der 8. Infanteriedivision. Er wurde seit dem 9. Dezember 1944 als vermisst gemeldet. Seine sterblichen Überreste wurden auf einem Soldatenfriedhof in Belgien beigesetzt. 

 

       

Krawutschketurm

 

Bergstein

 

Rurtal mit Burg Nideggen

 

 Waren die Amerikaner seit der Landung in der Normandie innerhalb von nur 3 Monaten bis zur deutschen Reichsgrenze bei Roetgen vorgestoßen, so brauchten sie für die 20 Kilometer bis zur Einnahme des Burgberges noch einmal 3 Monate.

Auf dem Gipfel (0,4km, 400m) steht der 13m hohe „Krawutschketurm“, den wir mit 76 Treppenstufen besteigen. Schon 1933 war auf dem Burgberg ein Aussichtsturm, der zu Ehren des wanderbesessenen Wanderfreundes Franz Krawutschke errichtet worden war. Der Holzturm war 1945 einem der vielen Waldbrände zum Opfer gefallen. Die Aussicht, die uns oben erwartet, ist einmalig. Es geben nur wenige „Eifel-Blicke“, die ein solches 360° Panorama bieten. http://www.eifel-blicke.de/go/eifelblicke-detail/38_huertgenwald_bergstein_burgberg.html

Jetzt erkennt man auch die strategische Bedeutung dieser Anhöhe, die im Laufe der Geschichte mehrfach im Fokus der Militärstrategen stand.

So gab es schon im Mittelalter zwischen 1090 und 1198 hier eine Burg, die das Aachener Reich schützen sollte. Die Kölner Erzbischöfe empfanden sie als Bedrohung und erzwangen 1198 von König Otto IV. die Herausgabe und Zerstörung. Unmittelbare Nutznießer waren die Grafen von Jülich als erzbischöfliche Lehensleute. Wilhelm II hatte 1177 mit dem Bau der Gegenburg in Nideggen begonnen und vollendete sie ab 1198 mit dem Material der Reichsburg. Daraus entstand dann die Sage der feindlichen Brüder, die beide auf der stolzen Höhenburg „Berenstein“ wohnten bis sie sich entzweiten und der eine dann auf der anderen Rurseite eine neue Burg baute. Weil diese den Neid des zurückgebliebenen Bruders erregte, wurde sie von den Bewohnern der Gegend Neid-Eck genannt. So erklärt die Sage auch die Entstehung des Namens Nideggen.

Nach Osten hin erhebt sie sich malerisch hoch über dem Rurtal auf einem Buntsandsteinfelsen. Diesen Ort konnten die Amerikaner erst am 1. März 1945 nach der deutschen Gegenoffensive in den Ardennen einnehmen. Bei guter Sicht ist weiter am Horizont die Konturen des Siebengebirges zu erkennen. Mit einem Fernglas ist auch mit etwas Glück der Kölner Dom und die "Hohe Acht" auszumachen.

Nach Westen und Südwesten blicken wir über das Kampfgebiet des Hürtgenwaldes mit den Orten Schmidt, Vossenack, Hürtgen, Brandenberg und Bergstein. Hier tobte der längste Kampf auf deutschen Boden. So wie wir heute dieses grandiose Panorama genießen, entging den Deutschen im Herbst 1944 von hier keine militärische Aktion der Amerikaner auf den freien Flächen und konnten entsprechend die deutsche Artillerie leiten. Nach Norden blicken wir über das Staubecken von Obermaubach in die Rurebene, wo Düren als Ausladebahnhof für die deutsche 7. Armee diente und am 16. November 1944 durch alliierte Bomber restlos zerstört wurde.

 

       

ehemaliger Gruppenunterstand 

 

Kommandobunker

 

Familienrastplatz

 

 Als der Vormarsch der Amerikaner im September an der deutschen Reichsgrenze durch Verzögerungen bei der Nachschubversorgung zum Stillstand gekommen war, war es den Deutschen gelungen, mit versprengten Kräften die Westwalllinie zu besetzen. Die dichten Wälder wurden zu Panzersperren und die Bunker dienten als Unterstände, die in einem kleinen Radius verteidigt werden konnten. Auch hier am Burgberg gab es zwei Bunker. Einer davon ist als solcher kaum auszumachen.

Wir steigen vom Turm hinunter und sehen einen kleinen Rastplatz. Unter diesem befindet sich der unzerstörte Bunker 371, der etwa 9km hinter der zweiten Westwalllinie liegt. Es ist ein Gruppenunterstand ohne Kampfraum. Der Bunker ist vollständig erhalten, ist aber nicht zugänglich. Er dient heute als Aussichtsplattform mit Rastplatz und als Fledermausquartier.

Der Weiterweg führt mit der „93“ leicht bergab vorbei an einem Konglomeratfelsen, der im ersten Augenblick als Reste eines Bunkers vermutet werden kann. Der Burgberg ist zusammen mit „Heidkopf“ und „Roßberg“ noch Zeuge der ehemals weiter nach Westen reichenden Buntsandsteinverbreitung. Wenn wir rechts an dem Felsen einmal vorbei gehen, sehen wir einen Graben, der aber nicht den Kriegshandlungen vom Herbst 1944 zu zuordnen ist, sondern von der ehemaligen Burganlage des Mittelsalters übrig ist.

Unser Weg erreicht wieder die Schranke vom Beginn des Aufstiegs. Jetzt wandern wir vor der Schranke rechts mit der „35“ (Heinrich Böll Weg) weiter und umrunden fast den ganzen Burgberg auf einem bequemen Weg. Links unterhalb der Böschung hinter dem ehemaligen Forsthaus entdecken wir die Ruine eines Kommandobunkers (370). Der Raum für den Kommandanten, der Offiziersraum und die Schreibstube sind offenbar nicht zerstört, der Zugang ist durch eine Stahltür verschlossen. 

 

       

Wanderweg Burgberg

 

Abstieg vom Burgberg

 

Auf dem Weg nach Zerkall

 

Im weiteren Verlauf stehen links ein Kreuz, das an die Opfer des Krieges beider Seiten erinnert und rechts ein Gedenkstein für die vielen nach dem Krieg tödlich verunglückten Einwohner Bergsteins. Kurz danach erreichen wir einen wunderschön gelegenen Rastplatz mit der Aussicht in das Rurtal und der gegenüberliegenden Burg Nideggen (1,0km, 360m). Weiter geht es mit der „35“ und einem blauen Punkt (Panoramaweg 15) um den Burgberg bis zu einem quer verlaufenden Weg, dem wir links mit der „93“ und auch beim nächsten rechts abbiegenden Weg folgen. Der Wald- Graspfad stößt hinter einem Geländer auf eine kleine Talmulde, die wir links mit „93“ Und „5“ (Willibrordusweg) steil hinunter steigen. Der Abstieg endet an einem Wirtschaftsweg, der links talwärts (93, 35, 5), teilweise mit Blick zur Burg Nideggen nach Zerkall führt. In Zerkall fällt uns links eine Straße mit dem Namen „Weingartsberg“ auf. Dieser Name erinnert an den ehemaligen Weinanbau hier im Rurtal. Der Ort liegt auf der Sonnenseite des Burgberges. Unten stoßen wir auf die Rurbrücke, wo rechts der Kallbach in die Rur mündet. Vor den Gleisen der Rurtalbahn queren wir ein zweites Mal den Fluss über eine Fußgängerbrücke und gelangen zum Nationalpark-Informationspunkt(3,5km, 175m). Die schöne Lage und der Rastplatz verführen zu einer Pause. Vielleicht wird es demnächst hier auch eine Restauration geben, die Planungen sind im Gespräch und ein Betreiber steht auch schon bereit. 

 

       

Steg über die Rur zum Info-Punkt

 

Info-Punkt Zerkall

 

Mündung der Kall in die Rur

 

Vom Info-Punkt wandern wir auf dem „Wildnistrail“ ein kurzes Stück an der Straße entlang und gelangen hinter der Kallbrücke links zu einem Parkplatz. Hier geht es mit dem „Wildnistrail“ und „5“ rechts auf einem Grasweg leicht ansteigend. Es lohnt sich, hier auch einmal zurückzuschauen. Am Ende der Steigung wandern wir mit beiden Wegmarkierungen rechts auf dem Forstweg weiter. Rechts unten im Tal liegt die Papierfabrik von Zerkall, die erstmals 1512 als wassergetriebene Mühle erwähnt wird. Sie diente im Verlauf der Zeit als Schleif-, Walk- und Ölmühle. Im Jahr 1887 wurde im Mühlengebäude eine kleine Herstellung für Pappen eingerichtet. Im Jahr 1903 erwarb der Dürener Papierfabrikant Gustav Renker die Anlage. Ab dem Jahr 1920 wurde bereits in die USA exportiert. Unter der geschützten Marke ZERKALL-BÜTTEN erlangten die Produkte weltweite Bekanntheit. 

 

       

Wanderweg Kalltal

 

Furt und Steg an der Kall

 

Der Kallbach

 

 Der Weg verläuft am Fuße des „Heidberges“, dessen Hang links mit vielen Felsen durchsetzt ist und über hundert Meter steil ansteigt. Er gehört zu der Buntsandsteinformation, die links der Rur liegen. Dann müssen wir Acht geben, um nicht den Abzweig „5“ rechts zu verpassen, der ins Wiesengelände führt. Hier haben wir noch einmal einen Blick zum Burgberg mit Krawutschketurm, der gerade noch über den Baumwipfeln hervorschaut. Anschließend (90, 5, 25) kommen wir entlang der Kall zu einer Furt. Über einen Holzsteg können wir trockenen Fußes den Bach queren. Hier finden wir auch einen kleinen Rastplatz (5,5km, 188m) für eine kurze Trinkpause. Auf der Sonnenseite des Kalltales wandern wir bis zu einer Wegegabelung, wo wir den rechten Weg nehmen (5). Leicht ansteigend führt der Waldweg mit einer Schleife durch ein Seitental. Der Weg, der teilweise in den Fels geschlagen wurde, verläuft nun bequem ca. 15m über der Talsohle. Dann entdecken wir unten links eine weitere Furt mit einem daneben liegenden Steg. Ein schmaler Pfad führt steil den Hang hinunter dort hin. 

 

       

Kallquerung Feb. 1945

 

heutiger Holzsteg

 

Zweifallshammer

 

Es ist die Stelle, an der im Februar 1945 die 82. Luftwaffendivision der Amerikaner nochmals Schmidt angriff. Ihr Kommandeur, James Gavin, fand hier eine bessere Stelle die Kall für einen Angriff zu überqueren und zusammen mit der 78. Division wurde am 7. Februar 1945 die Ortschaft Schmidt eingenommen.

Entlang des Talbodens (10) wandern wir auf historische Gebäude zu. Es handelt sich um eine vollständige Eisenverarbeitungsanlage aus der vorindustriellen Zeit. Zweifallshammer heißt dieser Ort in Anlehnung an die ehemaligen industriellen Anlagen. Im Kalltal gab es zwischen Kallbrück und Zerkall eine bemerkenswerte Hüttenindustrie. Schon 1527 – 1600 gab es hier eine Bleihütte.

1806 nahm Eberhard Hoesch hier ein Hammerwerk in Betrieb. Er war einer der industriellen Pioniere der Eifel, der später im Ruhrgebiet maßgeblichen Einfluss ausübte. Zweifallshammer und das umliegende Gelände sind bis heute im Besitz der Familie Hoesch.

 

Ein Teil des Wassergrabens der Bleihütte „Klingelpütz“, drei Stollen am Hang hinter der heutigen Wohnanlage, der Hüttenteich und das Wassergrabensystem, Fundamentsreste, sowie einzelne Gebäude sind geblieben. 

 

       

Reste der Lukasmühle

 

Abzweig ins Macherbachtal

 

Macherbach

 

Vorbei an dem Anwesen geht es bis zur Panoramastraße Vossenack ´- Schmidt (8,6km, 224m). Jetzt verlassen wir das Kalltal und wandern rechts im Tiefenbachtal weiter (5a, Viertälerroute 56).

Am Eingang des Tiefenbachtales steht ein Kreuz mit den Jahreszahlen 1864 und 1964. Während 1964 das Kreuz neu errichtet wurde, hat sich 1864 an dieser Stelle das Unglück ereignet, das zur Errichtung des Kreuzes geführt hat. Nach der Überlieferung wurde ein Fuhrmann vom eigenen Karren erschlagen, als dieser in den Tiefenbach abrutschte und umkippte. Angeblich hatte dabei der heimfahrende Fuhrmann in der Lukasmühle reichlich geistigen Beistand genossen, so dass er seinen Gaul nur recht ungenügend den Weg zu weisen vermochte.

 

Heute erinnern 400m weiter nur noch in unmittelbarer Nähe der historischen Stelle restaurierte Teile des alten Mahlwerkes und eine Hinweistafel an die ehemalige Mühle. Ursprünglich war diese Mühle nicht als Mühle sondern als Eisenhammer gebaut worden, wie so viele damals in den Tälern der Eifel. Seit 1569 klapperte sie am Tiefenbach. 1920 wurde der Betrieb eingestellt, da die kleinen Mühlen mit den großen elektrisch betriebenen nicht mithalten konnten. Eine Schnapsbrennerei mit Gastwirtschaft machte die Mühle dann zu einem beliebten Ausflugslokal der umliegenden Bevölkerung. Im Herbst 1944 war sie Verbandsplatz der deutschen Soldaten und wurde durch Kriegseinwirkungen stark beschädigt und nach dem Krieg dem Verfall preisgegeben. 1951 wurde sie endgültig abgerissen (9,0km,.235m) 

 

       

Im Macherbachtal

 

Blick nach Vossenack

 

Burgberg "Hill 400"

 

Ein Weg mit dem Hinweis „Brandenberg, Bergstein“ zweigt ohne Markierung rechts ab. Dieser verhältnismäßig leicht ansteigende Weg führt uns durch das wunderschöne Macherbachtal wieder auf die Höhe um Bergstein. Oben schon vor der L11 stoßen wir auf den Bergsteiner Panorama Weg 15 ( ), der uns jetzt auf der anderen Straßenseite der L11 (10,8km, 360m) vorbei an einem Wegekreuz wieder zurück zum Ausgangspunkt leitet. Dieser Weg trägt seinen Namen zu Recht, denn die Ausblicke sind phantastisch und wechseln unterwegs zu immer neuen Panoramabildern.

In der Kirche von Bergstein war im Dezember 1944 das Hauptquartier des 2. Ranger-Bataillons. Diese Einheit erstürmte am 7. Dezember unter schweren Verlusten den Burgberg.

 

Es war eine wunderschöne abwechslungsreiche Wanderung durch eine friedliche Landschaft mit vielen einmaligen Panorama-Blicken. Nur wenig erinnert noch an den Herbst 1944 als hier in einem sinnlosen Krieg Angst und Schrecken herrschte. Wann lernt der Mensch endlich einmal die Sinnlosigkeit eines Krieges zu begreifen. Schon vor über 2000 Jahren schrieb der griechische Geschichtsschreiber Herodot: “Niemand der bei Verstand ist, zieht den Krieg dem Frieden vor, denn in diesem begraben die Söhne ihre Väter, in jenem die Väter ihre Söhne.“

 

Düren-Jülicher Tiefebene

 

Information: Wanderkarte Nr 2 „Rureifel“. Wanderkarte 50 Nationalpark-Karte, „Historisch-literarischer Wanderweg Hürtgenwald 1938-1947“ Sammelmappe der 7 Rundwanderwege und das Projekt „Multimedia-Historyguide“ mit ausführlichen Informationen und Filmausschnitten.

Streckenlänge: ca. 12,5 km, naturbelassene und unbefestigte Wege; 

verschiedene Markierungen, 5 (Willibrodusweg), 15 ( Bergsteiner Panorama Weg), 35, (Heinrich-Böll-Weg), 93 (Krawutschke Weg,

Schwierigkeit: mittel schwere Wanderung, durch das Macherbachtal ca. 2km langer aber moderater Anstieg; Auf- und Abstiege 300m

Einkehrmöglichkeit: keine

 

GPS-Track: Track_Burgberg.gpx (Link speichern unter)

 

Alternativ-Route: „Bergsteiner Panorama Weg (15)“ Dieser Weg (9,7km) umrundet das kleine Eifelörtchen fast ohne nennenswerte Auf- und Abstiege mit ständigen herrlichen Aussichten. Der 40m hohe Aufstieg zum Burgberg und 76 Stufen zum „Krawutschketurm“ kann als Höhepunkt der Runde am Ende erfolgen.

Das Informationsblatt über den Panoramaweg gibt es am Informationspunkt des Nationalparks in Zerkall. Weiterhin liegt es in einem Kasten, der an der Schautafel auf dem Parkplatz unterhalb des Burgbergs angebracht ist, aus.

 

 


Hill 400 auf einer größeren Karte anzeigen

 

 

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